Das deutsche Web 2.0 (13): MyVideo.de

Christoph Müller-Stoffels

Der Inbegriff für Videoportale ist YouTube, wie Tempo es für Taschentücher ist. Trotzdem gibt es hier wie dort auch andere Anbieter. Deutschlands erfolgreichster Vertreter (bei den Videoportalen, nicht bei den Taschentüchern) ist MyVideo.de. Wir haben nachgefragt, wer dahinter steckt und wie sich das Unternehmen gegen die Konkurrenz behaupten will.

  

Was ist MyVideo?

MyVideo ist die nach - eigenen Angaben - größte Video-Community aus Deutschland. Nutzer können über 5,3 Millionen Clips schauen, kommentieren, bewerten und weiterleiten und dort ihre eigenen Videos kostenlos hochladen und an ihre Freunde und Bekannte weiterversenden.

Was bringt mir MyVideo?

MyVideo verfügt mittlerweile über 13.000 Musik-Videos mit allen nationalen und internationalen Top Stars. Die Video-on-Demand-Community bietet einen großen Bereich an professionellen Inhalten, wie Popstars, Germany's Next Topmodel, Extreme Sport Clips und vielen weiteren aus diversen Genres. Als Teil der ProSiebenSat.1-Gruppe kooperiert MyVideo mit der gesamten Sendergruppe beim Einkauf von Inhalten, wenn es um Themen wie "Made for New Media" geht auch bei Produktionen. So will MyVideo mit professionellen Inhalten gegenüber der Konkurrenz punkten. Die Möglichkeit, eigene Videos hoch zu laden, ist nichtsdestotrotz gegeben.

Wer steckt hinter MyVideo?


MyVideo wurde im April 2006 von Anca-Alina Seghedi (Bild rechts) gegründet, die immer noch Geschäftsführerin der MyVideo Broadband ist. In Deutschland wird MyVideo von der Magic Internet GmbH vertreten. Deren Geschäftsführer Christian Vollmann, einst bei Jamba! beschäftigt, teilte damals nur mit, dass neben der ProSiebenSat.1-Gruppe ein so genannter "Business Angel" hinter dem Unternehmen stehe. Wie recht bald vom Focus recherchiert wurde, handelte es sich dabei um die Samwer-Brüder, die bereits ebay nach Deutschland brachten und die Welt mit StudiVZ und Jamba!  beglückten.

Geschäftsführer Vollmann wurde inzwischen von Manuel Uhlitzsch und Frank Biedka abgelöst. Eigentümer ist die SevenOne Intermedia GmbH, eine Tochter der ProSiebenSat.1-Gruppe. Neuer Geschäftsführer von SevenOne ist Matthias Falkenberg. Der eigentliche Firmensitz liegt übrigens immer noch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, wo Seghedi herkommt. Die Medienpiraten mutmaßen, dass das auch mit dem überaus strickten deutschen Urheberrecht zu tun haben könnte.

Wie erfolgreich ist MyVideo?

Wie erfolgreich kann man sein, wenn man gegen eine Google-Tochter konkurrieren muss? Nach YouTube ist MyVideo mit Abstand das größte deutschsprachige Videoportal. Mit 7,35 Millionen Unique Usern und 550 Millionen PIs rangiert es ständig unter den Top 15 der deutschen Portale. Sie beabsichtigen, das größte Video-Musik-Portal in Deutschland zu werden und können alleine in diesem Bereich aktuell über 200 Millionen Views aufweisen.



Wie verdient MyVideo Geld?

Dazu Dominic Hesse, Leiter Marketing und Kommunikation der Magic Internet GmbH: "MyVideo finanziert sich unter anderem durch Werbevermarktung, wie Display-Werbung, In-Video-Advertising (Pre-, Midd-, Postroll) und innovativen Content Sponsorings (GNTM, The Flat u.v.m.)."

Wer sind die Vorbilder?

Zwar meint Hesse, dass es keine wirklichen Vorbilder gäbe, "da wir vieles anders machen. Da ein Video-Portal an sich nichts Neues ist, ist MyVideo ideologisch auch nicht auf YouTube begründet." Trotzdem dürften andere Anbieter, allen voran YouTube, hier durchaus eine Rolle spielen, wenn nicht so sehr inhaltlich, so doch, was den Erfolg angeht. Nur wird da mittelfrsitig schwer heranzukommen sein.

Wer sind die Konkurrenten?

YouTube, Clipfish, Sevenload, Dailymotion – die Reihe der (deutschen) Videoportale wird nicht kürzer, und das, obwohl YouTube seine Konkurrenten samt und sonders in die Tasche steckt. 1,3 Milliarden Abrufe bei YouTube Deutschland stehen 191 Millionen bei allen Konkurrenten zusammen gegenüber, wie Bitcom berichtet.

Trotzdem steht MyVideo mit 50 Millionen Abrufen noch ziemlich gut da, wie auch Hesse betont: "Wir haben die größte, deutschsprachige Video-Community mit einen hohen Anteil an professionellem, deutschsprachigem Content. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den größten Major Labels und vielen qualitativ hochwertigen Senderinhalten der ProSiebenSat.1-Gruppe, sowie einem neuen Online Musik-TV heben wir uns deutlich von anderen Videoportalen ab."

Was gibt es zu kritisieren?

Man muss es nicht kritisieren, aber berechtigt scheint die Frage schon, warum die großen Sender (hier ProSiebenSat.1 mit MyVideo, dort RTL mit Clipfish) ihre eigenen Videoportale betreiben und dann auch noch die Inhalte hierhin und dorthin verstreuen, wie Gugelproductions darlegt. Zwar sei die Taktik, die User auf freien Sites anzuteasen, um sie dann auf kostenpflichtige Sites zu lenken, nachvollziehbar, doch entstehe durch die Verteilung der verschiedenen Inhalte eine "unsinnige Fragmentierung des Marktes". Mittelfristig wird sich so keine ernstzunehmende deutsche Konkurrenz zu YouTube etablieren können, zumal das ZDF nicht der einzige Sender bleiben wird, der seine Inhalte auf YouTube lagert.

Wie geht es weiter mit MyVideo? Und wie sieht das Web in zehn Jahren aus?

Auch wenn mancher Blogger den YouTube-Konkurrenten für 2009 "ein sehr schweres Jahr" prognostiziert, geht MyVideo dieses optimistisch an. Der professionelle Content soll mit großen Formaten massiv ausgebaut werden, und auch eine russische Version ist geplant. Es wäre die neunte regionale Version.

Hesse sieht MyVideo in der Zukunft "als größten deutschsprachigen Online Media Hub, der die besten Videos aus den Bereichen Entertainment, Sport, Musik, Film und User-generated für den User jederzeit und überall zur Verfügung stellt. In der digitalen Welt wird in 10 Jahren jegliches Endgerät mit dem Internet verschmolzen und die Frage nach DVBT, DVD oder Bluray dann obsolet sein."