"Das ist eine Provokation" – Sprayer Zoolo über Graffiti im Sedanquartier

Felix Klingel

Bei einem Aktionstag im Sedanquartier wurden Graffiti entfernt - am Tag danach sind wieder Wände vollbemalt. Darüber hat fudder mit dem Sprayer Zoolo gesprochen. Außerdem: Der Ehrenkodex der Sprüher und wie sich die Szene verändert hat.

Zoolo, was hältst du von der erneuten Malerei im Sedanquartier?

Der "Nichts ist sicher"-Spruch ist eine Provokation. Da wollte jemand austeilen. Ob das wirklich klassische Sprüher waren, weiß ich nicht.

Gibt es bei Sprühern bestimmte Regeln? Dass zum Beispiel Eigentumshäuser nicht bemalt werden?

Nein, die gibt es nicht. Auch nicht bei frisch gestrichenen Wänden. Eigentlich gibt es im Graffiti überhaupt keine Regeln.

Aber es gibt doch so eine Art Ehrenkodex?

Ja, den gibt es schon. Der bezieht sich aber auf Sachen, die andere Sprüher gemacht haben. Da geht man im Normalfall nicht drüber.

Außer man kann etwas besseres malen.

Stimmt, das ist der Ehrenkodex, mit dem ich in der Szene groß geworden bin. Über legale Bilder wurde auch nichts gesprüht. Da ging es viel um Respekt. Respekt vor Leuten, die schon länger dabei sind, oder einfach besser malen.

Den Respekt gibt es inzwischen nicht mehr?

In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das stark geändert. Es wird ganz bewusst über legale Auftragsarbeiten gesprüht. Eine absichtliche Zerstörung.

Und wie ist es mit illegalen Flächen. War man da früher vorsichtiger, wenn ein Haus zum Beispiel frisch gestrichen wurde?

Nein, eigentlich lässt sich ein Sprüher davon nicht abschrecken. Zum Teil passiert das dann auch aus Trotz, weil der Sprüher eben möchte, das sein Tag weiterhin auf der Wand bleibt.

Vielen stößt das sauer auf, weil gerade die Tags nicht als schön empfunden werden.

Im Graffiti geht es erst mal nicht um künstlerischen Anspruch, sondern darum, seinen Namen zu verbreiten. Das ist der Hauptantrieb.

Häufig zum Schaden anderer.

Die wenigsten Sprüher wollen ganz bewusst Sachen kaputt machen. Diese Leute gibt es natürlich auch. Aber das ist die Minderheit. Die Beweggründe sind ganz selten destruktiv – auch wenn dann vielleicht wirklich etwas kaputt gemacht wird. Man will einfach seinen Namen auf der Wand sehen.

Kannst du den Ärger der Anwohner verstehen?

Ja, klar. Da findet ein Aktionstag statt und am nächsten Tag ist es schon wieder besprüht. Ich verstehe, das das nervt. Für mich waren Privathäuser immer Tabu.

Für andere nicht?

Die Graffiti-Szene ist so vielschichtig wie die Gesellschaft. Es gibt Leute, die da etwas Positives machen wollen und andere, die destruktiv unterwegs sind. Viele machen sich wirklich Gedanken, was sie Sprayen machen, für andere ist es nur ein Hobby. Wieder andere haben Lust, nach dem Saufen noch ein bisschen taggen zu gehen.

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