"Das Label war nie zufrieden mit unseren Songs", Ole von Tonbandgerät im Interview

Carla Bihl

Im Oktober spielen Tonbandgerät aus Hamburg im Waldsee. fudder verlost 2 x 2 Tickets mit jeweils einem Album "Zwischen all dem Lärm". Außerdem haben wir mit Frontmann Ole über die Band, Freiburg und das neue Album gesprochen.

Ole, Eure Band heißt Tonbandgerät. Wieso denn eigentlich?

Als wir die Band gründeten, hatten wir noch keinen Namen. Wir fanden aber alle die Band "I'm from Barcelona" und ihren Hit "rec and play" unglaublich gut. Es geht darin um ein Tonbandgerät. Man kann damit Momente konservieren, quasi abspeichern und so auf Knopfdruck wieder hervorleben lassen. Wie so ein Marmeladenglas, das man öffnen, daran riechen und sich wieder an die Brombeeren erinnern kann.

Die Idee fanden wir einfach voll toll und wollten das auch mit unseren Songs machen. Zudem hat es in die Zeit gepasst. Es gab viele Bands, deren Namen ein bisschen weird waren.

Auf Wikipedia liest man den Begriff "deutsche Indiepopband." Was ist das?

Das habe ich neulich auch gesehen. Ich hab dann mal gegoogelt,was Indiepop eigentlich ist. Offiziell gibt es das irgendwie gar nicht, was ja auch Sinn macht. Indiepop besteht aus Indipendentmusik und Pop, was sich gegenseitig ausschließt. Ich glaube aber, damit ist eine Art von Indiemusik, wie sie in den 2000ern stattfand und natürlich Popmusik gemeint, auch Songs, die im Radio laufen können.



Und was macht Ihr tatsächlich so für Musik?

Als Band, das ist ja immer so der Klassiker, beschäftigt man sich mit allem, aber nicht damit, was man denn für Musik macht. Eigentlich bin ich ganz froh, dass wir das nie wirklich gemacht haben und vor elf Jahren einfach so angefangen haben. Damals war es gar nicht so einfach, so eine Art von Musik zu machen. Deutsch war nicht so mega angesagt, es gab nicht so viele, die das so cool gemacht haben. Klar gab es damals Silbermond und Juli. Daran haben wir uns aber nicht orientiert. Ich bin froh, dass wir so elf Jahre einfach weiter gemacht und das verfeinert haben. Wenn man mich fragen würde, dann machen wir irgendwie Popmusik. Aber eigentlich ist das auch ein bisschen egal.



Ihr seid jetzt mit Eurem dritten Album unterwegs. Was ist der Unterschied zu den Alben davor?

Für uns war es das mit Abstand schwierigste Album. Die anderen beiden Alben kamen sehr organisch raus. Wir waren im Proberaum, haben Songs geschrieben, sind zum Label gegangen, das Label hat die Songs durchgewunken und wir haben die Platte gemacht. Bei diesem Album war das Label aber nie zufrieden mit unseren Songs, sodass wir ständig neue schreiben mussten. Als wir dann merkten, dass es nicht mehr passt, waren wir auf einen Schlag labellos und hingen in der Luft. Das war eine sehr intensive Phase, in der sehr viele Songs entstanden, die jetzt auf dem Album sind. Zwei Monate später wollte dann Sony mit uns eine Platte machen. Das war natürlich ein tolles Gefühl.

In "Record Nie Pause" gibt es die Zeile "Jetzt sind das schon zehn Jahre, hab nie gedacht wie weit das geht, jetzt tragen Leute Shirts auf denen steht Tonbandgerät." Was war euer Ziel als Ihr mit der Band begonnen habt? Habt Ihr geglaubt, dass Ihr es mal so weit bringen würdet?

Natürlich nicht. Das ist auch ein bisschen die Essenz der Zeile. Wir waren damals noch sehr jung und Schüler, haben uns einfach getroffen, weil wir Bock hatten, eine Band zu haben. Es gibt ganz viele Bands, die sich gründen und noch bevor sie den ersten Song schreiben, einen Businessplan aufstellen. Wir haben genau das Gegenteil gemacht, haben uns im Proberaum eingeschlossen und zwei, drei Jahre nur zu viert Musik gemacht, erst mal unseren Sound gesucht. Wir waren froh, dass wir uns gefunden haben und irgendwie zusammen Bier trinken konnten. Bei unserem fünfjährigen Bandjubiläum haben wir in der Astra-Stube in Hamburg gespielt. Da passen achtzig Leute rein. Dieser Club war damals ausverkauft. Für uns war das riesig. Das war unser Ziel. Viel größer haben wir eigentlich nie gedacht.



