Das ist Freiburgs bester Handballer

David Weigend

In wenigen Minuten treffen Frankreich und Deutschland im Halbfinale der Handball-WM erneut aufeinander. Claudio Ebner, 24 und Freiburgs erfolgreichster Handballer der letzten Jahre, wird sich das Spiel in Mezzocorona anschauen, denn er ist mittlerweile Spielmacher der italienischen Nationalmannschaft. fudder hat er erzählt, wie er aus der Freiburger Karlstraße da hin gekommen ist.



Pendeln mit 14

Mein erstes Training absolvierte ich als Fünfjähriger bei der Freiburger Eintracht. Hat mir gleich Spaß gemacht. Weil ich mit meinen Kollegen zusammen spielen wollte, wechselte ich nach zwei Jahren zu Alemannia Zähringen. Das ist im Grunde mein Heimatverein. Mit der HSG Freiburg bin ich dann südbadischer Meister geworden.

1995, mit 14 Jahren wechselte ich zur TuS Schutterwald. Da ging dann die Pendelei los, da ich ja immer noch in Freiburg gewohnt habe. Ich bin immer erst sehr spät heimgekommen nach dem Training. Meine Position war damals  im mittleren Rückraum.

Mit 16 habe ich dann weniger Handball gespielt, dafür umso mehr Fußball beim SC Freiburg, in der ersten Mannschaft der B-Jugend als Stürmer. Ich war komplett sportverrückt und fast nie in der Schule.

Gern mal einen drauf gemacht

Es war extrem und ging mir dann schnell auf den Senkel. Beim SC waren sie ziemlich anspruchsvoll in Sachen Fitness. Außerdem galten strenge Regeln: Keine Cola trinken, Bier schon mal gar nicht. Das war nicht meine Welt. Ich habe auch gern mal einen drauf gemacht. Ich bin dann zurückgekehrt in die A-Jugend von Schutterwald. Da habe ich unter anderem mit Oliver Roggisch gespielt, der war Rückraum-Rechts. Oliver ist drei Jahre älter als ich, wir haben immer noch Kontakt. Mit Christian Zeitz habe ich in der Baden-Würrtemberg-Auswahl gespielt.

Mein erstes Bundesligator habe ich im Schutterwälder Trikot geworfen, mit 18, gegen Nettelstädt. Erster Spieltag der Saison, 4000 Zuschauer, das hat gerockt. Ich habe dann noch mehr Tore geworfen, es war eins meiner besten Spiele überhaupt.

 
Dann kam das große Verletzungspech. Eine herbe Rückenverletzung, da musste ich einen Stützgurt tragen, Trainingsunfall. Danach noch ein Unfall, aus dem eine Schulter-OP resultierte. In dem Jahr ging gar nichts mehr. Immerhin habe ich 2001 Abitur gemacht, am Friedrich-Gymnasium. Die 12. Klasse habe ich gerade so geschafft. Ich habe für die Schule damals wirklich überhaupt nichts gemacht.

Plötzlich Nationalspieler

Ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft von Deutschland und Italien. Gleich nach dem Abitur bin ich nach Meran gefahren. Dort hatte ich ein Angebot bekommen. Nach dem Probetraining sagte ich zu und spielte von da an in der ersten italienischen Liga. Für mich war das ein Sprungbrett. Es gefällt mir sehr gut hier. Ich studiere Wirtschaft und Management.  Inzwischen spiele ich bei Mezzocorona im Trentino, außerdem in der italienischen Nationalmannschaft. Im Verein spiele ich Mitte, in der Nationalmannschaft Linksaußen.

Im Januar haben wir die Qualifikation für die EM verpasst, da wir das letzte Spiel in der Türkei unglücklich verloren.



In Mezzocorona sind wir nur zwei Profis. Ein Bulgare und ich. Wir trainieren sechs Mal die Woche. Morgens leichtes Training und Fitness, abends mit der Mannschaft. Am Wochenende die Spiele, teils sogar in Sizilien und Sardinien, mit Bus oder Flugzeug. In Deutschland wird viel härter gespielt. Hier in Italien spielt man gepflegter. Dementsprechend ist es für uns schwer, sich international durchzusetzen.
Auch finanziell läuft hier nicht so viel wie in Deutschland. Ich verdiene etwa 2500 Euro netto im Monat, plus Prämien und Wohnung.

Torhüter haben einen an der Waffel

Mir liegen Angebote aus der italienischen Eliteliga vor. Da will ich in den nächsten ein bis zwei Jahren hin, am liebsten mit meinem jetzigen Verein. Weiterhin will ich fester Bestandteil der Nationalmannschaft bleiben und verletzungsfrei.

Torwart wäre das letzte, was ich in meinem Leben spielen würde. Hanballtorhüter haben in der Regel einen an der Waffel. Das muss auch so sein. Wenn es dein Lebensziel ist, dich von diesen Kolossen abschmeißen zu lassen, um ein Gegentor zu verhindern, nun ja. Meine Stärken sind eher Übersicht, Schnelligkeit und Technik.

Der Sport ist athletischer geworden. Früher gab es die Tendenz, große, grobschlächtige Leute hinten rein zu stellen, die das Spiel vernichten sollten. Mittlerweile gibt es viele Leute, die größer als zwei Meter sind, zusätzlich aber noch sehr beweglich und athletisch. Pascal Hens etwa. Die Spieler haben Hände wie Bratpfannen, schmeißen aber mit viel Effet. Deutschland wird Weltmeister.