Das deutsche Web 2.0 (9): Amazee.com

Christoph Müller-Stoffels

amazee.com will sowohl "social" sein, als auch "2.0". Die Betreiber der Schweizer Website arbeiten daran, die angesagteste Plattform für social collaboration zu werden. Was das bedeutet, wollte Christoph genauer wissen und machte bei der Serie "Das deutsche Web 2.0" eine eidgenössische Ausnahme.



Was ist Amazee?

Amazee ist eine Plattform für social collaboration oder gesellschaftliche Zusammenarbeit, auf der sich Menschen mit Ideen vernetzen und zusammen an der Durchsetzung ihrer Ziele arbeiten können. Im Gegensatz zu anderen White-Label-Lösungen und Community-Baukästen sind die auf Amazee vertretenen Projekte zum Großteil dem sozialen, gemeinnützigen und karitativen Bereich zuzuordnen.

Was bringt mir amazee?

Amazee-Sprecher Mathias Möller formuliert das so: "Amazee hilft nicht nur bei der Durchsetzung eigener Ideen und der Verwirklichung von Plänen, die Plattform befriedigt auch das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung. Sie erzeugt das gute Gefühl, das man hat, wenn man etwas geschafft hat."

Wer steckt hinter amazee?

Amazee wurde im September 2007 von Dania Gerhardt, Gregory Gerhardt und Prodosh Banerjee in Zürich gegründet. Die erste Testversion von amazee ging im Mai 2008 online. Das Kernteam bilden inzwischen Dania und Gergory Gerhardt, Lucas Bally und Markus Tressl. Möglich gemacht wurde das Projekt erst von Daniel Model, einen Schweizer Unternehmer aus der Verpackungsindustrie. Möller: "Er ist unser Angel Investor, dem wir viel verdanken."



Wie erfolgreich ist das Angebot?

Von dem Ziel, die größte Online-Plattform weltweit im Bereich social collaboration zu werden, ist Amazee noch ein gutes Stück entfernt. Gerade in den USA gibt es ähnliche Konzepte, die bereits wesentlich etablierter sind (siehe unten). Allerdings sehen sich die Betreiber auf einem guten Weg. Derzeit werden rund 840 Projekte auf Amazee vorangetrieben.

Wie will Amazee Geld verdienen?

Zur Finanzierung beruht Amazee derzeit auf einem Zwei-Säulen-Modell. Zum einen fließt Geld aus Pro-Mitgliedschaften (USD 19,95 für drei Monate), die dem User weitere Features für seine Projekte zur Verfügung stellen. Die zweite Säule ist Werbung. Das hier entwickelte Modell ist, wie Möller erläutert, auch für die User attraktiv: "Unternehmen können sich ein Projekt aussuchen, neben dem sie ihre Werbung platzieren wollen, die eine Hälfte der Einnahmen geht dann an dieses Projekt, die andere Hälfte an Amazee."



Wer sind die Vorbilder?

Laut Möller gibt es keine Seite, die die Features miteinander verbindet, die Amazee bietet, "also eine Plattform zur Vernetzung mit den nötigen Tools zur Zusammenarbeit." Allerdings gibt es White-Label-Lösungen, Community-Baukasten-Systeme und Sites, die gesellschaftliche Zusammenarbeit und sozialen Aktivismus vorantreiben möchten. Amazee sieht sich als die Essenz daraus.

Wer sind die Konkurrenten?

Da es keine Vorbilder gibt, sieht Amazee auch keine "natürlichen Feinde". Am ehesten werden ning.com, change.org oder mixxt.de als Konkurrenten betrachtet.

Warum sollte man Amazee nutzen, wenn es auch andere Anbieter gibt?

Möller: "Weil es eine weitere nutzenswerte Plattform darstellt aus dem Bereich des sozialen Aktivismus und weil wir dem User den umfassendsten Nutzen versprechen: Er oder sie findet Gleichgesinnte, mit denen er sich vernetzen kann und man kann gleich vor Ort auf Amazee anfangen, seine/ihre Vorhaben umzusetzen."



Wie geht es weiter?

Möller: "Wir sehen Amazee als international führende Plattform für Social Collaboration, die Menschen weltweit vernetzt und dabei hilft, die Welt zum besseren zu verändern. Wir glauben fest daran, dass das Internet mit dem Erwachsenwerden auch immer mehr zu einem Raum wird, in dem die Menschen sich sinnvoll und zielgerichtet engagieren wollen. Dieser Entwicklung tragen wir mit Amazee Rechnung."

In zehn Jahren wird der Begriff Social Collaboration angeblich weithin gebräuchlich und ein Eckpfeiler des aktiven Webs sein. Wenn sich Möllers Vision bewahrheitet, bedeutet das, dass es ein Revival der Grassroots Movements gibt. Der Bürger, durch das Internet für die drängenden Probleme der Welt sensibilisiert, engagiert sich quasi über seinen Tellerrand hinaus. Nur so könnten diese Probleme gelöst werden, glaubt Möller.

Ausdruck für diese Hoffnung ist der Name, denn der leitet vom englischen „amazing“ (unglaublich, erstaunlich) ab und soll nicht an Amazon erinnern, wie Möller versichert. Deshalb wird Amazee auch auf der zweiten Silbe betont und nicht wie Amazon auf der ersten. Dass die Ähnlichkeit vollkommen dem Zufall zuzuschreiben ist, klingt allerdings doch zu unwahrscheinlich.

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