Sedanviertel

Das Litfass muss den Innenhof schließen – wegen fehlender Genehmigung

Anika Maldacker

Seit 43 Jahren wird in der kleinen Kneipe im Sedanviertel gequalmt, musiziert und dargestellt: Nun will die Litfass-Bar ihr Kleinkunstkonzept ändern – auch wegen Lärmbeschwerden. Die Terrasse ist seit diesem Jahr geschlossen.

Seit 43 Jahren öffnet die kleine, auf den ersten Blick unscheinbare, Kneipe an der Moltkestraße 17, das Litfass, jeden Tag. An den Wänden hängen gerahmte Fotos von Künstlern beim Musizieren, die Wand zur Nummer 15 ist noch die Originalwand mit den Postern von vor 43 Jahren. Die Ein-Raum-Raucherkneipe im Sedanviertel ist nur 35 Quadratmeter groß – 35 Gäste haben dort Platz. Bekannt ist die kleine Bar auch wegen seiner Blue Monday Reihe, bei der Künstlerinnen und Künstler am Montagabend ihre Kunst darbieten können.


Doch im August hat Litfass-Wirt Willi Krüger die Reihe ausgesetzt – vorübergehend. Der Betrieb des kleinen Innenhofs hinter dem Haus pausiert schon seit diesem Frühjahr. Dort sind Tische und Stühle in einer Ecke aufeinander gestapelt. Auslöser für die Schließung des Innenhofs für die Gäste waren Beschwerden der Nachbarn. 2019 gingen bis zur Schließung drei Beschwerden ein. "Sie kamen vor allem vom Haus neben und gegenüber von uns", sagt Willi Krüger. Mit dem Haus nebenan meint der 63-Jährige die Nummer 15. Das Haus ist vor rund vier Jahren aufgestockt und saniert worden. Im Erdgeschoss hat vor rund zwei Jahren der Unverpackt-Supermarkt Glaskiste eröffnet. Im Haus wohnen die Besitzer, mehrere Mieter – dort werden aber auch drei Ferienwohnungen vermietet.

Baurechtliche Genehmigung fehlte

Nach dem Eingang der Beschwerden wurde der 63-jährige Willi Krüger vom Baurechtsamt darauf hingewiesen, dass für die Terrassennutzung eine baurechtliche Genehmigung fehle. "Die zu Beantragen kostet viel Zeit und Geld, daher haben wir erstmal pausiert", sagt er. Schriftlich hat er dem Baurechtsamt zugesagt, den Innenhof nicht mehr für die Gaststätte zu nutzen. Um die Genehmigung will Krüger sich im kommenden Jahr kümmern. Dafür sei ein lärmrechtliches Gutachten nötig und ein Nutzungskonzept, über das das Baurechtsamt dann zu entscheiden hat. Seit Frühjahr darf nur das Personal den Innenhof für die Pause nutzen. "Seitdem gingen keine Beschwerden beim Baurechtsamt ein", sagt Rathaussprecherin Martina Schickle.

Wieso die Beschwerde erst jetzt aufkam, ist für Willi und seine Team rätselhaft, zumal der Eigentümer seit Jahren im Nachbarhaus wohnt. Der Gedanke, ob es an den Ferienwohnungen liegen könnte, ist ihnen gekommen. Aber: "Die Gäste aus der Ferienwohnungen finden es meistens toll, dass direkt nebenan eine Bar liegt und schauen oft für einen Absacker vorbei", sagt Willi.

Auf einen Schlag 20 Leute vor der Tür

Ein anderes Problem, das Willi Krüger sieht: Der Lärm vor der Tür. "Andere Kneipen im Viertel machen früher zu, daher kommen deren Gäste oft zu uns", erzählt Krüger. Dann stünden auf einen Schlag 20 Leute vor der Tür und das Litfass sei ohnehin fast schon voll. Rechtlich ist er nicht dafür zuständig den Lärmpegel zu senken, wenn Menschen vor dem Litfass auf der Straße auf Einlass warten. Aber weil es eben seine, oder potentielle Gäste seien, würde die Beschwerde oft auf ihn zurückfallen. Daher müsse sich das Personal neben dem Barbetrieb oft auch um Ruhe vor der Kneipe bemühen.

Aufgrund der Lärmbeschwerden will Willi Krüger das Kulturkonzept der Litfass-Bar zum Ende des Jahres etwas modifizieren. Ans Aufhören denkt er nicht, schließlich ist das Litfass inzwischen eine der ältesten Kneipen in Freiburg, die auch Kleinkunst Raum bietet. Das Kulturkonzept solle verschlankt und zeitlich klar begrenzt werden – spätestens um 22 Uhr soll Schluss sein. "Wir wollen wieder mehr die Kleinkunst in den Vordergrund stellen, nicht nur Konzerte, aber diese können auch darunter fallen", sagt Krüger, vor allem Unplugged-Konzerte seien gewünscht. Lesungen sollen am zweiten und vierten Mittwoch eines Monats stattfinden, musikalische Veranstaltungen am ersten und dritten Montag.

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