Das Ladiyfest am Wochenende feiert feministische und queere Kultur

Bernhard Amelung

Das Ladiyfest ist Plattform für weibliche und nichtmännliche Künstlerinnen. Es findet am Wochenende an verschiedenen Orten in Freiburg statt. Warum auch Stockkampf Teil des Programms ist, erklären Lena und Sonja aus dem Orga-Team im Interview.

Was ist das Ladiyfest?

Lena: Das Ladiyfest kommt aus der feministischen und Punkrockszene. Es fand zum ersten Mal im Jahr 2000 in der Stadt Olympia in den USA statt. Die Veranstalterinnen wollten mehr weibliche beziehungsweise nichtmännliche Künstlerinnen eine Plattform bieten.

Sonja: Das Ladiyfest steht damit gewissermaßen in der Tradition der Riot-Grrrl-Bewegung, einer feministischen Musikbewegung. Es geht aber über reine Musikdarbietungen hinaus. Das Ladiyfest bietet Vorträge, praktische und theoretische Workshops zu queer-feministischen Themen an...

Lena:...und feiert den Feminismus ganz allgemein.




Was ist eure Motivation, dieses Festival zu veranstalten?

Lena: Im Organisationsteam sind rund 20 Einzelpersonen vertreten. Diese kommen aus unterschiedlichen politischen Strömungen in Freiburg. Viele waren schon davor in feministischen Gruppen aktiv. Wir alle sind der Überzeugung, dass Freiburg ein Ladiyfest gut zu Gesicht steht.

Sonja: Das letzte Ladiyfest in Freiburg fand 2012 statt. Seit einem Jahr treffen wir uns und arbeiten an der Organisation des Festivals. Wir investieren einen Teil unserer freien Zeit. Wir finden es wichtig, dass es für Frauen und queere Menschen Frei- und Schutzräume gibt, an denen sie zusammen kommen und sich vernetzen können.

Was war die größte Herausforderung in der Organisation?

Lena: Einen Ort zu finden, an dem man so ein Fest ausrichten kann. Es wäre schön gewesen, wenn das Ladiyfest an einem einzigen Ort hätte stattfinden können. Aber in Freiburg ist der Raum für eine alternative Kultur einfach sehr knapp. Umso dankbarer sind wir jetzt, mit der Jugendbegegnungsstätte und dem Stadtteiltreff in Haslach, dem Feministischen Zentrum, dem Susi-Café und dem Slow Club Orte zu haben, an denen wir unser Festival durchführen können.

Sonja: Eine weitere Herausforderung war, Infrastruktur und Technik nicht an sogenannte cis-Männer abzugeben. Wir wollten das Festival nach unseren Vorstellungen durchführen. Da passt es nicht, wenn bei sensiblen Themen zur weiblichen Sexualität und Körperwahrnehmung Männer den Raum besetzen, und sei es nur als Techniker. Aber die ganze Entertainment-Industrie ist nun einmal sehr maskulin besetzt. Daran kann man auch gut aufzeigen, wie wichtig es ist, Freiräume anzubieten.

An wen richtet sich das Festival?

Lena: Hauptsächlich an Frauen, Lesben, trans- und intersexuelle und queere Menschen.

Männer sind also keine zugelassen?

Sonja: Wir sind uns sehr bewusst, dass das Konzept zunächst einmal ausschließend wirken. Frauen, Lesben, trans- und intersexuelle und queere Menschen sind in unserer Gesellschaft allerdings strukturell unterlegen. Das Ladiyfest soll diesen Menschen einen Raum bieten, in dem sie ihre Erfahrungen frei äußern und diskutieren können.

Lena: Das Ladiyfest soll auch ein Schutzraum sein, in dem diese Menschen entspannt ausgehen und feiern können. Frauen sind im Nachtleben leider oft vom Alltagssexismus betroffen. Sie sind plumper Anmache ausgesetzt und werden bedrängt.

Sonja: Wir bieten aber auch Veranstaltungen für alle Geschlechter an, zum Beispiel einen Workshop zum Thema kritische Männlichkeiten oder einen Vortrag zur Frage von Selbstbestimmung und Norm.

Was bedeutet kritische Männlichkeit?

Lena: Die kritische Männlichkeit untersucht männliche Stereotypen und sucht Antworten auf die Frage, was eigentlich Männlichkeit bedeutet. Der Workshop beschäftigt sich mit Verhaltensweisen von Männern, zeigt männliche Privilegien auf und sucht Ansätze, wie damit umzugehen ist.

Im Programm stehen auch Workshops zu Stockkampf und Selbstverteidigung. Was hat es damit auf sich?

Lena: In diesen Workshops geht es darum, die eigene Körperlichkeit wahrzunehmen und die eigene Kraft und Stärke zu erfahren.

Sonja: Das ist aber nur ein kleiner Teil des Programms. Das Ladiyfest soll insgesamt motivieren, sich mächtig und ermutigt zu fühlen. Der Feminismus hat ganz viele Facetten.

In der Öffentlichkeit wird der Diskurs oft polemisch geführt. Warum ist das Thema so spannungsgeladen?

Sonja: Feminismus ist ein Thema, das aus unserer Sicht alle Menschen etwas angeht. Hauptanliegen sind nämlich eine gerechte Gesellschaft ohne Vorurteile und Diskriminierung. Das wird vom Mainstream allerdings missverstanden.

Lena: Es gibt ja auch Rollenvorstellungen, die Männer einschränken. So zum Beispiel wenn es darum geht, seine Verletzlichkeit zu zeigen.

Wie kann man ganz allgemein Sexismus identifizieren und was kann man dagegen unternehmen?

Lena: Augen und Ohren offen halten für diskriminierendes Verhalten und sich einmischen. Aber auch Strukturen aufbauen, die Gleichheit fördern und ein Bewusstsein dafür schaffen.
Zur Person

Lena, 28, ist Augenoptikerin, Sonja, 23, studiert Germanistik an der Universität Freiburg.

Was: Ladiyfest Freiburg – das Veranstaltungsprogramm im Überblick


Wann: Freitag, 13. Oktober, bis Sonntag, 15. Oktober 2017
Wo: diverse Veranstaltungsorte in Freiburg
Anmeldung: Begrenzte Teilnehmer*innen-Zahl bei den Workshops, Anmeldungen ab Freitag, 18 Uhr, vor Ort;
Eintritt: für das gesamte Workshop-Programm 20 – 50 Euro (Information der Veranstalter*innen: "Wir möchten, dass sich kein Mensch aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten nicht eingeladen fühlt. Kommt also auch, wenn ihr nicht oder nur wenig spenden könnt!") ; Eintritt für den Konzertabend im Slow Club (14. Oktober) 6-10 Euro

Die Veranstaltungsorte des Ladiyfests

JuZe, Jugendbegegnungsstätte Haslach e.V.

Carl-Kistner-Str. 59, 79115 Freiburg

fz*, Feministisches Zentrum Freiburg

Faulerstr 20, 79098 Freiburg

Basler8

Basler Straße 8, 79100 Freiburg

S.U.S.I.-Café – All Gender Raum

Haus A, Vaubanallee 2, 79100 Freiburg

Slow Club Freiburg

Haslacherstraße 25, 79115 Freiburg

Schattis, Wagenplatz Schattenparker

Am Eselwinkel 7, 79108 Freiburg

G19 Bike Kitchen

Gartenstr.19, 79098 Freiburg

Stadtteiltreff Haslach, Nachbarschaftswerk e.V.

Melanchthonweg 9b, 79115 Freiburg

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