Festival

Das ist das Programm für "Freiburg stimmt ein"

Fabian Vögtle

100 Musikgruppen bespielen beim Festival "Freiburg stimmt ein" im Juni Plätze und Höfe der Stadt. Das Programm wurde im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich abgespeckt.

Am 10. Juni verwandelt sich die Stadt zu einer großen Bühne. Auf 17 Plätzen und Höfen treten 100 Bands auf. Bereits zum achten Mal organisiert Stefan Sinn vom Verein "Kultur leben" das Musikfestival. Während das Programm in den vergangenen Jahren über ein ganzes Wochenende lief, findet "Freiburg stimmt ein" jetzt nur am Sonntag statt. Wegen des Wegfalls von Sponsoren müsse gespart werden, teilte Sinn am Donnerstag mit. Dennoch gebe es viele Konzerte und andere Veranstaltungen, erstmals auch auf dem Platz der Alten Synagoge.


Keine Konzerte mehr im Colombi-Park, am Seepark und auf dem Stühlinger Kirchplatz

"Wir gehen wieder back to the roots", sagt Sinn, der das Kulturereignis vor Jahren ins Leben rief. Sein Ziel damals: Mit einem nicht-kommerziellen Festival verschiedene Orte in der ganzen Stadt bespielen. Die Absage von Sponsoren sorgt nun unfreiwillig dafür, dass das zuletzt beinahe zur Großveranstaltung gewordene Wochenende etwas eingedampft wird: Im Colombi-Park wird es keine Konzerte mehr geben, ebensowenig im Seepark und auf dem Stühlinger Kirchplatz. "Das wird wieder mehr zum Mitmachfest mit weniger Konsum", erklärt Sinn. So fallen auch die 2017 angebotenen Essensstände großteils weg.

Die Besucherinnen und Besucher sollen wieder ihre Decken und Vesper mitbringen. Vor allem der Eschholzpark – neben dem Platz der Alten Synagoge einer der Hauptspielorte – bietet sich dafür an. Dort gibt es auch die Aktion "Bärensuppe". Jeder bringt mit, was er an Gemüse noch zu Hause oder gerade auf dem Markt gekauft hat. Daraus wird für alle Hungrigen eine Suppe gekocht. Überhaupt stehen Solidariät und Engagement beim Festival hoch im Kurs. Rund 40 soziokulturelle Initiativen präsentieren sich und viele Aktionen beim "Transformation Camp".

"So etwas zu stemmen, bedarf großes Organisationstalent" Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach
"Mehr gemeinsames Agieren mit Anderen statt noch mehr isolierte Einzelauftritte". Das ist auch ein Credo von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Das Festival könne auch in diesem Jahr nur mit nur 4000 Euro gefördert werden, mehr verdient hätte es allemal. "So etwas zu stemmen, bedarf großes Organisationstalent", lobte er Sinn und andere Beteiligte. Er freue sich besonders auf die "Blues Association", deren Konzerte er montags immer mal wieder gerne im Freiburger Schiff besucht, betonte von Kirchbach.

Alle Bands spielen ohne Gage

Die Initiative aktiver Bluesmusiker aus der Region sorgt im Juni auf dem Alten Messplatz für Stimmung. "Es ist auch toll, dass die Musik in den Stadtteilen erklingen wird", freut sich von Kirchbach. Er lobte in diesem Zusammenhang das bürgerschaftliche Engagement. Auch der Gewerbehof in der Schopfheimer Straße 5 wird diesmal zum Ort der Begegnung und Musik. Hier treten unter anderem afrikanische Trommler sowie Syrer und Roma auf.

Bisher sei das Festival wie vieles in der Gesellschaft weiß geprägt, sagte Tomas Wald vom Roma-Büro. Die Zuwanderung sei jedoch ein entscheidender Zukunftstreiber und die Interkulturalität "der Sauerstoff zum Überleben". Gerade die Musik könne Brücken und Hemmschwellen überwinden. Seit Jahren schon bietet das Roma-Büro das Projekt "Vor der Sprache kommt der Ton". Daran könne man mit einer Teilnahme bei "Freiburg stimmt ein" anschließen und sich somit auf Augenhöhe begegnen. Der Gewerbehof mit seinen Werkstätten soll sich nach Walds Wunsch künftig in ein Kulturzentrum "für den disparaten Stadtteil Schildacker" entwickeln. Das Festival soll dabei der Anfang sein. Aus 200 Bands, Ensembles und Chören hat Sinn mit Hilfe des städtischen Popbeauftragten und Musikers Thilo Buchholz 100 ausgewählt – vor allem aus der Region, aber auch von weiter her, so lange sie die Reise selbst zahlen. Denn Fahrtkosten werden nicht erstattet, alle Bands spielen ganz ohne Gage.