Das Freiburger Datingportal "Caliope" will Singles offline durch Gruppendates zusammenbringen

Laura Wolfert

Mit dem Gegenüber flirten anstatt Fake-Profile nach rechts wischen: Die Freiburger Julia Jost und Firat Delipalta haben das neue Datingportal Caliope gegründet. Im Interview haben sie uns erzählt, warum man sich persönlich treffen und nicht tindern sollte.

Studierende können von Zuhause ganz bequem Tinder und Lovoo nutzen, um Leute kennenzulernen. Warum setzt ihr mit Caliope doch auf das persönliche Treffen?

Julia: Für Studierende – oder Menschen jeden Alters – ist es besser, am echten Leben teilzunehmen. Es gibt nichts Besseres, als jemanden persönlich kennenzulernen: ihm gegenüberzusitzen, sich anzuschauen. Erst so merkt man doch, ob der Partner zu einem passen könnte. Auf Tinder kennt man die Menschen nicht, mit denen man schreibt. Man hat von seinem Chatpartner meist ein bestimmtes Bild vor Augen, aber in echt sieht das ganz anders aus. Man weiß nicht, wie derjenige spricht, isst oder lacht. Aber genau das gehört doch zum Verlieben dazu.

Im Gegensatz zu den anderen Dating-Portalen begegnet man bei uns keinen Fake-Profilen. Wir achten darauf, dass die Leute vom Alter und Bildungsniveau zusammenpassen.

Firat: Die meisten Studierenden haben außerdem nicht so viel Zeit: sei es wegen Vorlesungen oder Lernen. Am Ende sind sie doch nur genervt, wenn sie so viel Zeit auf Tinder oder Co. verbracht haben. Meistens schreibt man zwei bis drei Wochen miteinander, aber am Ende kommt nichts dabei raus.

Julia: Eben. Wie schnell sind mal eben vier Stunden mit Wischen vertan? In der Zeit kann man einen schönen Abend mit anderen Leuten verbringen. Bei uns ist außerdem durch das Anmelden und die Gebühr von 15 Euro eine Ernsthaftigkeit dabei – die man bei Tinder manchmal vergeblich sucht.

"Die Menschen verändern sich ja auch – durch die Digitalisierung."

Warum ist unsere Generation mittlerweile auf Dating-Portale angewiesen? Früher haben sich die Leute doch auch verliebt – und haben sich dafür nicht extra bei Verkupplungsseiten angemeldet.

Julia: Wenn ich an meine Eltern zurückdenke, dann hatten die ein festes Gefüge mit Familie, Freunde, Beruf und Wohnort. Die jüngere Generation ist viel mobiler: die ziehen aus, studieren woanders oder wechseln den Job. Man legt sich nicht mehr so fest. Da ist es viel schwieriger, einen Partner zu finden.

Firat: Die Menschen verändern sich ja auch – durch die Digitalisierung. Wie kommunizieren die 14- oder 15-Jährigen, wenn sie rausgehen? Reden die miteinander, oder spielen sie Pokémon-Go? Das Kommunikations- und Sozialverhalten hat sich im Gegensatz zu früher gewandelt.

"Bei uns ist außerdem durch das Anmelden und die Gebühr von 15 Euro eine Ernsthaftigkeit dabei."

Hattet ihr auch Dating-Probleme, oder wie seid ihr darauf gekommen, Caliope zu gründen?

Julia: Auch wir waren Single und haben gemerkt, dass uns das Angebot nicht gefällt. Wir wollen auf Caliope demnächst auch noch Treffen anbieten, bei dem man neue Freunde finden kann – nicht nur Partnersuche. Einen richtigen Auslöser oder eine konkrete Geschichte gibt es nicht. Aber es ist trotzdem schön, dass das Portal am Valentinstag, 14. Februar, gegründet wurde.

Ihr sagt, dass ihr darauf achtet, dass Alter und Bildungsniveau zusammenpassen. Was ist, wenn mir der Bildungsstandard egal ist, oder ich beispielsweise mit 21 in keine Altersgruppe passe?

Firat: Im Anmeldeformular kann man den Bildungsstand angeben, kann aber schreiben, dass das einem nicht wichtig ist. In dem Fall wissen wir, dass wir beispielsweise auch Hauptschüler und Gymnasiasten zusammentun können. In der Vergangenheit haben wir aber gemerkt, dass das nicht immer passt.

Julia: Wir machen es auch eher so, dass die Frauen im Bildungsstandard nicht viel höher sind, als die Männer. Das ist in einer Beziehung meistens schwierig. Anders rum eher weniger. Das soll aber kein knallhartes Auswahlverfahren sein. Wir wollen einfach Menschen zusammenbringen, die zueinander passen könnten. Dass mit den Altersgruppen wollen wir demnächst ändern. Jeder soll seine eigene, individuelle Altersspanne angeben können.

Was ist, wenn ich homosexuell bin?

Firat: Das bieten wir natürlich auch an und es würde uns sehr freuen! Leider waren es aber bisher zu wenig Teilnehmer, es konnte noch kein Treffen stattfinden. Außerdem haben wir einen Männer-Mangel. Bei anderen Portalen sind es eher Frauen, die zu wenig sind. Bei uns ist das witzigerweise andersrum.
Bei Caliope.de kannst Du ein Profil erstellen und Dich für 15 Euro für eine Veranstaltung in Deiner Umgebung anmelden: sei es Brunch, Kino, Kneipenabend, oder Bowling. Im Anmeldeformular gibst Du Deine persönliche Daten an. So setzt das Caliope-Team eine Gruppe von sechs bis acht Personen für Dich zusammen - soweit es geht mit gleichvielen Frauen und Männern im passenden Alter, den gleichen Interessen und Bildungsniveaus. Sollten es auf Grund von zu wenig Teilnehmern doch nicht zu einem Treffen kommen, bekommst Du Dein Geld gutschrieben oder zurückerstattet.

Firat Delipalta ist Luft und Raumfahrtingenieur für "Naxcon",Julia Jost gelernte Betriebswirtin.

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