Das deutsche Web 2.0 (8): mixxt.de

Christoph Müller-Stoffels

Social Networks gibt es inzwischen fast für jede noch so kleine Nische. Wer seine Interessen trotzdem noch nicht ausreichend vertreten sieht, der kann selbst Abhilfe schaffen. Das deutsche Web 2.0-Unternehmen mixxt bietet einen "Community-Baukasten", der keine Wünsche offen lässt. Wir stellen das Angebot vor und erklären, wie sich Mitgründer Oliver Ueberholz die Zukunft von mixxt vorstellt - Plattenfirma und eigene Cola-Marke nicht ausgeschlossen.



Was ist mixxt?

"mixxt ist ein Community-Baukasten, mit dem jede Gruppe sich kostenlos online organisieren und auf Wunsch auch präsentieren kann und Unternehmen hochwertige Community-Lösungen in kürzester Zeit realisieren können." So stellt Gründer Oliver Ueberholz sein "Baby" vor. Der Slogan "Connecting cultures", den sich mixxt auf die Fahnen geschrieben hat, ist Programm. Jeder kann hier seine eigene kleine oder große Community gründen, sein zweckgebundenes Netzwerk ins Leben rufen. Ob das dann privat bleibt oder öffentlich zugänglich, liegt bei den Gründern.

Was bringt mir mixxt?

Vereine, Freundeskreise, Interessengemeinschaften aller Art, seien sie nun dauerhaft oder nur temporär existent (etwa einzelne Veranstaltungen), können mit mixxt koordiniert und gemanagt werden. Alle Mitglieder können dabei Bilder einstellen, diskutieren, Dokumente teilen oder gemeinsam Ideen austauschen und Wissen sammeln.



Wer steckt hinter mixxt?

Im Frühjahr 2005 begannen die Arbeiten für mixxt. Im November 2006 ließen die Gründer Oliver Ueberholz, Daniel Peters, Philipp Ellenbeck und Christian Stein ihre Idee als GmbH eintragen. Ihre Ziel dabei waren, wie es Ueberholz ausdrückt, "endlich wieder neue, unterscheidungsstarke Communities, mit Fokus auf Inhalte und auf die Menschen selbst, nicht auf immer wieder die gleiche Technologie. Natürlich ging es bei der Gründung auch darum, dass wir hier ein spannendes Geschäftsfeld mit hohem Umsatzpotenzial sehen, aber vor allem wussten wir, dass uns diese Arbeit nicht langweilig werden würde."

Mit den Fortschritten sind die Macher sehr zufrieden. Funktional hätten sie zwar gerne bereits viel mehr umgesetzt, andererseits haben sie dafür Funktionen eingebaut, die vorher gar nicht geplant waren. "Unsere Nutzerzahlen sind knapp vor unserem Plan, unser Umsatz weit über unserem Plan. Wir sind in Polen und der Türkei bereits lokal aktiv, was wir uns auch anfangs nicht so stark ausgeprägt vorgestellt hatten. Allerdings hatten wir mit wesentlich weniger Wettbewerbern gerechnet und eine etwas andere Ausrichtung angedacht."

Wie erfolgreich ist die Seite?

Ueberholz zeigt sich "hoch zufrieden, aber weniger aufgrund unserer guten Zahlen und der erfolgreichen Finanzierungsrunde im letzten Jahr, sondern weil wir unglaublich viel auf dem Weg bis hierhin dazugelernt haben und an vielen spannenden Projekten mitwirken konnten."

Die größten Netzwerke powered by mixxt (mit bis zu 1200 Mitgliedern) sind bezeichnenderweise solche, die zur Koordination von BarCamps gegründet wurden, den Veranstaltungen also, auf denen technologische Innovationen kommuniziert und diskutiert werden.

Inzwischen ist neben der deutschen auch eine englische, polnische und türkische Version von mixxt online. Die letzten beiden waren ein "geplanter Zufall", wie Ueberholz berichtet. "Wir haben uns anfangs die verschiedenen Märkte weltweit angesehen und die Länder in zwei Prioritäten eingeteilt. Hinzu kam eine generelle Markteintrittsplanung mit Mindestanforderungen für einen solchen Eintritt. Das erste Land, was auf der Liste der hoch priorisierten Länder stand und unsere Mindestanforderungen erfüllte, war Polen. Dann folgte einen Monat später die Türkei. Zu diesen Anforderungen gehören ein Country Manager, erste lokale Projekte & Kunden, Präsenz in den Medien und auf Veranstaltungen und ähnliches."

Wie will mixxt Geld verdienen?

In den letzten beiden Monaten ist mixxt in die schwarzen Zahlen gerutscht, und da die Auftragsbücher voll sind, rechnet Ueberholz auch in den kommenden Monaten mit schwarzen Zahlen. "Hauptumsatztreiber sind hier Unternehmenslösungen, die sich in zwei große Kategorien einteilen lassen: Communities für den Dialog mit Kunden bzw. Interessenten und Communities für die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens.

