Das Märchen mit der schwarzen Kassette: Conforce live im Drifter's Club

Bernhard Amelung

Am Freitag kommt mit dem Niederländer Boris Bunnik alias Conforce ein Musiker ins Drifter's, der in den letzten zwei Jahren Musiknerds und Feierwütige gleichermaßen zum Durchdrehen gebracht hat. Bernhard stellt uns den Hochkaräter vor, und fudder verlost zwei Fanpakete mit jeweils zwei Gästelisteplätzen und einer CD.



Immer wieder und immer von neuem muss der niederländische Produzent Boris Bunnik alias Conforce in Interviews die Geschichte erzählen, wie er zur elektronischen Musik gefunden hat. Doch sie beginnt so wundersam wie ein Märchen, dass Bunnik sie wiederholen kann, ohne ihr dabei den Zauber zu nehmen.


Irgendwann in den frühen Neunziger Jahren nämlich, Boris Bunnik ist da gerade einmal zehn Jahre alt, findet sein Vater, ein Forstmeister auf der friesischen Watteninsel Terschelling, eine schwarze Tonbandkassette in einem kleinen Waldstück. Er hebt sie auf, steckt sie ein und bringt sie nach Hause.

„Vielleicht ist das etwas für dich“, sagt er und gibt die Kassette seinem Sohn. Dieser legt sie in ein Abspielgerät ein. Massive Bässe donnern ihm entgegen, schnelle, harte Beats erschüttern die Wände seines Kinderzimmers und acid-getränkte Synthesizer verursachen ein Brennen in seinen Ohren. Er erstarrt vor Schreck, denn House und Techno, wie ihn Luke Slater, Adam Beyer und Joey Beltram zu dieser Zeit produzieren, hat er bisher noch nie gehört.



Bunniks anfängliches Entsetzen weicht jedoch der Neugier und schlägt schnell um in Faszination für die dichten Soundschichten und vielfältigen Rhythmen, die er auf dieser Kassette entdeckt. Von nun an macht er sich auf die Suche nach Herkunft und Ursprung dieser Musik. Dabei helfen ihm sein Neffe, der ihn regelmäßig mit Mixtapes versorgt, sowie der Betreiber eines Tanzcafés auf der Ferieninsel Terschelling.

Dieser, selbst leidenschaftlicher Plattensammler, verfügt über ein großes Archiv an Vinylscheiben mit harten Rave-Sounds aus Großbritannien und Belgien, aber auch Musik aus Chicago oder Detroit. Hier darf Bunnik nach Herzenslust herumstöbern, und es ist auch dieses Tanzcafé, in dem er zum ersten Mal vor Publikum an den Plattentellern steht und auflegt: Ferienhymnen und Sommerhits zum Mitsingen statt elektronische Underground-Musik.

Die Jahre vergehen. Boris Bunnik zieht nach Leeuwarden, belegt einen Studiengang für audio-visuelle Kommunikation und gräbt sich in seinem Schlafzimmerstudio immer tiefer ein in das Erzeugen von Soundscapes und Effekten. Er arbeitet mit denkbar einfachen Mitteln, wenig Hardware, wenig Software, vertieft sich jedoch umso intensiver in die Maschinen, Programme und in sich selbst.



Drei Dinge bezeichnet Bunnik als unentbehrlich für seinen persönlichen Reifeprozess als Produzent: Die autodidaktische Analyse von Klängen und Tonintervallen, die Feinarbeit an Harmonie und Rhythmus sowie diese nach innen gerichtete Betrachtung. Während andere Produzenten ihre Kraft aus der geradezu greifbaren Energie einer Clubnacht ziehen, wird Terschelling, die alte Heimat, zu seinem kreativen Rückzugsgebiet.

Inzwischen nutzt er die Insel auch als Kraftort für seine körperliche und seelische Stärkung, wenn er von aufreibenden Touren aus Japan, Australien oder durch die europäische Clublandschaft zurückkehrt. Dorthin führen ihn seine Gigs seit geraumer Zeit, nachdem er mit ersten Veröffentlichungen auf Label wie der niederländischen Superplattform Rush Hour einen weiten Liebhaberkreis gefunden hat.

Zurecht, denn Bunnik setzt mit seiner Musik Energien frei wie ein Gewitter, das sich über einem Bergsee entlädt und urgewaltige Donner durch Felsschluchten jagt. Gleichzeitig liegt über seinen Stücken ein zarter, melancholischer Schleier, dem auch die messerscharfe Kritik ausgewählter Musik-Nerd-Zirkel nichts anhaben kann. Jüngstes Meisterwerk: Das Album "Escapism" - ein Brückenschlag von House zu Dub Techno.

Conforce - Escapism (Album Preview)

Quelle: Soundcloud

Doch auf einen Sound festlegen darf man den Niederländer nicht. Mit Versalife hält er ein Alias bereit für experimentelle elektronische Musik und Elektro – den Guten, und nicht, was MP3-Schleudern wie Beatport als solchen ausgeben. Und noch in diesem Jahr veröffentlicht er ein Album als Hexagon.

Darauf hält er Klangskizzen mit einer Vielzahl von Stimmungen, von Nachdenklichkeit, Schwermut und Zerbrechlichkeit bereit. Ein Gegenpart zur Tanzflächenmusik, mit der er am Freitag, den 13. April 2012 im Drifter's Club zu hören sein wird. Und zu den harten, treibenden Sounds auf der schwarzen Tonbandkassette, mit der alles angefangen hat.



Last-Minute-Verlosung:

fudder verlost ein Fanpaket aus zwei Mal zwei Gästelisteplätzen mit einer CD für Somebody Scream mit Conforce live im Drifter's Club. Wer gewinnen möchte, schickt schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff "Conforce" zusätzlich mit seiner Anschrift an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 13. April 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.

Mehr dazu:

Was: Somebody Scream mit Conforce live; support: Agent Schwiech
Wann: Freitag, 13. April 2012, 23 Uhr
Wo: Drifter's Club [Bilder: Nick Lapien]