Das kann Facebooks neue Foto-App "Slingshot"

Miriam Helbig

Wir alle haben Angst um unsere Daten. Auf welchen Servern mögen sie liegen, wer verdient sich daran eine goldene Nase? Ausgerechnet Facebook veröffentlicht nun die App "Slingshot", die verspricht: Die versendeten Bilder werden sofort wieder gelöscht.



Der Internetriese Facebook ist wahrlich nicht bekannt für seinen sensiblen Umgang mit Nutzerdaten. Umso mehr erstaunt die Veröffentlichung der App „Slingshot“. Das dem Konkurrenten „Snapchat“ (fudder berichtete) verblüffend ähnliche Programm lädt zum Versand von Fotos und Videos ein, die nach wenigen Sekunden gelöscht werden – angeblich. Zumindest ist es Sender und Empfänger nicht mehr möglich, die Dateien erneut anzuschauen. Ob sie wirklich von den amerikanischen Servern verschwinden, ist ein andere Sache.


Darum schnell zur Funktionsweise:

Trotz aller Ähnlichkeit gibt es zwei große Unterschiede zu „Snapchat“: Die per „Slingshot“ gesandten Bilder werden erst angezeigt, wenn der Empfänger im Gegenzug selbst ein Foto zurücksendet. Das zwingt die Nutzer dazu, aktiv in einen ständigen Dialog zu treten. Nur anschauen gibt es nicht – man muss mitmachen, um „Slingshot“ zu nutzen. Außerdem lassen sich die Bilder nicht nur an einen Kontakt, sondern gleich mehrere Freunde schicken.

Es stellt sich damit auch die Sinnfrage: Warum benötigt man „Slingshot“ (oder in dem Zusammenhang auch „Snapchat“) überhaupt, wenn die Dateien doch keinerlei Beständigkeit haben? Man könnte es einen Trend in Richtung digitales Carpe Diem verstehen. Die Aufwertung von Vergänglichkeit, das Genießen des Moments, der Austausch von Augenblicken.

Dazu kommt der Sicherheitsfaktor: Wenn die Bilder und Videos sofort wieder gelöscht werden, lädt dies zum inflationären Versand dieser ein. Was dem Genuss des Jetzt wohl einen Strich durch die Rechnung machen könnte ...

Hinter der App steht der Drang Facebooks, am Puls der Zeit bleiben zu wollen. Datenschutz, sekundenschneller Austausch und ständige Verfügbarkeit sind en vogue. Das ist auch der Grund, weshalb die Funktionen von „Slingshot“ nicht in den Facebook-Messenger integriert sind: Verschiedene Aufgaben und Zielsetzungen der Programme sollen aufgespalten bleiben und nicht verschmelzen. Wie der Laptop oder Desktop-Computer wird auch das Smartphone immer intensiver für alltägliche Aufgaben benutzt. Ein Wirrwarr von Funktionen ist dabei nicht hilfreich.

Die App ist umsonst für iOS und Android erhältlich.

Mehr dazu:

  • http://fudder.de titel="">App-Check: Panoramafotos erstellen mit Dermandar
  • http://fudder.de titel="">App-Check: Digitales Daumenkino mit Loopcam
[Foto: Promo]