Das deutsche Web 2.0: Was ist Qype?

Christoph Müller-Stoffels

"Tag your Town"? "Die besseren Gelben Seiten"? "Qype deine Meinung"? Die Vorschläge waren vielfältig, als Qype auf der Suche nach einem Slogan war. Rausgekommen ist "Das Beste der Stadt". Teils noch Wunsch, teils bereits Programm, präsentiert sich Qype als ein Empfehlungsportal, bei dem die User den Usern Tipps geben: mein Friseur, meine Pizzeria, mein Zahnarzt – natürlich mein Zahnarzt 2.0.

Was ist Qype?

Qype ist ein Empfehlungsportal. Du kennst die beste Pizzeria der Stadt? Du hast eine Bar entdeckt, die ganz toll ist? Teil es dem Rest der Welt mit. So jedenfalls ist die Idee dahinter. Qype soll auf Empfehlungsbasis eine interaktive Version der Gelben Seiten sein. Nicht nur gastronomische Einrichtungen sollen bewertet werden, auch Tankstellen, Kindertagesstätten, Sehenswürdigkeiten, Ärzte, Tierhandlungen, Tagesmütter, Sportvereine oder Handwerker.


Funktionieren soll das wie der persönliche Tipp eines Freundes. Der Unterschied ist, dass der Freund hier eine Bewertung (einen bis fünf Sterne) und eine kurze Beschreibung hinterlässt. Ich war hier, es war gut, nicht so gut war, etc.

Was bringt mir Qype?

Wenn Qype funktioniert, ist es ein geniales Web 2.0-Tool. Man zieht um und sucht einen Handwerker. Oder einen Arzt. Oder einen Friseur. Ein Blick auf Qype kann einem helfen, einen guten Friseur zu finden, ohne sich vorher fünf Mal verunstalten zu lassen. Oder man ist auf der Durchreise und sucht ein gutes Restaurant. Die Bewertungen der Qyper können da äußerst hilfreich sein.

Aber auch die Anbieterseite kann profitieren. So bekam ein Frankfurter Friseur laut Qype-Pressemitteilung allein durch die Online-Empfehlungen in zwölf Wochen 120 neue Kunden. "Ich frage Kunden, denen ich zum ersten Mal die Haare schneide, grundsätzlich, wie sie auf mich aufmerksam geworden sind", wird Friseur Frank Papsdorf zitiert. "Im Schnitt kommen zwei pro Tag von ihnen über Qype."



Und auch die Qyper selbst können profitieren, wenn sie aktiv sind. Für jede Aktion im Portal bekommt man Punkte. Dazu gehören für das Schreiben von Beiträgen, das Hochladen von Bildern, das Einladen von Freunden, usw. Wer 250 Punkte gesammelt hat, wird automatisch zum Qype Insider befördert. Zukünftig sollen die Beiträge von Insidern bei den Bewertungen stärker gewichtet werden. Auch will Qype regelmäßig Events und Aktionen durchführen, die nur Insidern geöffnet sein sollen. Durch die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Qypern zu knüpfen, ähnelt Qype dem Business-Netzwerk Xing.

Wer steckt hinter Qype?

Der starke Mann hinter Qype ist Stephan Uhrenbacher. Bevor sich der 37-jährige Hamburger an die Gründung von Qype gewagt hat, hatte er bereits das Reiseportal TravelChannel ins Leben gerufen und von London aus Lastminute.com in Deutschland eingeführt. Für die Internet-Apotheke DocMorris war Uhrenbacher als Leiter des operativen Geschäftsbereiches (COO) tätig, und für Axel Springer gestaltete er die Neuausrichtung von Bild.de. Neben Uhrenbacher sind bei Qype derzeit zwölf Mitarbeiter tätig, weitere sollen hinzukommen.

Natürlich stehen auch Geldgeber hinter Qype. So haben die Venture-Kapitalisten Advent und Partechder Startup-Company letzten Sommer mit "mehreren Millionen Euro" unter die Arme gegriffen. "Die Investoren, die allesamt Experten der Internetwirtschaft sind, bedeuten für uns vor allem mehr Kompetenz im Team", so Uhrenbacher. "Wir haben damit die Ressourcen, den Aufbau unserer Community zu beschleunigen und Qype als besten Anbieter in Deutschland für lokale Empfehlungen weiterzuentwickeln." Den Gerüchten, bei Qype würde bald ein großes deutsches Medienhaus wie Burda, Holtzbrinck oder Springer im Rahmen eines Ventures einsteigen, sollte man nur bedingt glauben schenken. "Gespräche führen wir immer, aber im Moment keine konkreten."

