Das My Way schließt

Matthias Cromm

Ja, richtig gelesen: Das My Way schließt. Nach 18 Jahren macht die Metal-Kneipe an Oberlinden dicht. fudder-Autor Matthias Cromm erklärt, wie es dazu kommen konnte und macht noch einmal klar, was Freiburg mit der Kneipe verliert:



Ende Juni verabschiedet sich mit dem My Way Freiburgs Metal-Kneipe - nach 18 Jahren hingebungsvoller Betriebsamkeit im Zeichen der drei großen Sechsen und lauten Gitarren. Das Bild, die Treppe hinuntergehend, von Hansi - schulterlange Haare nach hinten, Bauch nach vorne - mit einem abgehangenen „Ja-Servus!“ begrüßt zu werden, ist ja schon seit einiger Zeit passé. Aber Wirtin Simone hielt bisher wacker die Stellung.


Am Samstag, 7. Juni 2014, gibt es zwar noch mal ein hoffentlich rauschendes Geburtstagsfest zur Majorennität, aber lange kann die Kellerkneipe an Oberlinden die Volljährigkeit nicht genießen. Bereits an den beiden folgenden Samstagen, 14. und 21. Juni, findet der feierliche Abschied statt.

Unzählige Bands haben im My Way gespielt

Freiburg verliert damit nicht nur eine Subkulturkneipe, sondern auch eine Konzert-Location par exellence. Unzählige Bands unterschiedlichster Genres haben in der My-Way-Ecke gestanden:
  • Die Voodoobillys Deadbolt aus San Diego, die sich selbst als "the scariest band in the world" bezeichneten und vor Humor sprühten.
  • GG Allins alte Band, die Punkrocker The Murder Junkies aus New York, die das My Way so sehr liebten, dass sie es auf dem Backcover ihrer DVD verewigten.
  • Die kult Garage-Punkband M.O.T.O. aus New Orleans, deren Kürzel für Masters of the Obvious steht.
  • Das Hardrock-Garagemonster Adam West aus Washington D.C., jene Band, die sich den Namen des Schauspielers im Faschingsfledermauskostüm nur gegeben hat, weil sie sich auf keinen Namen einigen konnte.
  • Die absurd-großartigen Turpentine Brothers,
  • die Columbian Neckties,
  • 77,
  • Deadborn,
  • Groovy Ghoolies,
  • die unglaublichen Hex Dispensers,
  • Bloody Hollies,
  • BBQ,
  • Sewergrooves,
  • Tin Cans - die Liste könnte man weit, weit fortsetzen mit wahrscheinlich um die hundert Namen, mit denen sich die Geschichte des My Way verbindet.
 



Viele der Konzerte - wie das von Lento oder das der Black Diamond Heavies - werden für immer in den Gehörgängen der Zuschauer brennen - nicht nur wegen der oft satten Lautstärke, sondern wegen der Größe der Neuentdeckung oder der meist goldenen Hand des My-Way-Bookings. Hut ab!

Warum das My Way schließt

Leider schwächeln die Umsätze während der Woche immer mehr, und Querelen mit der Nachbarschaft häufen sich - Wirtin Simone ärgert sich über die ständigen Vorwürfe, ihre Kunden würden auf die Straße oder an den benachbarten Blumenladen urinieren. Tatsächlich ist das My Way mit mehr als ausreichend sanitären Anlagen ausgestattet, und wer wenig Gäste hat, der hat auch keine randalierenden, wild um sich urinierenden Horden.

Augenscheinlich wird aber wohl der Plan der Anliegerschaft, den Bereich Oberlinden kulturfrei zu halten, wie von selbst einen Schritt weiter gedeihen. Man munkelt bereits über das Aus für den City Döner in der Herrenstraße, während Juri's Cocktail & Wine Bar mit Lärmvorwürfen bedacht wurde (fudder berichtete).



Da stellt sich wieder die alte Frage: In was für einer Stadt möchte ich eigentlich Leben? Aber das steht auf einem anderen Blatt, hier ist es einfach schade um ein Stück Subkultur. Aber: Ein bisschen bin ich ja mit schuldig. Ich hätte ja öfter im MyWay gewesen sein können und was für den Umsatz tun. Feiern wir also einen fröhlichen Geburtstag und einen würdigen Abschied.

Bleiben noch die Worte aus der Feder von Paul Anka und den Kehlen von Frank Sinatra oder Sid Vicious: And now the end is near, and so I face the final curtain. My friend, I'll say it clear I'll state my case of which I'm certain. I've lived a life that's full I've travelled each and every highway, and more, much more than this: I did it my way. Danke!