"Das Freiburger Publikum ist einfach nicht so offen für Neues": Auf ein Croissant mit Kitti

Joshua Kocher

Um die Freiburger Musikszene stehe es schlecht, sagt Kitti - in Stuttgart hätten die Menschen einfach mehr Interesse. Die 28-jährige Bassistin studiert in Freiburg Jazz und Pop. fudder-Autor Joshua Kocher hat mit ihr gefrühstückt:



Zehn Uhr vormittags, vor "einem der besten Trend-Restaurants in Deutschland" (ELLE-bistro), das Oscar's im Univiertel. Ich treffe Kitti, eine 28-jährige Bassistin aus Freiburg. Seit Anfang des Jahres möchte sie mit ihrer neu-formierten, fünfköpfigen Band "Absolute Kitti" so richtig durchstarten. Mit etwas zerzausten Haaren und Totenkopf-Aufnäher auf dem Parka kommt sie leicht verspätet an, gesteht dann aber sofort, dass der Abend zuvor doch etwas länger wurde. Damit erledigt sich auch die Einstiegsfrage: "Ausgeschlafen?"


Ursprünglich kommt Kitti aus Budapest, was man auch, trotz exzellenten Deutschs, sofort heraushört. Deutschland mag sie wegen der Internationalität. "Ungarn ist nur Budapest!"
Über Karlsruhe und Frankfurt zog es sie und ihren Mann nach Freiburg. Hier ist es ihr "etwas zu chillig", sie ist eben die Großstadt gewohnt.

Mit 16 verliebt sie sich in den Rock'n'Roll. Vor allem das "Starlife" von Guns N' Roses (vor allem "Duff" McKagan) oder Led Zeppelin tun es ihr an. Erst sechs Jahre später sieht sie ihren richtigen Anfang in der Musikszene: Sie beginnt Unterricht zu nehmen, fängt kurz darauf an, in Freiburg Jazz und Pop zu studieren und übt jeden Tag acht bis zehn Stunden, um aufzuschließen, "auf die Leute, die das schon ihr ganzes Leben machen".

TV-Auftritt mit Mike Rutherford

Bevor sie die Band gegründet hat, hatte sie einige kleine Jobs. Als Session-Musikerin begleitete sie unter anderem Luca Hänni (DSDS-Sieger 2012) auf seiner zweimonatigen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die große Bühne, das straffe Programm, jeden Tag eine andere Stadt, das sei schon "ein ganz anderes Gefühl" gewesen, als nur ein Mal im Monat zu spielen. Ein Highlight außerdem: Der TV-Auftritt mit Mike Rutherfords "Mike & The Mechanics" beim Radio Regenbogen-Award in Rust.

Wie sie ihre Musik selbst beschreibt: "Eine Mischung aus Elektronik und Pop. Tanzbare Beats, interessante Passagen, aber auch jazzige oder funky Passagen lassen sich finden". "Wenn man Profimusiker sein möchte, muss man eben offen sein". Sie fühlt sich kreativ und mag sich nicht auf ein bestimmtes Schema festlegen. Sie bestellt einen Cappuccino und ein Croissant.

Was sie geworden wäre, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? "Wahrscheinlich Musikmanagerin". Schwierige Frage: Welche Platte darf in keiner Sammlung fehlen? Sie würde sich wahrscheinlich für Michael Jacksons "Thriller" entscheiden.

Ein eigenes Album ist derzeit in Planung. "Wahrscheinlich läuft es auf November oder Dezember dieses Jahres raus. Es kostet halt echt viel. Echt super, wenn eine Band einen Sponsor hätte."



Ich frage sie nach der Freiburger Musikszene. "Sehr schlecht", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die kleineren Clubs und Kneipen wollen eher das, was sie schon kennen - Blues, Pop. "Das Publikum ist einfach nicht so offen für Neues", ihre Musik eher für größere Bühnen, Clubs oder Festivals geeignet. "Wir müssen immer weg fahren". Häufig nach Stuttgart, Karlsruhe oder Frankreich.

Provokativ für einen Freiburger: "Stuttgart hat eine gute Szene, vielleicht haben die Menschen dort einfach mehr Interesse, weg zu gehen." Bald wird sie dorthin ziehen.

Sie genießt die Sonnenstrahlen. Die letzten zwei Monate verbrachte sie in den Proberäumen im Keller des E-Werks. "Bass spielen ist manchmal wie Mathematik". Das Umschalten zwischen verschiedenen Akkorden, "da muss man häufig viel nachdenken". Überhaupt, das ganze Stehen und der "Leistungssport" der Finger, da müsse sie sogar Ausgleichssport machen.

Während sie den Schaum aus der Tasse kratzt, erzählt Kitti von ihren musikalischen Vorbildern. Jaco Pastorius, Wolfgang Schmid, Prince ("Liveauftritte sind viel besser als die Alben"), Steven Tyler - und eben Guns N' Roses-Bassist "Duff" McKagan.

Im Juni wird die Bands vier Gigs spielen. Unter anderem am 21. auf dem Fête de la musique in Mulhouse und am 27. beim Stimmen-Festival in Lörrach. Live sei sie noch viel bunter. Persönliches Highlight dabei: Die Verwendung eines Analog-Synthesizer, der jedes Mal neu gestimmt werden muss.

Wir verabschieden uns in einen warmen Sommertag. Nette Begegnung.



Mehr dazu:

[Fotos: Joshua Kocher]