Das deutsche Web 2.0 (12): MisterWong.de

Christoph Müller-Stoffels

Social Bookmarking ist das Zauberwort für den Versuch, die Linkflut im Web einigermaßen in den Griff zu bekommen. Denn nur mit gelben Klebezetteln auf dem Monitor verliert man schnell den Überblick. In der heutigen Folge unserer Web 2.0-Serie stellen wir mit Mister Wong den bekanntesten deutschen Vertreter dieser Serviceanbieter vor und beantworten die Frage, ob es auch eine Mrs. Wong gibt.



Was ist Mister Wong?

Mister Wong ist ein Social Bookmarking-Service: User speichern dort die Websites, die sie besuchen, und versehen sie mit Schlagwörtern. Mister Wong sieht sich gerne als Alternative zu Google, denn durch die von den Usern vergebenen Tags und deren Favoriten können teils andere und unter Umständen bessere Ergebnisse erzielt werden als beim Suchmaschinengiganten.

Was bringt mir Mister Wong?

Der User kann mit Mister Wong versuchen, Herr der endlosen Flut von Web-Lesezeichen zu werden. Er kann diese ordnen, katalogisieren und mit anderen teilen. Außerdem kann er, und hier besteht sicherlich einer der größten Vorteile von Mister Wong, diese von jedem ans Internet angeschlossenem Computer der Welt abrufen. Auch das Ordnungssystem mit Tags ist ein nicht von der Hand zu weisender Vorteil.

Wer den Service nutzen möchte, muss sich anmelden und kann dann die Bookmarks aus seinem Browser importieren. Zumindest ist das so gedacht. Eine Mister Wong-Toolbar soll es erleichtern die Lesezeichen hinzuzufügen und zu verwalten.

Wer steckt hinter Mister Wong?


Hinter Mister Wong steckt construktiv GmbH, eine "Agentur für Online+Print+PR" mit den Standorten Bremen und Berlin. Deren Geschäftsführer Kai Tietjen (Bild rechts) ist auch Gründer und CEO von Mister Wong. Gegründet wurde Mister Wong im März 2006. Der Name soll dabei auf einen asiatischen Freund von Tietjen zurückgehen, der so oder so ähnlich hieß. Jedenfalls sagt das die Legende.

Wie erfolgreich ist Mister Wong?

Inzwischen ist Mister Wong ziemlich erfolgreich. Der Service arbeitet international mit Versionen auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Chinesisch und Russisch. Die Zugriffszahlen können sich sehen lassen. "Nach dem aktuellen AGOF-Ranking hat Mister Wong zurzeit 2,55 Millionen Unique User im Monat," so Pressesprecherin Petra Neye nicht ohne Stolz, "das sind mehr als etwa Sat1.de oder Computerbild haben."



Wie verdient Mister Wong Geld?

Das Portal finanziert sich über Werbung (Bannerwerbung, Textanzeigen, Sponsored Bookmarks, Aktionen/Kooperationen oder Video-Ads) und Licensing, was bedeutet, dass die Wong-Technologie als interne Lösung an Unternehmen verkauft wird.

Wer sind die Vorbilder?

Das Prinzip des Social Bookmarking hat Joshua Schachter entwickelt, der es mit Delicious (früher del.icio.us) auch gleich zur Anwendung brachte. Folglich ist hier sicherlich auch das große Vorbild zu sehen.

Allerdings will sich Mister Wong nicht einfach als Delicious-Kopie sehen. "In welcher Welt würden wir leben, wenn es von allem nur eins gibt?", fragt Neye. "Unser Ansatz war nicht: Wir kopieren Delicious, sondern wir finden Social Bookmarking gut und entwickeln unseren eigenen Ansatz. Mittlerweile sind wir sogar größer als Delicious in Deutschland."

Wer sind die Konkurrenten?

Delicious, klar. Vorbilder werden ab einer gewissen Große immer zu Konkurrenten. Andere Anbieter sind Oneview, Stumbleupon oder LinkArena. Etwas weiter gefasst gehören auch Digg, YiGG und dergleichen zu den Konkurrenten, auch wenn die etwas anders funktionieren.

Irgendwelche Skandale?

Klar, die gehören dazu. Das alte Logo von Mister Wong war ein kahler Asiate mit Birnenkopf. Kein schlimmes Bild, einfach das Spiel mit Stereotypen. Nur sahen das manche amerikanischen Blogger nicht so und verdächtigten Mitte 2007 den deutschen Service des Rassismus. Gründer Tietjen musste sich entschuldigen, das Logo wurde geändert.



Wie geht es weiter mit Mister Wong? Und wie sieht das Web in zehn Jahren aus?

Eine weitere Internationalisierung ist vorerst nicht geplant, dafür sollen die Features für die User ausgebaut werden. Und in zehn Jahren? Petra Neye wagt einen Ausblick: "Vielleicht sind wir dann beim Web 4.0 angelangt, haben in jeder Tasche einen Flatscreen-Fernseher mit eingebautem High-Speed-Internet und Digitalkamera-Telefon, kommunizieren nur noch über unsere High-Tech-Gedgets und Internet Communities und haben alle eckige Augen. Oder der Trend kehrt sich um und alles entschleunigt sich und wird bio."

Was fehlt noch?

Eine immer wieder gestellte Frage sollte nicht unbeantwortete bleiben: Nein, es gibt keine Mrs. Wong. Als FAQ Nummer 75 begründet das Mister Wong so: "Mister Wong ist so mit Euren Lesezeichen beschäftigt, dass ihm die Zeit dafür fehlt." Dafür gibt es Mister Wong im Englischen auch in Verbform: to wong. Na dann, wong the web!

Mehr dazu:

Web: Mister Wong

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