Das Hirtenbarometer: Ein Bewertungsportal für Geistliche

Josepha Schweizer

3,31 von 6 Punkten. So wird Erzbischof Robert Zollitsch auf Hirtenbarometer.de bewertet. Denn nach Bewertungsportalen für Hotels, Restaurants, Lehrer und Bücher gibt es jetzt auch eine Website nur für die Bewertung von Geistlichen.

Er ist nur Mittelmaß, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch - zumindest auf dem Hirtenbarometer. "Am Anfang seiner Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonfrenz fand ich Erzbischof Zollitsch recht gut. Aber in letzter Zeit kommen mir da Zweifel", kommentiert Hirtenbarometer-Nutzer 'Albgrim'.


Auf dem Bewertungsportal kann das Wirken von Geistlichen kommentiert und in fünf Kategorien bewertet werden. Ob der Geistliche verständliche Gottesdienste hält, überhaupt glaubwürdig ist und am Puls der Zeit lebt, kann dabei ebenso bewertet werden wie die Jugend- und Seniorenarbei. Bis zu sechs Punkte können dabei vergeben werden. Dargestellt werden die Bewertungen durch ein kleines Schaf, das umso weißer wird, je besser der Hirte bewertet wird. Schwarze Schafe konnten in Freiburg und Umgebung bis jetzt noch nicht entdeckt werden, auch wenn Zollitschs' Schäfchen schon verdächtig dunkelgrau daherkommt.

Besser sieht es dagegen bei Priester Michael Maas aus. Der Sekretär des Erzbischofs hat mit 5,39 ein recht weißes Schäfchen. Er hält die Seite für eine nette Spielerei, sieht dasPortal aber trotzdem kritisch. "Die Grundidee dahinter, sich im Tun zu hinterfragen ist auf jeden Fall gut", sagt Maas. "Sie sollte aber auf andere Weise als beim Hirtenbarometer umgesetzt werden".


Denn hinter Maas' guter Note stecken gerade einmal sieben Bewertungen, von denen vollkommen unklar ist, ob sie tatsächlich von Gottesdienstbesuchern und Gemeindemitgliedern stammen, die ihn kennen und bewerten können.

Und natürlich wirbelt bei so wenigen Bewertungen jede neue Bewertung die Note komplett durcheinander; so war Michael Maas' Schäfchen nur eine Bewertung zuvor noch leuchtend weiß mit 5,79. Die Noten von Geistlichen, die weniger als fünf Bewertungen erhalten haben, werden im Portal grundsätzlich nicht angezeigt; fehlende Geistliche können von den Nutzern eingetragen werden.

Betrieben wird die Website mit dem Motto "Auch Gott braucht Feedback" seit Anfang April von mehreren Jungunternehmern aus Karlsruhe. Sie wollen mit ihrem Internetportal zu einer besseren Kommunikation zwischen Geistlichen und Gläubigen beitragen, damit "ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden kann, der nicht an der Kirchenpforte aufhört.

Auch wenn die Schafoptik eher an ein Computerspiel für eine junge Zielgruppe erinnert, scheint die Intention dahinter ernsthaft zu sein. Das Portal solle ein konstruktives Feedback an die Hirten geben, so dass sich "die Qualität ihrer Arbeit langfristig verbessert". Schade nur, dass das Feedback der Nutzerschäfchen nicht immer ganz so konstruktiv ausfällt: die ehemalige EKD Ratsvorsitzende Margot Käßmann zum Beispiel wird als "Wölfin im Schafspelz" bezeichnet wird, die "arme kleine Schäfchen verführe"; insgesamt ist der Ton der Kommentatoren für ein Bewertungsportal jedoch noch recht milde.

Neben Käßmann(3,35) hat auch Papst Benedikt XVI.(3,81) eine eher mittelmäßige Note. "Ich finde es schwierig, wenn Geistliche nur wegen medialer Präsenz bewertet werden", sagt Maas zu den prominenten Geistlichen auf der Website. "Dann besteht eigentlich keine persönliche Verbindung."

Doch selbst Gotthat es nicht zur vollen Punktzahl geschafft: mit nur 5,35 fehlt ihm noch ein bisschen. Auch wenn eigentlich er mit seiner "Wirkungsstätte Himmel" den Maßstab setzen sollte, wie Michael Maas findet: "Als Betreiber der Plattform würde ich nicht zulassen, dass man Gott bewertet."

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  [Bild: dpa]