Sozialarbeit

Das Fanprojekt für Anhänger des SC Freiburg soll Ende Juli eingestellt werden

Joshua Kocher

Binnen zwei Wochen soll das SC-Fanprojekt eingestellt werden – weil Personal fehlt. Das teilte das Jugendhilfswerk als Träger mit. Die Fan-Szene reagiert mit Unverständnis auf diese Entscheidung.

"Das Jugendhilfswerk hat sich entschieden, das Fanprojekt zum Ende Juli 2018 einzustellen." Mit dieser Nachricht wurden Geldgeber und Netzwerkpartner des Fanprojekts am vergangenen Dienstag, 17. Juli, in einem Brief konfrontiert, der der BZ vorliegt. Absender waren der Geschäftsführer des Jugendhilfswerks (JHW), Carlos Marí, und der Vorsitzende Ulrich Gruler.


"Wir können es nicht weiter verantworten, das Projekt fortzuführen"JHW-Geschäftsführer Carlos Marí
"Wir können es nicht weiter verantworten, das Projekt fortzuführen", sagte Carlos Marí am Mittwoch auf BZ-Nachfrage. "Seit August suchen wir einen neuen Leiter und einen Mitarbeiter für das Fanprojekt, wurden aber bis heute nicht fündig. Wir haben die Stellen bundesweit ausgeschrieben, der Markt für Sozialpädagogen ist abgegrast." Zwei Mitarbeiter, keiner davon in Vollzeit, kümmerten sich bis zuletzt um das Fanprojekt. Sie sollen nun die Möglichkeit bekommen, anderweitig im JHW zu arbeiten, wie in dem Brief der Geschäftsführung deutlich wurde.

Die Fanszene kann die Entscheidung nicht verstehen

In einem offenen Brief an die Stadtverwaltung, das Kultusministerium und die Deutsche Fußball-Liga wehren sich unter anderem mehrere Ultra-Gruppen, die Fangemeinschaft, die Supporters Crew, drei Beiräte des Fanprojekts und neun Stadträte gegen diese Entscheidung. Darin ist unter anderem zu lesen: "Es ist unverantwortlich, das Fanprojekt mit unmittelbarer Wirkung, ohne vorausgehende Gespräche und ohne eine Übergangslösung einzustellen." Es würden wichtige Vertrauensverhältnisse mit den Fangruppen beendet und der Ausstieg aus einem lokalen und auch bundesweiten Netzwerk billigend in Kauf genommen.

"Wir wurden komplett von dieser Entscheidung überrascht " beklagte Helen Breit von der Fanvereinigung Supporters Crew Freiburg gegenüber der BZ. "Es muss aber weiterhin ein Fanprojekt geben." Auch der Sportclub Freiburg wusste bisher nichts von dieser Maßnahme, wie Pressesprecher Sascha Glunk bestätigte.

Das Jugendhilfswerk hatte 2013 den Aufbau eines Freiburger Fanprojekts übernommen, nachdem die Forderungen nach einem solchen zuvor immer lauter geworden waren. Das Projekt leistet Jugendarbeit für junge Fußballfans und kostet pro Saison 200.000 Euro. Es wird zu je einem Viertel von Stadt und Land finanziert – die übrige Hälfte übernimmt die Deutsche Fußball-Liga.

"Hier werden Teile der Infrastruktur plötzlich aufgekündigt"Helen Breit, Supporters Crew Freiburg
Bis Ende Juli, also binnen zwei Wochen, soll das Fanprojekt nun eingestellt werden. Unklar ist derweil, wie es mit den Räumen an der Schwarzwaldstraße weitergeht, in der das Projekt untergebracht war. "Hier werden Teile der Infrastruktur plötzlich aufgekündigt", sagte Breit von der Supporters Crew. Der Ort war wichtiger Treffpunkt vor und nach dem Spiel, hier fanden Veranstaltungen statt und wurden Choreographien für das Stadion vorbereitet. "Wir verschließen uns nicht vor einer Übergangslösung", sagte Marí vom JHW. Dazu müssten jedoch Gespräche mit der Stadt geführt werden.