fudder-Interview

Das interkulturelle Festival Cordiale beschäftigt sich mit Philsophie

Emma Tries

Das interkulturelle Festival "Cordiale" geht in die zweite Runde. Unter dem Motto "Was uns bewegt, was uns verbindet" zeigen Kuratorinnen und Kuratoren mit und ohne Migrationshintergrund im E-Werk philosophische Kunst.

Vergangenes Jahr feierte das interkulturelle Festival Premiere, dieses Jahr findet die "Cordiale" zum zweiten Mal vom 28. September bis 5. Oktober im E-Werk in Freiburg statt. Unter dem Motto "Was uns bewegt, was uns verbindet", stellte die fünfköpfige Jury, bestehend aus Ahmed Hadji Abdelali, Claudia Garibaldi, Tatia Kurashvili, Orhan Nassif und Barbara Peron, ein abwechslungsreiches Programm zusammen. Olena Lytvynenko, die Produktionsleiterin der Cordiale, hat mit fudder über das Herzensprojekt gesprochen.


Die Cordiale feierte 2018 Premiere. Was für ein Fazit haben Sie aus dem vergangenen Jahr gezogen?

Wir haben gelernt, dass es sich lohnt dran zu bleiben und zu experimentieren. Der Ansatz von Laila Koller, im E-Werk zuständig für den Bereich Interkultur, funktioniert: Einen Schritt zurücktreten, Vertrauen entwickeln und an "Nicht-Profis" übergeben. Es ist ungewöhnlich die gesamte Projektgestaltung an eine externe Jury zu übergeben. Im E-Werk ist so etwas noch nie passiert, ich selbst hab es auch noch nie irgendwo erlebt. Wir haben gelernt, dass es nicht unbedingt Erfahrung braucht. Die Kunstschaffenden kannten sich nicht, haben sich aber zusammengefunden um ein Programm zu entwickeln.

"Außerdem haben wir gelernt, dass es Mut braucht um das Programm zu öffnen, sich auszuprobieren und Risiken einzugehen."

Was hat sich gegenüber vergangenem Jahr verändert?

Wie bei jedem Pilotprojekt gibt es viel was man mitnimmt. Wir haben unterschätzt, wie viel Zeit wir für die Planung benötigen. Vergangenes Jahr haben wir erst Ende Juni angefangen zu planen, was sehr stressig wurde. Dieses Jahr haben wir schon im Februar angefangen. Außerdem arbeitete vergangenes Jahr die gesamte Jury ehrenamtlich, was leider dazu führte, dass keine Verbindlichkeit da war und deswegen die Terminplanung schwierig wurde, das haben wir dieses Mal durch eine eher symbolische Aufwandsentschädigung geändert. Außerdem haben wir gelernt, dass es Mut braucht um das Programm zu öffnen, sich auszuprobieren und Risiken einzugehen.

Die Cordiale entzieht sich bewusst einer genauen Definition. Wieso?

Einerseits ist es in der Öffentlichkeitsarbeit schwierig zu erklären. Wenn man sagt, es ist ein Kulturfestival, ist die Definition zu allgemein; wenn man sagt es ist ein Festival, das von Migranten gestaltet wird, erwarten die Leute Folklore. Andererseits arbeiten wir immer noch an der Profilierung und dafür führen wir dieses Jahr eine wissenschaftliche Evaluation durch und dokumentieren alles, um es im nächsten Jahr besser zu machen. Deswegen haben wir auch das Motto "Was uns bewegt, was uns verbindet" gewählt: Es sollen gemeinsame Themen sein, die nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund bewegen, sondern uns alle.

"Wir haben darauf geachtet, dass die Künstler aus verschiedenen Generationen stammen."

Wenn Sie die Cordiale doch in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

(überlegt lange) Überraschung, Tiefe, Verbundenheit.

Wie groß ist das Team hinter der Cordiale?

Die Jury, die wie gesagt das gesamte Programm gestaltete, besteht aus fünf Personen, drei Frauen und zwei Männern. Dazu kommt noch das Team des E-Werks, welches die Räume stellt, die Technik und die Öffentlichkeitsarbeit. Ich selbst bin auch eine "Externe".

"Philosophie wurde zum übergeordneten Thema."

Die Kunstschaffenden haben die verschiedensten Hintergründe. Wie haben Sie sich zusammengefunden und sind auf einen Nenner gekommen?

Wir haben darauf geachtet, dass die Künstler aus verschiedenen Generationen stammen. Der Jüngste ist unter 25 und der Älteste über 50. Sie haben sich auf Anhieb gut verstanden, obwohl ihre einzige Verbundenheit die Affinität zur Kultur ist. Dann hat es sich ganz unbeabsichtigt ergeben, dass schon beim ersten Treffen eine bestimmte Richtung eingeschlagen wurde, Philosophie wurde zum übergeordneten Thema. Nun ziehen sich durch alle Programmpunkte philosophische Themen, auch wenn es nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Das werde ich sehr oft gefragt, aber für mich gibt es keinen einzelnen Geheimtipp. Das Programm am 3. Oktober ist sehr spannend, hier trifft Politik auf Philosophie. Es gibt den ganzen Tag Veranstaltungen – für die, die einen langen Atem haben. Dafür erfährt man aber auch Impulse, die man sonst nicht erleben würde. Es findet eine Podiumsdiskussion statt, unter anderem mit Julia Söhne, Stadträtin der SPD, darauf eine Performance und zuletzt wird ein Dokumentarfilm von Hans Blumenberg gezeigt, mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur.
Zur Person:
Olena Lytvynenko, 42 Jahre alt, studierte sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland. Momentan arbeitet sie als Kulturwissenschaftlerin in der Quartiersarbeit im Vauban und als freiberufliche Kulturmanagerin. Bei der Cordiale ist sie für die Projektleitung zuständig.

  • Was: "Cordiale" – von Herzen, ein interkulturelles Festival
  • Wann: 28. September bis 5. Oktober
  • Wo: E-Werk Freiburg

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