Das könnte ein Terrorist sein

David Weigend

Frank, 29, hat wegen seines neuen Stromgenerators bisher nur Ärger gehabt. Vor allem mit Angestellten der Deutschen Bahn. Als er das Ding im Zug mitnehmen wollte, wurde er sofort rausgeschmissen. Wegen Terrorismusgefahr, wie ihm später gesagt wurde.



Das, was da im Gras rumsteht, ist ein Stromgenerator vom Hersteller Endress. 40 cm breit, 40 cm lang, 50 cm hoch, Leistung: 1200 Watt. So einen Stromerzeuger benutzen vor allem Camper. Frank, 29 und aus Denzlingen, hat sich den Generator bei ebay ersteigert, weil er ihn für sein neues Gartenhaus braucht. Zum Beispiel, wenn er und seine Familie dort Musik hören wollen.


Als Frank mit dem roten Gerät unterm Arm in Mannheim in den ICE einsteigt, um es nach Freiburg zu transportieren, denkt er sich nichts weiter. Der Tank ist leer, das Gerät kann also gar nicht angehen. Frank schiebt den Stromerzeuger unter seinen Tisch im Großraumabteil. Kein Mitreisender beschwert sich.

Der Schaffner jedoch bekommt beim Anblick des Geräts einen Wutanfall: "Was haben Sie denn da unterm Tisch? Einen Generator? Ja sind Sie denn total bescheuert, den in den Zug mit zu nehmen?" Frank versucht dem Bahnmenschen zu erklären, dass von dem Gerät überhaupt keine Gefahr ausgehen könne, da kein Benzin drin sei: "Wenn Sie wollen, können Sie das Ding auch für die Fahrt in Sicherheitsverwahrung nehmen."



Nichts da. Der Schaffner holt einen Kollegen hinzu und erbost sich: "Es ist strafbar und grob fahrlässig, sowas im Zug zu transportieren. Lesen Sie sich unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen durch!" Die Mitreisenden schütteln nur die Köpfe. Und dann kommt es noch härter. Frank wird aufgefordert, am nächsten Bahnhof den Zug zu verlassen: "In Karlsruhe fliegen Sie raus!"

Die Mitreisenden finden den Umgang mit Frank unmöglich. Einer sagt zu ihm: "Machen Sie sich nichts draus. Steigen Sie halt in Karlsruhe aus und nehmen Sie den nächsten Zug." Leider sagt er das zu laut. Der Schaffner bekommt es mit und verständigt die Kollegen von der Karlsruher Bahnpolizei. Die sorgen recht verbindlich dafür, dass Frank mit seinem Gepäckstück den Bahnhof unmittelbar verlassen muss.

Am Ende muss Franks Vater seinen Sohn mit dem Auto von Freiburg aus abholen. "Richtig krank wurde es aber erst, als ich am Tag darauf bei der Bahn anrief, um mich zu beschweren", erzählt der Herausgeschmissene.

Ein Servicedienstleister erklärte ihm, der Vorfall tue ihm leid, aber aufgrund der verstärkten Terrorismusgefahr müsse man für das strikte Vorgehen der Bahn Verständnis haben: "Hätten Sie es bloß zugedeckt, dass man das Ding nicht so sieht."