Das Dubai-Bobbele

Adrian Hoffmann

Als Manuel Yves-Eckert aus Freiburg seinen Eltern bekannt gab, dass er eine Bäckerlehre machen will, waren sie nicht sonderlich begeistert. Wenn sie gewusst hätten, was dadurch mal aus ihrem Jungen wird, hätten sie das bestimmt anders gesehen: Er ist mittlerweile ein erfolgreicher Backrohstoff-Händler in Dubai - und beliefert sogar den Palast.



Manuel lebt seit siebeneinhalb Jahren in Dubai, und ungefähr so lange will er auch noch dort bleiben. Es gefällt ihm dort, noch immer, nur ein bisschen zu kalt ist es ihm manchmal. Ja, zu kalt! Überall Klimaanlagen, im Büro, im Auto, in jedem Geschäft, dass man betritt. "Sonst würde man es nicht aushalten", sagt er und lacht. Wenn er sommers auf Heimatbesuch ist, stellt er das immer wieder fest; in Freiburg kommt man ins Schwitzen.


Mit seiner Idee, die er zusammen mit einem Freund aus Hamburg umsetzte, hat Manuel eine Marktlücke geschlossen. Er hat erkannt, dass es in den Emiraten einen Mangel an Backrohstoffen gibt. “Und das ist ein riesiger Markt”, sagt er. Natürlich gibt es schon Mitbewerber, gab es auch vorher, aber keiner macht das, was er macht. Er wollte, irgendwie typisch für einen Freiburger, mehr Bioprodukte anbieten, mehr Dinkel, weniger Weizen. Der österreichische Konzern, der ihn mit den Rohstoffen beliefert, heißt Backaldrin.



Mit 25 Tonnen, alles ganz gemischt, von Mehl bis Sonnenblumenkerne, handelt er in einem Monat. Das Unternehmen heißt Heidi-Chef. Und das Logo ist, selbstverständlich, ein Edelweiß. Damit will Manuel den Bezug zu Österreich herstellen, und wenn sie irgendwo für sich werben, dann mit einem Heidi-Pappschild. Und das kommt an, in Dubai.

Manuels Abnehmer sind ganz unterschiedliche: Ganz vorne dabei sind die Airlines in den Emiraten, die vielen Fünf-Sterne-Hotels in Dubai, Supermärkte und selbst der Palast. Und viele dieser Abnehmer haben eigene Bäckereien, die Hotels zum Beispiel, wo Manuel dann den vielen Hilfsarbeitern kurz und bündig erklärt, wie sie aus den Rohstoffen Brötchen machen - und fertig. “In Dubai gibt es eine Brotkultur, die von Europäern und Touristen geprägt ist”, sagt er. Deshalb geht auch noch einiges in der Entwicklung seines Geschäfts, schon allein wegen des weiteren Hotel-Baubooms, der für die nächsten Jahre erwartet wird.



Kürzlich haben sie dreijähriges Bestehen gefeiert, heute ist das Team mit ihm zehn Mann stark, ganz international. "Das funktioniert wunderbar”, sagt Manuel, “und das ist normal in Dubai." Für Manuel selbst ist das auch schon lange normal. Bevor er nach Dubai kam, hat er bei einem deutschen Bäcker in Los Angeles gearbeitet. Er sieht sich selbst nicht als Aussteiger, dieser Begriff habe etwas Abfälliges, findet er, eher als “Botschafter einer Esskultur”. "Ich arbeite hier hart", sagt er, “ich habe eine Sechs-Tage-Woche.”

Ein großer Vorteil des geschäftlichen Standorts Dubai sind die geringen Steuern, die Manuel zu zahlen hat. Es gibt eine Importsteuer von fünf Prozent, aber das viele Roggenmehl, das er importiert, gilt als Grundnahrungsmittel ? und da ist in Dubai keine Steuer drauf.

Seine Freundin arbeitet als Stewardess, und wenn sie mal Zeit füreinander finden, dann pflegen sie zusammen den Rasen in ihrem Garten. “Um den kümmere ich mich drei Mal am Tag”, sagt Manuel, “damit er nicht verbrennt.” Denn der Geruch von Gras, dass ist das, was er hier in Dubai vermisst. Als nächstes will das Pärchen deshalb auch in ein Land mit vielen Bergen und Wäldern auswandern. Österreich zum Beispiel.