Das finale Nickerchen

Marc Röhlig

fudder-Mitarbeiter Marc Röhlig notiert Sexphantasien in der Vorlesung und merkt: So geht’s nicht mehr weiter. Der Nap in der Redaktion wird zum großen Finale. Dann folgt die erste Nacht ohne Wecker.



Video: Das letzte Nickerchen

 



Donnerstag II, 16:23 Uhr

„Sollen wir es ihm jetzt geben?“, fragen sie sich und schmunzeln. Dann drücken mit die fudder-Redakteure einen Gutschein in die Hand. Floating Tank. Eine halbe Stunde Zauberschlaf in der Wasserblase. Ich strahle mir die Schlafknautschfalten aus dem Gesicht.

Soeben habe ich in der Redaktion meinen letzten Nap gehalten. Das Experiment ist vorbei, ich höre auf, kollabiere vornehmst. Alle zwölf Weckzeiten werden aus meinem Handy gelöscht.

Es musste sein. Nach der Eingewöhnungsphase und einer wirklich euphorisch-energiegeladenen Woche baue ich nun seit zwei Tagen ganz rasch ab. Die letzte Nacht war nur noch gruselig, ich bekomme nur noch wenig auf die Reihe. Ich saß gerade noch vor dem Nap in einer Vorlesung über einen islamischen Gelehrten. Anhand des Mitschriebs weiß ich jetzt noch, dass er wohl in Afghanistan geboren wurde und einen Groll auf britische Kolonialisten hatte. Ab dann verschwimmt meine Handschrift zu einem komatösen Brei. „wild sexiest“ könnte man mit Mühe in einen Stichpunkt hineininterpretieren. Ein Koranexperte? The wild sexiest? Egal ob Traum oder Schreibfehler – mit Lerneffizienz hat das nichts mehr zu tun.

Ich hatte meine gute Zeit – und ich erwarte sie nicht mehr zurück. Stattdessen will ich endlich wieder – ich weiß, ich weiß, ein Paradox – Zeit haben. Zeit für meine Freundin, Zeit für meine Kumpel. Zeit, Bücher zu lesen und Sport zu treiben. Zeit, an der Uni zu lernen – ein Lernen, dass sich möglich weit weg von „wild sexiest“ ansiedelt.

Donnerstag II, 23:05 Uhr

Julia und ich waren wieder Tanzen. Dieses Mal gleich zwei Kurse hintereinander. Jive neu im Grundschritt, beim ChaCha Drehung und New Yorker gelernt. War befreiend, mit ihr ganz ohne ständige Uhr-Kontrolle unterwegs zu sein. 20:15 Napping? 23 Uhr Napping? Ha! Steh’ ich drüber. Bin jetzt hundemüde und die Beine schmerzen. Das wird mein Schlaf des Jahrhunderts.

Freitag II, 11:54 Uhr

Okay, war eher Schlaf des Quartals. Sieben Stunden, dann ging der Wecker für den heutigen Unikurs. Fühle mich so unendlich ausgeruhter als in den letzten beiden Tagen – aber trotzdem noch nicht fit für die Welt. Braucht wohl noch ein bisschen bis zur Regeneration. Hatte unmittelbar nach dem Aufwachen ziemlich verklebte Lider. Es war, als habe der Schlaf allen Schlafsand der letzten zwölf Tage in mein Gesicht gespült.

Jetzt ist’s kurz vor Mittag, kurz vor meinem eigentlichen 12-Uhr-Nap. Ich merke, wie mein Körper wieder seinen Energiehaushalt herunterfährt und ich schläfrig werde. Ich glaube ich höre mal auf ihn. Ich geh’ jetzt ein Nickerchen machen. Weckzeit einstellen? Auf gar keinen Fall.

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