Studentisches Magazin

Das Funzel-Magazin aus Freiburg bietet der Philosophie eine andere Plattform

Thomas Kubina

"Die Funzel"- ein studentisches Magazin aus Freiburg möchte der Philosophie eine andere Plattform bieten. Gründer Cornelius Kopf und Redaktionsmitglied Hannah Schey erklären, was Philosophie im Kern ausmacht und welche Weisheiten es gegen die Hitze gibt.

Was ist "Die Funzel" und wie kam die Idee zustande?

Cornelius: Ganz einfach: Die Funzel ist ein Lebensgefühl. Das Magazin hat sich durch ein Zusammentreffen an der Philosophischen Hochschule in München entwickelt, mit der Absicht eine Zeitschrift herauszugeben. Wir haben unseren eigenen Spirit und nehmen uns selbst nicht ganz so ernst. Das zeigt sich indem wir ziemlich selbstironisch miteinander kommunizieren. Trotzdem schreiben wir Artikel, die ein gewisses Niveau haben und eine Message transportieren. Seit März ist der Funzel-Spirit auch in Freiburg angekommen.

Ist der Funzel-Spirit für jeden offen?

Hannah: Ja! Wir haben am Anfang des Semesters viel Werbung mit Plakaten gemacht und uns in den Fachschaften gezeigt. Es gibt eine Redaktion mit einem relativ festen Kern, der aber offen ist für neue Gesichter. Jeder kann Artikel einreichen, ob als Gastautor oder jemand, der zu unseren monatlichen Treffen kommt.

Auf eurem Blog steht: "Philosophie betrifft viele Bereiche des täglichen Lebens". Welche denn?

Hannah: Alle. Die Philosophie kann ein Leben transformieren, wenn du sie nicht so betreibst wie die Philosophen im Elfenbeinturm das gerne möchten. Es geht vielmehr darum, sich mit den Dingen in der Welt auseinanderzusetzen, aus der man eine Tiefe gewinnen kann. Die Philosophie bietet viele Wege zur Reflexion. Der Drang des Verstehens zieht sich einfach durch das ganze Leben, wenn man philosophisch lebt.

Erzeugt Philosophie nicht manchmal eine fatalistische Lebenshaltung?

Cornelius: Klar, dieses Bild gibt es. Bei der Funzel versuchen wir Philosophie aber auch so zu betreiben, dass wir dabei eine Gemeinschaft bilden. Wir haben das Gefühl, dass das an der Universität zu kurz kommt, da viele Leute einfach zu beschäftigt sind. Viele schauen bloß auf ihr Smartphone; ein ehrlicher Austausch nach der Vorlesung kommt wenig zustande. Die mediale Lebenswelt zerstreut den Menschen zu sehr. Die Funzel will einen solchen inhaltlichen Austausch ermöglichen. Die Themen sind deshalb breit gefächert und sprechen Vieles an, was die Menschen bewegt. Das aktuelle Heft behandelt beispielsweise die Themen Leid und Sinnlosigkeit. Fragen an das Dasein, an Schuld und Leid werden hier beleuchtet.
Funzel

Funzel-Blog: https://funzel.blog/
Texteinsendungen: redaktion.funzel@yahoo.com

Was fruchtet mehr: eine philosophische Vorlesung oder ein geselliger Kneipenabend?

Hannah: Ein Kneipenabend im Anschluss an die Vorlesung. Es braucht das fachliche Wissen, da es ja die Basis für eine gute Diskussion ist. Ich bin im zweiten Semester und kann nicht unbedingt immer über Fichte, Schelling oder Hegel reden. Würde es nur beim Fachlichen bleiben, spräche das gegen die Idee der Funzel.

Drei Gründe, warum man Artikel an die Funzel schicken sollte

Cornelius: Ihr solltet Artikel einschicken, damit ihr eure existenziellen Gedanken oder Ideen mit anderen Interessierten teilen könnt.

Hannah: Philosophie funktioniert nur über Austausch und Kommunikation. Wenn ihr was publizieren und noch keine Monografie dazu verfassen wollt, her mit den Texten!

Cornelius: Schreiben ohne Hintergedanken. Es gibt weder ECTS noch eine Note darauf, sondern ihr schreibt so, wie es euch wichtig erscheint. Bisher haben wir nur Positives damit erlebt.

Aus gegebenem Anlass: drei philosophische Weisheiten gegen die Hitze!

Hannah: Philosophieren wie einst Sokrates. Das meint: nicht in einer stickigen Bibliothek, sondern unter einem Obstbaum nachdenken.

Cornelius: Nutzt die kühlen Stunden am Morgen und nicht die Mittagshitze zum Arbeiten. Gedanken können bei einem Mittagsschlaf verarbeitet und bestenfalls mit einem Kaffee Freddo abgekühlt werden.

Hannah: Ganz in der platonischen Denkart, die im Timaios-Dialog vorkommt: Geist und Körper gleichermaßen pflegen; wenn man Ruhe braucht, braucht man sie eben!

Zu guter Letzt: Wie oft erscheint eine Funzel-Ausgabe und wo kann sie erworben werden?

Cornelius: Sie erscheint einmal im Semester und zwar als Print-Ausgabe, die man an Verkaufsständen, in den Buchläden Walthari und Jos Fritz, bei uns persönlich oder online kaufen kann. Online betreiben wir zusätzlich einen Blog, der aber nicht immer deckungsgleich mit der gedruckten Ausgabe ist. Es gibt eigene Artikel, die für den Blog geschrieben werden – so auch drei Kolumnen, darunter "Settembrinis Stilkolumne". Ziel ist es, dass sich Blog- und Printausgabe ergänzen.
Zu den Personen

Cornelius Kopf, Gründer des Funzel-Magains, ist 28 Jahre und Student der Fächer Philosophie, Theologie und Latein. Hannah Schey, 18 Jahre, ist Teil der Redaktion des Funzel-Magazins und Philosophiestudentin.