Das Karat und seine Geschichte

Lorenz Bockisch

Das Karat ist eine der ältesten gebräuchlichen Gewichtseinheiten. Im Umgang mit Edelsteinen ist dieses jahrtausendealte Maß immernoch eine gesetzliche einheit. Früher wurde als Vergleichsgewicht für ein Karat ein Samen des Johannesbrotbaumes benutzt. Aber das bislang vermeintliche Wissen, alle Johannesbrotkerne wären genau gleich schwer, nämlich 200 Milligramm, ist ein verbreiteter Irrtum.

In Wirklichkeit ist der Samen des Johannesbrotbaumes nicht anders als andere natürliche Früchte: Das Gewicht eines einzelnen solchen Kernes variiert genauso stark wie das anderer Arten. Dass aber schon die alten Griechen zu den kleinen extrem harten Hülsenfruchtinhalten griffen, um kleine Massen verlässlich abzuwiegen, hat einen anderen Grund.


Im Gegensatz zu ähnlich schweren Kernen haben die Johannesbrotkerne den Vorteil, dass ihr Gewicht durch Augenschein sehr gut abschätzbar ist. Es wurde erst in unserem Jahrtausend festgestellt, dass Menschen, die abschätzen sollten, welche der Samen gleich schwer sind, dabei 5%igen Gewichtsunterschied feststellen konnten. Und genau diese geringe Abweichung stellte man bei Funden antiker Johannesbrotkerne, die zur Gewichtsbestimmung genutzt wurden, fest.

Die natürlich an einem Baum wachsenden Hülsenfrüchte weisen hingegen eine Gewichtsvarianz von 25 Prozent auf. Der Name des Gewichtes "Karat" ist übrigens über die französische Sprache aus dem Griechischen zu uns eingewandert. Dort war es das Wort für "kleines Horn" – so sieht die Frucht des Johannesbrotbaumes aus.