In 2009 werden Premium-Funktionen auf der mixxt-Plattform als Einnahmequelle hinzukommen und vielleicht schalten wir sogar ein wenig Werbung, wobei Online-Werbung für unser Konzept nie besonders wichtig war." Allerdings betont er auch, dass alles, was bislang kostenlos war, auch weiterhin kostenlos bleiben wird. Nur ein paar Zusatzfunktionen sollen, ähnlich wie bei Xing, kostenpflichtig werden.



Wer sind die Vorbilder?

Ursprünglich wurde Ningsowohl als Vorbild als auch als Hauptwettbewerber angesehen. "Mit etwa 104 Millionen US-Dollar Risikokapital und einem Gründer, der einst Netscape ins Leben rief, ist Ning mehr als nur ein Wettbewerber, es ist eines der wenigen Schwergewichte im Internet, was uns aber nicht abschreckte." Allerdings bewegte sich mixxt aufgrund der starken Whitelabel-Nachfrage für Unternehmenslösungen vom Ning-Prinzip weg.

Inzwischen sehen sie eine Reihe an Enterprise-Social-Software-Anbietern als Wettbewerber. "Durch unsere Kombination von Community-Baukasten und Whitelabel-Lösung bringen wir das beste aus beiden Welten zusammen und können in beiden Feldern eine Vielzahl an Leistungen bieten, die bisher noch kein Anbieter erfüllt. Diese Vorreiterposition, im Neu-Deutsch auch thought leader genannt, bauen wir weiter aus."

Wer sind die Konkurrenten?

Ning, Collectivex, Goingon. Die Liste kann noch deutlich verlängert werden, wobei es zwischen den verschiedenen Wettbewerbern immer graduelle Unterschiede gibt.

Warum sollte man bei der Vielzahl an Wettbewerbern ausgerechnet mixxt nutzen?

Ueberholz: "mixxt ist besonders bei existenten Offline-Gruppen beliebt, die Ihr bestehendes Netzwerk online abbilden, miteinander kommunizieren und sich organisieren wollen. Die anderen Marktbegleiter werden eher für die Schaffung neuer Gruppen und eher zum Spaß genutzt. Wir glauben aber an den echten Mehrwert im Networking. Kaum eine nur für private Zwecke bzw. zum Spaß genutzte Community überlebt für mehr als drei Jahre. Die einzigen Dienste, die langjährig im Internet Bestand haben, sind Angebote, die einen Mehrwert für die Nutzer anbieten. mixxt konzentriert sich deshalb bei der Erweiterung der Funktionalität immer auf die Schaffung von Mehrwert für den Nutzer.

Dieser Mehrwert ist entweder Kollaboration (etwas Nützliches, Zeitsparendes), Geld/Verdienst (eCommerce oder Vermittlung) oder Wissen. Wikis gelten zwar als Nischensystem, werden aber auf mixxt von einer breit gefächerten Masse an Nutzern verwendet, vor allem um Nischenwissen (z.B. Imkerei, Pflanzen, Bildungsthesen oder Forschungsergebnisse) abzubilden. Hinzu kommen Foren für die Kommunikation, die Ablage/Verwaltung von Bildern und Dateien und auch die Organisation von Veranstaltungen. Generell gesagt: mixxt ist nützlich für eine Vielzahl an Gruppen und das macht es besonders."



Wie geht es weiter? Wo steht mixxt in zehn Jahren?

"Ich lese jetzt besser nicht vor, welches ambitioniertes Ziel in unserem Business Plan steht. Ganz offen: Keiner kann sagen, was ein Unternehmen in zehn Jahren macht, ganz besonders nicht in der Internet-Branche. Ich kann sagen wo wir uns nicht sehen: Auf einer Karibischen Insel. Wir arbeiten an mixxt, weil wir ein langlebiges Unternehmen mit einem validen Geschäftsmodell aufbauen wollen, das in jeder Branche, fast jeder Kultur, jedem Sprachraum und in zahlreichen Szenarien mit messbaren Ergebnissen einsetzbar ist.

Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass ich auch in zehn Jahren noch Freude an meiner Arbeit für mixxt finden kann. Vielleicht leite ich aber dann unser Büro in Shanghai oder in Malaysia. Eine für mich persönlich sehr inspirierende Person ist Richard Branson, der zufällig dort geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin. Er zeigt, dass ein Unternehmen erfolgreich in verschiedenen Branchen agieren kann. Vielleicht betreibt mixxt dann auch eine Plattenfirma oder eine Cola-Marke. Wer weiß. Geplant ist dies aber nicht."

Mehr dazu:


Weitere Folgen der Serie: