Das legendäre "Café Ruef" eröffnet neu - mit Pizza, Mezze und Mucke

Marius Buhl

Pizza, Mezze, Mucke: Aus dem altehrwürdigen Cafe Ruef soll eine szenige Restaurant-Bar werden - mit DJ-Musik, arabischen Speisen und guten Drinks. Bei der Neugestaltung standen Jakob Schlaak und Florian Bartsch vor der Frage: Wie sehr darf man ein Traditionscafé verändern?



Florian Bartsch und Jakob Schlaak planen gerade die Zukunft, als die Vergangenheit noch einmal ins altehrwürdige Café Ruef kommt. Die verschmierte Glastüre mit dem Schriftzug "Ruef – Cafe, Bar" öffnet sich und ein weißhaariger Mann steckt den Kopf durch die Türe. Er blickt auf die neuen Möbel, auf die holzige DJ-Kanzel, auf die nackten Glühbirnen, die von der Decke baumeln. Dann sagt er: "Das Café Ruef eröffnet also neu. Hier habe ich damals in den 70ern schon gefrühstückt – Rührei und Schinkenkäsecroissant. Dieses Café hat Tradition!"

Jakob Schlaak hat diesen letzten Satz schon häufig gehört – er ist seine größte Sorge. Denn mit dem Café, das er übernimmt, verbinden alle eines: Katerfrühstück. Morgens früh, wenn nach zerfeierten Nächten alles schon zu hatte, ging man in Freiburg ins Café Ruef. Das war zwar nicht immer so, vor allem in den letzten jahren wurde so aber die normalen Frühstücksgäste verdrängt.



Dann, vor einem Jahr, schloss das Café Ruef. Und Jakob Schlaak und Florian Bartsch wollen nun mit der Tradition brechen. „Es ist zu anstrengend“, sagt Schlaak.  „Das waren andere Zeiten“, sagt Bartsch. „Du brauchst Nerven aus Stahl, um ein Nachtschwärmer-Café zu betreiben“, sagt Schlaak. „Wir wollen was Neues gestalten, etwas, das es in Freiburg noch nicht gibt!“, sagt Bartsch.

Ein Restaurant als Bar

Neu, das heißt im Fall von Bartsch und Schlaak: Aus dem einstigen Nachtschwärmer-Café soll ein Restaurant werden, das gleichzeitig Bar ist  - und umgekehrt. Ein DJ spielt Musik, dazu gibt es Essen und Drinks. Öffnen soll das Restaurant um 17 Uhr 30 – wird das Angebot angenommen, könnte bald auch der Cafébetrieb starten. Bar, Café, Restaurant? „Wir legen uns da nicht fest“, sagt Bartsch. Stattdessen habe man dem Ruef den Untertitel „Naherholung“ gegeben. „Das ist es, was wir sein wollen. Eine Oase der Erholung, in der es gemütlich zugeht. Stress mit den Nachbarn wollen wir nicht!“



An die DJ-Kanzel wollen die Neumacher übrigens fast jeden lassen - vorausgesetzt mans schickt vorab ein paar Lieder ans Ruef und die passen zum Abend. Am Mittwoch ist die Kanzel für die Damen reserviert - bei Girls on Desks.

Zum Essen

Der palästinensische Koch, Firas Khatib, bisher Koch im Rebstock in Ebringen, soll Mezze kochen. „Mezze sind kleine, arabische  Speisen, bisher stehen Fattoush (Brotsalat), Hummus, Pasten und Cremes fest auf der Speisekarte“, sagt Jakob Schlaak. Dazu sollen auch internationale Tapas kommen: Albondigas (Fleischbällchen), Auberginen, Artischocken, aber auch eine kleine Portion geschmortes Rind mit Pflaumen.

Und Pizza. Die Rezepte für selbige liefert Jakob Schlaaks Bruder aus Berlin, der dort die Hype-Pizzeria „Zia Maria“ schmeißt. Das Besondere: Die Pizza wird in kleineren Stücken serviert, zum Beispiel mit Zucchini, geräuchertem Mozzarella und Minze. Das soll es nun auch im Café Ruef geben – frisch belegt. Die Zutaten wollen die Betreiber in Freiburg kaufen, zum Beispiel beim Ariana Orient House oder einem italienischen Feinkostladen auf der Haid. „Die Qualität muss stimmen“, sagt Schlaak.



Wenn um 23 Uhr die Küche schließt, soll es im Ruef künftig heiße Sandwiches, kleine Speisen und auch das 'ruefsche Nachtcroissant' geben. „Mir ging es immer so: Wenn ich in Freiburg nachts Hunger hatte, gab es nur die Döner-Buden. Wenn man was anderes wollte, war man aufgeschmissen. Das wollen wir ändern“, sagt Schlaak.

Zu Trinken

Im neuen Ruef soll es Pils, Weizen und Radler von Waldhaus geben, dazu Helles von Augustiner sowie die Freiburger Craft-Biere vom Braukollektiv und Decker. Die Weißweine sollen aus der Region kommen, die Rotweine aus Portugal, Frankreich und Italien. „Eine große Cocktailkarte soll es nicht geben, wir planen eher mit ausgewählten Longdrinks – natürlich auch mit Gin!“

Augenzwinkerndes Schmankerl  soll der „Cheap Charlie“ werden, ein Drink mit Billig-Gin aus dem Treff. Die Idee dahinter: „Bei uns soll der Genießer seinen ‚Monkey‘ trinken können, wer aber weniger Geld hat, soll nicht ausgegrenzt werden“, sagt Jakob Schlaak. Der Café kommt im Ruef von Elephant Beans.

Das Interieur

Das alte Ruef war ein Hort muffig-uriger Gemütlichkeit. Die Gretchenfrage bei der Neuplanung: Wieviel soll davon übrig bleiben? "Im Nebenzimmer eine Menge", sagt Bartsch. Hier erinnern ein hellblau-goldener Kachelofen, dunkle Holzleisten an den Wänden und bequeme Schulstühle an die alten Zeiten. Hier sollen bald Tische stehen, hier soll gespeist werden.



Im Verkaufsraum wollen die Neumacher dagegen einiges verändern – die rustikale DJ-Kanzel steht bereits, beschienen von nackten Glühbirnen. Die Bar bleibt die alte, nur auf die Theke kommt neues Holz.

Die Macher

Gründen ein Unternehmensberater und ein Lehrer eine Bar. Klingt wie der Anfang einer Zote, ist aber so. Jakob Schlaak, 35, ist studierter Wirtschaftsingenieur, er hat  in L.A, München und Berlin gearbeitet, nun ist er zurück in Freiburg. 8 Jahre lang betrieb Schlaak mit anderen einen Foodtruck für Flammkuchen-Waien, damit stand er unter anderem auf der Fusion.



Außerdem baute er die Pizzeria seines Bruders in Berlin mit auf. Zusammen mit Florian Bartsch, 33, hat er die Freiburger Veranstaltungsreihe „Tanz dich glücklich“ gegründet. Bartsch ist in Aachen aufgewachsen, in Freiburg hat er auf Lehramt studiert: Deutsch und Geografie. Nebenher hat er Partys veranstaltet – und ist seinem Motto gefolgt: „Lücke im Lebenslauf? Ja, war geil!“

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[Fotos: Marius Buhl]

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