Das Geheimnis von "Mahna-Mahna"

Lorenz Bockisch

Eigentlich ist dieser Song aus den 70ern nicht nur ein Ohrwurm, sondern auch berühmt für seine sympatischen Interpreten. Die Jim-Henson-Monster aus der Sesamstraße und der Muppet-Show sangen sich mit dem Lied "Mahna-Mahna" in die internationalen Charts und die Herzen und Ohren nicht nur der jungen Hörer. Doch der italienische Komponist des Liedes hatte es ursprünglich für einen Film geschrieben, der eindeutig nicht für die Sesamstraßen-Zielgruppe geeignet ist.

Im Italien der 60er und 70er Jahre war – auch im Zuge der sexuellen Aufklärung – eine bestimmte Art von Filmen sehr beliebt. Darin wurden in pseudo-dokumentarischer Machart die Sitten und Gebräuche fremder Kulturen dargestellt. Der tiefere Sinn hingegen lag wohl eindeutig weniger darin, dem Kinopublikum Reisetipps für andere Länder näher zu bringen, sondern möglichst hübsche Frauen in möglichst wenig Kleidung zu zeigen. Quasi eine Art Schulmädchenreport mit ethnologischen Hintergrundinformationen.


Eines der prominenstesten Beispiele dafür ist der Film "Svezia, inferno e paradiso" (Schweden – Hölle oder Paradies?) aus dem Jahre 1968. Darin zeigt der Regisseur Luigi Scattini, wie sich SchwedInnen unter anderem auf Walpurgisnachts-Feiern, in Nachtclubs und bei Biker-Treffen verhalten. Mit einem vorgeschobenen moralischen Zeigefinger wird auf Probleme mit Alkohol, Drogen und Suizid hingewiesen.

Der Soundtrack zu diesem Film, der ein Jahr später auf den Markt kam, war jedoch ein weitaus größerer Erfolg, zumal der ohne jede Altersbeschränkung gehört werden konnte. Das Lied "Mahna Mahna" von Piero Umiliani ist darauf das bekannteste und seitdem am häufigsten kopierte. Im Original war dieser Song ohne sinnvollen Text die musikalische Untermalung zu einer Szene, die ein reichliches Dutzend junger Schwedinnen beim winterlichen Besuch einer Sauna zeigt. Welch wissenswerter Teil der schwedischen Kultur!

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