Das deutsche Web 2.0 (2): MyMuesli.de

Carolin Buchheim

MyMuesli.de ist ein besonderes Web 2.0-Unternehmen: kein Social-Bookmark-Service, keine Video-Community, keine Fotosharing-Site. Bei dieser brandneuen Firma aus Passau geht es um die wichtigste Mahlzeit des Tages. Und um das, was bei vielen Menschen auf den Tisch kommt: Um Müsli. Müsli 2.0!



Was ist MyMuesli?

MyMuesliverkauft, klar, Müsli. Auf der MyMuesli-Website kann man sich aus rund 70 verschiedenen Zutaten in Bio-Qualität sein eigenes, persönliches Müsli mischen; "Custom made cereals" nennen das die MyMuesli-Macher.

Man mischt die verschiedenen Getreideflocken, Nüsse und Früchte virtuell im Online-Müsli-Mixer (Bild unten), einer hübschen, sehr ordentlich gemachten kleinen Anwendung zusammen. Innerhalb des Müsli-Mixers erhält man zusätzlich ausführliche Informationen zu den einzelnen Zutaten.

Insgesamt kann man, so behaupten die MyMuesli-Jungs, auf MyMuesli 566 Billiarden verschiedene Müslis zusammen mischen. Das Müsli wird, unter Einhaltung aller geltenden lebensmittelrechtlichen Vorschriften, für jede Bestellung extra zusammengemischt und dann versendet.



Was bringt mir MyMuesli?

Das Müsli, von dem Du schon immer geträumt hast! Müsli ohne Rosinen! Müsli mit Gummibären! Müsli, das dank Sojaflocken und verschiedenen Nüssen einen besonders hohen Eiweißgehalt hat! Müsli mit vielen exotischen Früchten! Oder vielleicht doch lieber fuddersChocSchock?

Warum ist das Web 2.0?

"Im Internet können die User schon lange den Inhalt bestimmen, nicht aber auf dem Fühstückstisch!" meinen die MyMuesli-Macher.

Im Web 2.0 geht es um Kommunikation, Interaktion und das Personalisieren eines Angebots. Ein extra für den Besteller hergestelltes Müsli ist eindeutig ein "personalisiertes' Angebot". Natürlich kann man sich die Zutaten für ein "personalisiertes Müsli in Bio-Qualität" auch selbst im Naturkostladen zusammensuchen, die Herstellung und Lieferung eines personalisierten Müslis durch jemand anderen ist ohne eine Anwendung wie den MyMuesli-Online-Müsli-Mixer jedoch nur schwer vorstellbar.

Interaktion und Kommunikation über Müsli ermöglicht MyMuesli durch die automatisch erstellten Müsli-Mix-Codes. Jeder Besteller erhält einen Link zu seinem persönlichen Müsli-Mix und kann ihn so mit anderen teilen und weiterempfehlen.

Wer steckt hinter MyMuesli?

Diese drei sympathischen jungen Männer aus Niederbayern:



Von links nach rechts sind das Phillip Kraiss (26), Max Wittrock (24) und Hubertus Bessau (26). Philip und Hubertus haben in Budapest und Passau BWL studiert, Max hat in Passau Jura studiert und eine Journalistenausbildung absolviert, die er aber noch nicht abgeschlossen hat.

Ihre Lieblingsmüsli-Mixe sind:

Natürlich hat MyMuesli, wie jedes gute StartUp, eine Entstehungslegende. Die MyMuesli-Legende besagt, dass die drei auf einer Autofahrt vor mehr als zwei Jahren den nervigen Radiospot einer Müsli-Firma aus dem Odenwald hörten, und sich dachten: "Das können wir besser!" Nach ein paar Stunden Debatte wurde ihnen klar, dass sie nicht nur den Radiospot, sondern auch den Inhalt der Müsli-Tüte besser machen könnten.

Etwas mehr als ein Jahr nach der ersten Idee begann die intensivere Planung von MyMuesli und noch einmal neun Monate später, am 30. April diesen Jahres, ging die Website Online. Das erste Müsli wurde am darauffolgenden Mittwoch gemischt und versendet.

