Künstlerinnenszene

Das Festival Locartista will Frauenpräsenz auf Freiburger Bühnen fördern

Anika Maldacker

Mit Locartista findet am Wochenende in Freiburg ein Festival statt, das sich an Frauen richtet. Die Organisatorinnen wollen lokalen Künstlerinnen in den Bereichen Fotografie, Musik und Theater eine Bühne geben. Wieso braucht Freiburg ein solches Festival? Ein Interview.

Fudder hat mit Manuela "Ella" Kugler, einer der vier Organisatorinnen des Locartista Female Festivals, gesprochen.

Locartista findet zum ersten Mal statt. Wieso braucht Freiburg ein solches Festival?

Uns, dem Organisationsteam, ist aufgefallen, dass auf Freiburger Bühnen sehr wenig Frauenpräsenz vorherrscht. Wir besuchen sehr oft verschiedene Veranstaltungen, aber fast alle sind rein männlich besetzt. Frauen tauchen auf Freiburger Bühnen selten auf. Dabei hat Freiburg doch eine große Künstlerinnenszene. Wieso stehen Frauen da nicht auch auf der Bühne? Das Programm richtet sich an Freiburger Frauen und Personen, die sich als Frauen sozialisieren, und will sie ermuntern, sich künstlerisch zu betätigen.

Welche Bereiche sind das?

Deborah Ewert, die das Festival auch mitorganisiert, und ich sind hauptsächlich in der Musik verortet. Ich selbst bin DJane und habe eine Radiosendung bei PH 88,4 beziehungsweise UniFM. Bei Veranstaltungen mit Bands oder Singer/Songwritern sind Frauen sehr unterrepräsentiert. Wir haben geschaut, wie es in anderen Bereichen ist, wie Fotografie, kreativem Schreiben, Poetry Slam oder Rap. Dort sieht es nicht besser aus.

Da ist Freiburg aber doch nicht besonders. Das sieht in anderen Städten doch ähnlich aus?

Wir haben über den Tellerrand geschaut und festgestellt, dass es in anderen Städten nicht besser aussieht. Es gibt viele Sängerinnen, aber an den Instrumenten sind wenige Frauen. Wir wollen mit dem Festival aber lokal beginnen und nennen es daher auch Locartista– von local artist. Dabei wollen wir auch herausfinden, warum das so ist, wie es ist. Trauen sich die Frauen nicht? Bei der Organisation des Festivals haben wir gemerkt, dass Frauen in der Kunst nicht so gut vernetzt sind. Es gibt bereits einige wenige Anlaufstellen, aber lange nicht genug. Wenn es mehr Möglichkeiten gibt, trauen die Frauen sich vielleicht auch, als Künstlerin aktiver zu werden.

Warum sind die Frauen nicht so gut vernetzt?

Gute Frage! Darauf haben wir keine Antwort gefunden. Wir wollen an einer Lösung ansetzen. Mit Locartista wollen wir ein Netzwerk schaffen. Während und nach dem Festival können Frauen sich in einer Facebook-Gruppe vernetzen. Da können sich alle, die sich als Freiburger Künstlerin verstehen, eintragen.

Eine Facebook-Gruppe könnte es aber jetzt schon geben? Dafür braucht es kein Festival.

Wir wollten klein anfangen. Locartista findet zum ersten Mal statt. Wir wollen die Resonanz abwarten. So ein Festival ist ein guter Anlass, das Thema vorzustellen und einen Denkanstoß zu setzen. Bei den Workshops wollen wir Frauen die Möglichkeit bieten, sich in einem Kunstbereich wie Rap, kreativem Schreiben, Fotografie oder Songwriting auszuprobieren.

Sind auch Männer willkommen?

Wir wollen keine umgekehrte Exklusion betreiben. Das ist nicht Sinn der Sache. Männer sind natürlich willkommen. Wir wollen den Frauen aber den Vortritt lassen, wenn es bei den Workshops zum Beispiel zu viele Anmeldungen gibt.

Gab es auch kritische Gegenstimmen auf das Projekt?

Vonseiten der Vereine Multicore, Slow Club und Kulturaggregat, die in die Organisation eingebunden sind und von freien Freiburger Künstlerinnen kam nur gutes Feedback. Es gab viel Zuspruch. Es gibt aber auch Gegenstimmen, die will ich nicht unter den Teppich kehren. Sie sind aber gering und bestehen eher aus der Frage, ob so ein Festival wirklich sein muss.

Wie kam das Line-up zustande?

Wir haben zu viert gebrainstormt und Freundinnen und Bekannte angesprochen und waren viel auf lokalen Veranstaltungen unterwegs. Da haben wir Frauen, bei denen wir gedacht haben, dass es passen könnte, angesprochen.

Die Vernissage zur Eröffnung läuft unter dem Titel "Wie wir hysterisch wurden". Hysterisch sein wird dem Feminismus oft negativ angehängt. Schlägt man damit nicht in eine erwartbare Kerbe?

Ja, vielleicht tut man das. Es ist ein sehr polarisierender Titel, der aber das, was die drei Künstlerinnen Dorothee Himpele, Katrin Krumm und Minz&Kunst Photography, die ausstellen, vereint. Sie thematisieren stark das Rollenbild der Frau in der Gesellschaft.
  • Was: Locartista Female Festival Freiburg
  • Wann: Freitag, 28. September, bis Sonntag, 30. September