Das Literaturhaus zieht in den Theatersaal der Alten Uni - Theatergruppen müssen weichen und sind sauer

Laura Maria Drzymalla

Im Frühjahr 2016 zieht das Literaturhaus in die Räumlichkeiten der Alten Universität. Für Literaturliebhaber ist es eine wunderbare Nachricht – für die neun Theatergruppen der Uni Freiburg eine Hiobsbotschaft. Wie der Konflikt gelöst werden soll:



Der Theatersaal der Alten Universität in der Bertholdstraße dient seit Jahren als Probe- und Veranstaltungsort der studentischen Theatergruppen. Dort sind sie fest verwurzelt, Gruppen wie die maniACTS und Schall&Rauch gründeten sich auf dieser Bühne und locken schon lange Publikum fern des Unikontextes an. Die Uni Freiburg bot die Veranstaltungssäle an und ist jetzt im Zugzwang, Ersatzräume für die Theatergruppen zu finden - denn die alte Uni hat ab dem Frühling 2016 einen neuen Mieter: das Literaturhaus Freiburg.


Es besteht ein Interessenkonflikt: die Theatergruppen, die Uni Freiburg und das Literaturbüro verhandeln nun über verschiedene Nutzungsmöglichkeiten und Alternativen. Der Kooperations- und Mietvertrag wird laut Uni Rektor Schiewer gerade von der Universität aufgesetzt und der Stadt dann vorgelegt. Bestenfalls wird im März über die endgültige Nutzung entschieden.

Literaturhaus als lebendiger Veranstaltungsort

Martin Bruch, Leiter des Literaturbüros und des baldigen Literaturhauses begrüßt den neuen Standort: „Es ist ein Quantensprung in der Freiburger Literaturvermittlung, weil Freiburg dann einen fixen Ort für Literatur hat. Und das nicht irgendwo - sondern da, wo Literatur hingehört: in der Stadtmitte“, so Bruch. So wird ein Ort in der Innenstadt regelrecht zum Leben erweckt. Zwei bis vier Mal pro Woche wird es hier Veranstaltungen geben, die neu renovierten Räumlichkeiten und der Innenhof am Platz der alten Universität werden aktiv genutzt und einem großen Publikum zugänglich gemacht.

Rebecca Haußmann von der noch jungen Theatergruppe StageFried, kann sich über den Einzug des Literaturhauses nur bedingt freuen: „Einerseits finden wir es schön, dass das Literaturhaus gestärkt wird, andererseits entsteht der Eindruck, dass die Universität das, was von uns in diesem Raum geleistet wird, jahrelang nicht wahrgenommen hat“.

Ein solcher Eindruck habe keine Grundlage, äußert wiederum Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Die Universität ist äußerst stolz auf ihre rege Studententheaterszene. Ich glaube sogar, dass uns viele andere Universitäten um unsere vielen lebendigen und kreativen Theatergruppen beneiden.“

Gemeinsame Nutzung des Theatersaals von Literaturhaus und Theatergruppen.

Die Uni Freiburg bot den Theatergruppen direkt nach Vergabe der Räumlichkeiten verschiedene Säle für Proben und Premieren an. Außerhalb der Universität aufzutreten, betrachtet man von Seiten der Theatergruppen nur als eine kurzfristige Notlösung. Im Gespräch ist, neben dem ehemaligen Kinosaal im Rektoratsgebäude am Fahnenbergplatz auch die Lutherkirche im Stühlinger.

Doch diese Räumlichkeiten kommen mitunter wegen Platzproblemen für die Gruppen, u.a. StageFried, nicht in Frage. Kirche und Aufführungen, das könne schnell anstößig werden, äußert Haußmann. „Wir sind junge Leute und es gibt bestimmt Sachen, die nicht gewollt sind in so einer Institution.“

Momentan wird noch verhandelt – laut Haußmann suchen die Studenten einen Ort, an dem alle neun Theatergruppen zusammen proben können. Ihr großer Wunsch sei, sich etwas gemeinsam zu suchen, vor allem da sie unter dem gemeinsamen Dachverband FIST (Freiburger Interessenverbund für studentisches Theater) miteinander arbeiten. „Zusätzlichen Raumbedarf der studentischen Theatergruppen wird die Universität selbstverständlich decken", heißt es von Seiten der Uni. Konkret schlägt die Uni eine 60:40 Nutzung der Räumlichkeiten in der Alten Uni vor. Dies würde bedeuten, dass die Gruppen freie Kontingente vor Ort weiterhin nutzen könnten. Laut Haußmann liege jedoch die Schwierigkeit, alles zu verbinden, an den unterschiedlichen Arbeitsweisen beider Parteien. Den Gruppen würden bis auf einige Ausnahmen die Wochenenden zur Verfügung stehen, doch dies hat zur Konsequenz, dass der Probenbetrieb nur eingeschränkt möglich sein wird. „Es wird schwierig. Wir planen bis zum nächsten Semester wie immer, da wir den Theatersaal bis zum August haben. Wie es danach weitergeht, kann man noch nicht sagen.“

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    [Foto: Nele Harms]