Als die drei Mitte April zur Webkonferenz Re:Publica nach Berlin fuhren, und von MyMuesli erzählten, hielten einige, wie Spreeblick-Chef Johnny Haeusler, das Ganze zunächst für einen verspäteten Aprilscherz.

MyMuesli ist von den drei eigenfinanziert. Hubertus und Philip betrieben während ihres Studiums in Passau einen 24-Stunden-DVD-Verleih, die sie jedoch verkauften, um mit dem Erlös MyMuesli zu starten. "Mit unserer Idee wäre es bestimmt schwer gewesen, Venture Capital zu bekommen", erzählt Max Wittrock im fudder-Gespräch am Ende eines Arbeitstags.

Die drei verpacken in ihrem Produktions- und Lagerraum in Downtown Passau, der selbstverständlich von der Lebensmittelaufsicht kontrolliert wird, übrigens noch jedes Müsli selbst, denn sie haben keine Angestellten. "Im Moment sind meine Tage ungefähr 21 Stunden lang", berichtet Max. "Aber wir sind ja auch erst zwei Wochen dabei." Er klingt ein bisschen müde, aber glücklich.



Wie erfolgreich ist die Seite?

Noch ist MyMuesli eine ganz frisches Web 2.0-Firma, die in der deutschen Blogosphäre jedoch schon viele ausgewiesene Fans hat. Gut zu tun scheinen die Jungs zu haben und für's Erste scheinen die Kapazitäten erschöpft: Seit heute ist MyMuesli vorübergehend ausverkauft. Die Auslieferung von bestellten Müslis verzögert sich um bis zu zwei Wochen.



Wie will MyMuesli Geld verdienen?

Im Gegensatz zu typischen Web 2.0-Unternehmen ist die Erlösstrategie von MyMuesli ganz einfach: MyMuesli will Geld mit dem Verkauf eines Produkts verdienen. Das schafft man normalerweise, indem man mehr Geld einnimmt, als man ausgibt.

Wer sind die Vorbilder?

Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Web 2.0-Angeboten ist MyMuesli keine "Copycat"-Site, die nach Vorbild einer bereits bestehenden Website entstanden ist. Die Jungs von MyMuesli sind echte Vorreiter.

Wer sind die Konkurrenten?

Bisher sind noch keine gesichtet worden. "Die Entwicklung zu hochwertigen Custom-Nahrungsmitteln in Bio-Qualität haben die großen Nahrungsmittelkonzerne bisher verschlafen"; meint Max. "Bestimmt wird es bald andere Firmen geben, die Custom-Nahrungsmittel anbieten, aber man sollte bedenken, dass der Aufwand für die Herstellung immens ist. Und da muss man sein eigenes Produkt schon lieben, wenn man sich so viel Arbeit macht."

Wenn Max von Bio-Fach-Messen erzählt, auf denen sie die Bio-Zutaten für MyMuesli kennen gelernt haben, von Verpackungs-Messen, auf denen sie die ideale Müsli-Verpackung gesucht und gefunden haben und vom ersten Blogger-Müsli-Fan-Video dann merkt man eins: Diese Jungs lieben ihr Produkt, auch wenn sie nicht unbedingt wie typische Öko-Nahrungsmittel-Hersteller aussehen.

Wie geht’s weiter?

Gerade erst haben die drei angefangen, Geschenkgutscheine anzubieten. Als nächste Entwicklungen stehen für MyMuesli an: Die Organisation des Versand in die Schweiz und nach Österreich sowie ein Nährwertrechner, damit man weiß, wie gehaltvoll der eigene Müsli-Mix ungefähr ist.
"Danach können wir vielleicht noch weitere Länder aufnehmen, mehr verkaufen und größere Märkte erschließen", sagt Max. "Aber bis zum Müsli-Millionär ist es noch ein sehr, sehr weiter Weg."



Mehr dazu:


fudder-Serie: Das deutsche Web.2.0