Hochschulsport

Das Massenzappeln an der Uni kostet jetzt Geld

Claudia Förster

Die Freiburger Studierenden sind schockiert: Beim Hochschulsport der Albert-Ludwigs-Universität gibt es seit Beginn des Sommersemesters keine kostenlosen Angebote mehr.

"Ab Beginn des Sommersemesters 2017 wird es beim Hochschulsport Freiburg keine kostenfreien Angebote mehr geben", heißt es lapidar auf der Website der Uni. Zwar waren von den insgesamt knapp 150 Sportkursen die meisten schon vorher kostenpflichtig – Yogalehrer müssen bezahlt, Fechtausrüstungen angeschafft werden. Die meistbesuchten Kurse aber, die ein Viertel des Angebots ausmachen, waren bis zum vergangenen Semester kostenlos. Dazu gehören Ballsportarten oder die unter Hochschulsportlern als "Massenzappeln" bekannte Fitnessgymnastik.


Der Landesrechnungshof ist schuld

Vor nur einem Jahr konnte jeder in die Hallen spazieren und beim Fußball auf den Ball treten oder beim Fitness schwitzen. Dann schalteten sich die Versicherungen ein: Damit die Kasse bei einem Unfall für die Behandlungskosten aufkommen könne, müsse klar erfasst sein, welche Person wann in der Halle ist. Seit dem Sommersemester 2016 müssen sich Sportler deshalb auf Listen eintragen, wenn sie ins Training gehen.

Dass sie fürs Zappeln jetzt auch noch zahlen müssen, hat mehrere Gründe, erklärt Armin Backhaus, der Leiter des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) der Universität Freiburg. Der Landesrechnungshof habe bei einer Prüfung kritisiert, dass der AHS Material, Aufsichten und Miete aus Steuergeldern und Semestergebühren finanziere, ohne dabei einzunehmen – und das als eine der letzten Hochschulen des Landes. Gleichzeitig waren die Sportkurse auf dem Papier vor Teilnehmern übergequollen, nicht aber die Halle. "Wenn es nichts kostet, meldet sich keiner ab und nimmt so jemand anderem den Platz weg", erklärt Backhaus.

10 Euro für die "Sportartzulassung"

Deshalb führt nun auch der AHS Freiburg ohne Ausnahme Gebühren ein: einmalige, zehn Euro teure "Sportartzulassungen" für Basketball, Beach-Volleyball oder Badminton. Wer zum Geräteturnen will, muss diese Eintrittskarte vorzeigen, wer es sich anders überlegt, den motiviert eine Rückerstattung dazu, sich tatsächlich abzumelden.

Betroffen von der Änderung sind mehr als ein Viertel der insgesamt rund 12 000 Hochschulsportler pro Semester. Die neuen Einnahmen – schätzungsweise 22 000 Euro – werden in den erhöhten Verwaltungsaufwand fließen, sagt Backhaus.

Für regelmäßige Nutzer sei der Beitrag keine Belastung, meint Sportstudent Robert Leichter. Allerdings sehen einige den Charakter ihres geliebten Unisports bedroht. Inga Twardy, 25, findet: "Ich möchte mir die Kurse anschauen und dann entscheiden, ob ich mitmache. Jetzt überlege ich dreimal, ob ich nicht gleich in einen Verein gehe." "Wenn das Angebot kostenlos und spontan ist, probiere ich auch etwas aus", sagt die 21-jährige Eva Unterweger.

Die Flexibilität des Unisports wolle er wahren, versichert Armin Backhaus: "Das ist unser Auftrag: Studierenden zu ermöglichen, Sportarten kennenzulernen. Weil das Geld ohnehin erst nach dem dritten Termin eingezogen wird, kann man eine Sportart ausprobieren und sie stornieren, wenn man doch nicht hinmöchte". Außerdem zahle man nur einmal, könne aber mehrmals in der Woche auf den Rasen.

Verpflichtender werde der Unisport in der Praxis nicht, so Backhaus. Die Zulassungen würden nur stichprobenartig kontrolliert. Auch eine Kapazitätsgrenze gebe es nicht. "Keiner wird rausgeschmissen. Selbst mitten im Semester kann man spontan zum Massenzappeln – und sich noch an der Türschwelle anmelden."

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