Fan.Tastic Females

Das ist die Freiburger Protagonistin einer Ausstellung über die weibliche Fanszene

Tamara Keller

Ein Schmadtke, der sich während des Spiels die Hose auszieht oder einfach nur Emotion pur: Für Helen Breit hat das Fandasein viele Seiten. Die Ausstellung "Fan.Tastic Females" macht Frauen aus der Fanszene sichtbar – Helen Breit ist als SC-Fan vertreten.

Wenn sie im Stadion steht und das Spiel los geht hat Helen Breit für 90 Minuten die Möglichkeit, dass alles andere total egal ist. "Du kannst schreien und springen und einfach deine Emotionen ausleben. Das sind Sachen, für die dich jeder auf offener Straße nur komisch anschauen würde." Es ist das Stadionerlebnis, das Helen Breit so sehr am Fußball und ihrem Fandasein liebt.


Breit, 31 Jahre alt, besucht mit fünf Jahren das erste Mal gemeinsam mit ihrem Vater das Stadion des SC Freiburg: "Ich habe noch Kindheitserinnerungen von Jörg Schmadtke, wie er während des Spiels neben dem Platz seine Hose wechselt. Das finde ich grandios, weil sich irgendwie keiner daran erinnert und deshalb glaube ich, ich bin vielleicht die einzige, die das damals gesehen hat."

Mit 17 in die aktive Fanszene eingestiegen

Mit zehn Jahren durfte sie zum ersten Mal in den Kinderblock auf der kleinen Nord, mit 14 fährt sie zum ersten Mal alleine zum Uefa-Cup – nach Zürich. "Ich fand das alleine fahren cool. Nur, dass alle so viel getrunken haben, fand ich damals irritierend", erzählt Breit und lacht. "Ich wäre am liebsten auch mit nach Rotterdam gefahren, aber mein Vater war davon nicht so begeistert."

In die aktive Fanszene ist sie mit 17 Jahren eingestiegen. Gemeinsam mit einer Gruppe von zehn anderen Frauen. Rückblickend würde sie sagen, dass es für sie selbst einen Unterschied gemacht hat, eine Frau in der Fanszene zu sein. "Ich habe ganz lange keine Röcke angezogen. Ich wollte nicht besonders weiblich wirken, um keine Klischees zu bedienen." Ihr war es wichtig, dass sie ernst genommen wird in der Fanszene. Dazu gehört, dass auch die eigene Meinung zählt und man selbst das Fan-Dasein auch mitgestalten kann: "Wenn ich Bock habe ein bestimmtes Lied zu singen, will ich es auch schaffen können, dass anzustimmen, so dass alle miteinstimmen." Wer damals zu weiblich wirkte, habe es schwerer gehabt.

"Was ich an der Ausstellung mag ist, dass sie nicht problemorientiert auf weibliche Fans schaut, sondern dass es um Sichtbarmachung geht."

Mittlerweile seien Frauen in der aktiven Fanszene auch erwünscht, wobei Breit betont, dass die Freiburger Fanszene schon immer sehr offen sei – im Vergleich zu anderen: "Hier gibt es das gesamte Spektrum. Von wahnsinnig reflektierten Männern, die viel darüber nachgedacht haben und versuchen, Vorurteile nicht zu bedienen. Bis hin zu denen, die Frauen im Fanblock unnötig finden, sie aber dulden." Am besten findet die Freiburgerin es, wenn das Geschlecht nicht relevant gesetzt wird. "Das funktioniert aber an dem Punkt nicht mehr, an dem ich über Sexismus sprechen will. Dann setze ich es ja relevant."

Lange war Breit Vorstandsmitglied in der Supporters Crew Freiburg (SCFR). Nach wie vor organisiert sie hier die Auswärtsfahrten mit dem Bus. Gemeinsam mit einer Freundin kümmert sie sich auch um den Infostand der SCFR bei Heimspielen im Stadion. Zudem wirkt sie auch bei "Unsere Kurve" mit – einem bundesweiten Zusammenschluss von Fanorganisationen. "Hier diskutieren wir lokale Themen in einem bundesweiten Kontext und Fanpolitische Themen." Vieles von dem, was Helen Breit tut, hat auch mit gesellschaftpolitischem Engagement zu tun: Mal geht es um die Sensibilisierung für Sexismus und sexualisierte Gewalt, mal um Rassismus, mal um den Erhalt von der 50+1-Regel.