Ihr habt den New Music Award gewonnen, wart beim Bundesvisionsongcontest, hattet super Chartplatzierungen, wart in den USA, China, Israel. Ihr habt schon einiges mitgenommen. Was wollt ihr noch erreichen? Habt ihr besondere Wünsche?

Wir haben als Band gelernt, dass man das nie so richtig formulieren sollte, dass es wichtiger für uns ist, kurz zu gucken und alles mitzunehmen und natürlich auch so hart wie möglich zu arbeiten, aber auch gleichzeitig alles zu genießen. Unser nächstes Ziel ist es natürlich, erst mal wieder auf Tour zu gehen. Da freuen wir uns so doll drauf. Außerdem das Album zu veröffentlichen, zu sehen, wie es ankommt. Wenn wir mit dem Album und der Tour durch sind, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir uns an das nächste Album ran setzen.

Eure Tour heißt Record-Nie-Pause. Nie Pause. Kann so ein Bandleben nicht auch anstrengend sein?

Wir haben es eher andersrum anstrengend empfunden. Als wir so in der Luft hingen und nicht wussten, wie es genau weitergeht, waren wir gezwungen, ein paar Monate Pause zu machen und nichts zu tun. Das kennt ja jeder, wenn einem seine Arbeit richtig Spaß macht. So ist es natürlich mit unserer Band. Natürlich ist es auch anstrengend, gleichzeitig erfüllt einen das aber. Record-Nie-Pause ist so gemeint, dass man durch die Umwelt geht und immer die Ohren offen hat, Geschichten aufsaugt, abspeichert, neue Songs baut.

Ihr seid schon mal in Freiburg aufgetreten. Erinnerst Du Dich noch?

Na klar, auf jeden Fall. Freiburg ist für uns sehr cool, weil es so weit weg ist. Nach Freiburg kommen wir nicht mal so schnell. Umso toller ist es für uns, wenn Leute vor der Bühne stehen, die die Texte mitsingen und voll dabei sind. Das ist immer sehr besonders, wenn man weit weg von zu Hause ist, von der eigenen Homebase, und trotzdem viele Leute da sind, die mit uns singen.



Was erwartet Freiburg bei eurem Auftritt im Oktober?

Auf jeden Fall wieder viel Konfetti und es wird getanzt. Außerdem bin mir sicher, weil es das letzte mal auch schon so war, dass wieder unglaublich viele textsichere Leute im Publikum sein werden. Das, finde ich, ist mit das Schönste bei unseren Konzerten, dass jeder Song von vorne bis hinten durchgesungen wird.

Noch was zuzufügen, Ole?

Am Freitag kommt die Platte. Wir sind schon alle ganz aufgeregt. Und wir freuen uns natürlich auf Freiburg. Alle vorbeikommen!

Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde zwei Mal zwei Tickets für das Konzert von Tonbandgerät am 25. Oktober, 20 Uhr im Waldsee sowie jeweils ein Album "Zwischen all dem Lärm."

Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Tonbandgerät" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Freitag, 28. September, um 10 Uhr. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.
2007 gründeten die Schwestern Isa (Bass) und Sophia (Gitarre) Poppensieker sowie Ole Specht (Keyboard und Gesang) die Band Tonbandgerät. Schlagzeuger Jakob Sudau stieß 2010 dazu. Verstärkung bekam die Gruppe 2015 mit dem zweiten Live-Gitarristen Marcel Rainer. Tonbandgerät gewann bereits den New Music Award und den HANS – Der Hamburger Musikpreis. 2014 nahmen sie am Bundesvisionsongcontest Teil und belegten den fünften Platz


Was:
Tonbandgerät mit der "Record-Nie-Pause"-Tour
Wann: Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr
Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, Freiburg
Eintritt: 22 Euro
Tickets: BZ Ticket

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