Wie erfolgreich ist die Seite?

Gemessen an harten Fakten ist die Seite ziemlich erfolgreich. Derzeit hat Qype etwa 800.000 Besucher monatlich. Im März diesen Jahres hat das Unternehmen den "Red Herring-Preis" erhalten. Damit werden jedes Jahr die 100 viel versprechendsten privaten Technologie-Unternehmen aus Europa, Mittelasien und Afrika gewürdigt. Den Preis haben unter anderem auch Google, eBay und Skype in ihren Startphasen erhalten. Qype ist zwar noch ein Stück weit weg vom Erfolg dieser Dienste, trotzdem darf sich das Portal schon als Europas größte Website für lokale Empfehlungen bezeichnen.

Wie will Qype Geld verdienen?

Qype will in erster Linie über Online-Werbung Geld verdienen. Im Gegensatz zu anderen Portalen wie MySpace, YouTube oder Flickr, wo die Refinanzierung über Werbung nur sehr schleppend läuft, bietet sich bei Qype Werbung dieser Art auch tatsächlich an. Denn wenn jemand nach einer Pizzeria in Dortmund sucht, ist Werbung für eine Pizzeria in Dortmund sinnvoll. Qype will zukünftig, ähnlich wie bei Google, Unternehmen anbieten, oberhalb von Suchergebnislisten zu werben. Ob das nicht den Grundgedanken ad absurdum führt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Refinanzierung irgendwie erfolgen muss.

Wer sind die Vorbilder?

Das große Vorbild ist das US-amerikanische Netzwerk Yelp, das im Prinzip genauso funktioniert und ähnliche Probleme aufweist, wie Qype (siehe unten).

Wer sind die Konkurrenten?

Konkurrenten sind Blue Citymaps, sowie das Freundesnetzwerk Lokalisten. Auch Xing kann in den Kreis gezählt werden, bezieht man sich auf die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten.

Wo hakt es noch?

Anspruch und Wirklichkeit passen noch nicht ganz zusammen bei Qype. Besonders für kleinere Städte wie Freiburg sind die Empfehlungen noch sehr überschaubar. Und wenn ein einzelner User vorschwärmt, wie gut sein Kardiologe sei, hilft das nur bedingt weiter. Auch die Suche nach einem Handwerker kann sich schwierig gestalten. Weder in Hamburg, München oder Köln wurde ein Fliesenleger geqypet. Erst Berlin kann einen anbieten, und auch der hat nur eine Bewertung. Ab heute soll es eine bessere Kategorien-Navigation bei Qype geben, die weniger Lifestyle-lastig sein soll.



Wenn Qype tatsächlich eine hilfreiche Unterstützung bei der Suche auf jedem Sektor sein will, muss es noch gehörig in die Breite wachsen. 12.000 Autoren haben bislang etwa 45.000 Beiträge verfasst. Rufen wir uns in Erinnerung, dass Tankstellen, Kneipen, Restaurants, Kindertagesstätten, Sehenswürdigkeiten, Ärzte, Tierhandlungen, Tagesmütter, Sportvereine und Handwerker in ganz Deutschland, eigentlich sogar in ganz Europa, bewertet werden, ist das noch reichlich wenig. Teilweise ist die Bewertung auch ganz offensichtlich vom Besitzer selbst verfasst.



Wie geht es weiter?

Derzeit ist Qype nur auf Deutsch und Englisch verfügbar, wobei die englische Community erst zarte vier Wochen alt ist. So kommen noch fast alle Beiträge in 30 Ländern von deutschen Qypern. Durch die Freischaltung der englischen Benutzeroberfläche erhofft sich das Unternehmen eine schrittweise Internationalisierung. Auch Spanisch und Französisch sind auf der Liste. "Aber wir haben da relativ viel Ruhe", meint Stephan Uhrenbacher, "jeder Markt muss sich schließlich erst einmal entwickeln." Konkurrenz fürchtet Uhrenbacher bei der Expansion nach Europa nicht. "Im Moment sind wir unseres Wissens bei weitem die größten Anbieter in Europa in unserem Segment."

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fudder-Serie: Das deutsche Web 2.0