Ein lebensgestaltendes Hobby

Ihr Engagement hat dazu geführt, dass Helen Breit Teil einer Wanderausstellung ist: "Fan.tastic Females" gastiert derzeit in Freiburg. Darin werden weibliche Fans und Fankultur aus 20 Ländern Europas porträtiert. Helen Breit erzählt dort unter anderem von ihrer ersten selbstorganisierten Choreo. "Was ich an der Ausstellung mag ist, dass sie nicht problemorientiert auf weibliche Fans schaut, sondern dass es um Sichtbarmachung geht."

Ein lebensgestaltendes Hobby nennt Breit das, was sie tut und grinst. Kurze Zeit später verbessert sie sich selbst: "Nein, eigentlich ist es mehr als ein Hobby. Es ist Leidenschaft." Woher ihr politisches Interesse kommt, weiß sie auch: Sie hat Soziale Arbeit studiert, als Sozialarbeiterin gearbeitet und wirkt gerade an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg an einem Forschungsprojekt über Diskriminierung mit.
"Mir persönlich helfen solche Gespräche immer wieder, in meine eigenen Vorurteils-Schubladen zu schauen."

Mittlerweile organisiert Breit gemeinsam mit fünf anderen Frauen aus der aktiven Fanszene einen Frauenbrunch. Unter dem Motto "Frauen im Fußball – ein feiner Unterschied?!" diskutieren sie dort gemeinsam mit anderen weiblichen Fans über Dinge, die sie beschäftigen. "Früher hätte ich mich gegen so etwas gewehrt. Ich wollte mich wirklich nicht relevant setzen als Frau und ich wollte auch keine Fürsprecherin für andere Frauen sein", sagt Breit. Jetzt sieht sie sich in einem Alter, in dem sie es wichtig findet, so etwas zu veranstalten. "Ich habe gemerkt, dass wir als Frauen ganz wenig über spezifische Themen reden."

Nach dem ersten Brunch waren alle ganz euphorisiert. Ungefähr 30 Frauen im Alter von 13 bis hin zu 60 Jahren haben daran teilgenommen. Diskutiert wurde in einer offenen Atmosphäre über Situationen, in denen sie sich zum Beispiel nicht wohlgefühlt haben. Eine Frau berichtete zum Beispiel darüber, dass sie es nicht cool findet, immer darauf angesprochen zu werden, dass sie mit ihrem Freund zum Fußball geht. "Mir persönlich helfen solche Gespräche immer wieder, in meine eigenen Vorurteils-Schubladen zu schauen. Dann schaue ich, was ich dort aussortieren kann", sagt Breit.
Die Ausstellung

Fan.tastic Females ist noch bis zum 3. April nachmittags im Schwarzwald-Stadion zu sehen, die Uhrzeiten können wegen der Trainingszeiten der SC-Profis variieren. In dieser Woche ist sie Mittwoch 17 bis 20 Uhr, Donnerstag 15 bis 20 Uhr, Freitag 13 bis 17 Uhr und Sonntag 13 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Veranstaltungen

Am Donnerstag findet beim Sport-Club um 19 Uhr ein Podiumsgespräch zu Sexismus in den Fankurven statt. Zum DFB-Pokalhalbfinale der Frauen wird am Sonntag beim Sport-Club das Spiel TSG Hoffenheim gegen den SC Freiburg ab 13 Uhr übertragen. Am Dienstag gibt es um 19 Uhr eine "Talkrunde zum Männer- und Frauenfußball beim Sport-Club
Freiburg mit Management Jochen Saier und Birgit Bauer und ehemals Aktiven. Weitere Infos: fan-tastic-females.org oder supporterscrew.de



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