Das deutsche Web 2.0 (11): Brands4Friends.de

Christoph Müller-Stoffels

Markenware zu Freundschaftspreisen verspricht Brands4Friends an seine User zu bringen. Wie das funktionieren soll, ob es klappt und wer dahintersteckt, verraten wir in der neuen Web-2.0-Folge. fudder über ein spannendes Geschäftsmodell mit beeindruckendem Wachstum. Und ihr könnt den Service, den nur eingeladene User nutzen können, ausprobieren.

   

Was ist Brands4Friends?

Brand4Friends ist ein Shopping-Club, der seinen Mitgliedern in fast täglich wechselnden Aktionen hochwertige Artikel zu geringen Preisen anbietet – nur, solange der Vorrat reicht.

Dabei ist die Bandbreite ziemlich groß und reicht von hippen Streetwear-Marken wie Converse, Puma, Levis oder Mahagony bis zu Designerware von Calvin Klein, Dolce & Gabana, Gucci oder Armani.

Im vergangenen Jahr wurden in etwa 360 Verkaufsaktionen Produkte von über 250 Herstellern an die Kunden gebracht.

Was bringt mir Brands4Friends?

Mit etwas Glück kann man bei Brands4Friends wirkliche Schnäppchen machen. Je nach Aktion werden Designerklamotten mit einem Preisnachlass von 50-70 Prozent verkauft. Allerdings dauert es dann zwei bis vier Wochen, bis man die Ware tatsächlich hat.

Da Brands4Friends ein Shopping-Club ist, muss man eingeladen werden. Dadurch umgibt sich die Firma mit dem Schleier der Exklusivität, was sicherlich in der Vergangenheit viele User angezogen hat. Allerdings findet man inzwischen an jeder Ecke eine Einladung, was natürlich auch im Sinne des Unternehmens ist, denn wer etwas verkaufen möchte, braucht schließlich auch Käufer.

Allerdings ist das Mitgliedschaftssystem auch Bedingung der Hersteller, die so sicherstellen möchten, dass nicht irgendjemand große Mengen der günstigen Ware kauft, um sie dann selbst wieder teurer bei eBay anzubieten. Jeder Käufer bekommt nur ein Stück von einem bestimmten Artikel.



Wer steckt hinter Brands4Friends?

Gegründet wurde Brands4Friends 2007 von Christian Heitmeyer (Bild oben links, CEO; ehemals Vorstand der Delsey Group) und Constantin Bisanz (Bild oben rechts, Geschäftsführer; ehemals Gründer und CEO von Truckscout24.com). Mitgründer sind Nicolas Speeck, früher Marketingleiter bei ProMarkt Online und Electronicscout24, und Mario Zimmermann, der von Spreadshirts Business Developement kam. Der ehemals bei der Boston Consulting Group tätige Kai Phillip Schoppen ist COO, der Einkauf wird von Diana Trienekens geleitet, die früher Zentraleinkäuferin bei Peek&Cloppenburg war.

Wie erfolgreich ist Brands4Friends?

Ziemlich erfolgreich, schaut man sich die neusten Geschäftszahlen an. Trotz Finanzkrise ist es dem Unternehmen gelungen, im November in einer weiteren Finanzierungsrunde 10 Millionen Euro zusammen zu tragen. In den 16 Monaten des Bestehens sammelten sich 1,5 Millionen Club-Mitglieder und der Umsatz lag im ersten Geschäftsjahr 2008 bei 25 Millionen Euro.

Im Januar 2009 gelang auch der Umsatz-Rekord mit einem Tagesumsatz von 500.000 Euro, täglich kommen bis zu 10.000 neue Mitglieder hinzu. Damit zählt Brands4Friends zu den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Communities weltweit. Mit 25.000 verkauften Artikeln stellte Brands4Friends zudem eine neue Tages-Bestmarke an verkauften Stückzahlen auf.

Wie verdient Brands4Friends Geld?

Brands4Friends nimmt mit einem Hersteller Kontakt auf und startet eine Aktion, bei der die Ware an den Mann oder die Frau gebracht wird (die Geschlechterverteilung der Mitglieder mit 40 Prozent Männern und 60 Prozent Frauen ist erstaunlich ausgeglichen). Die Aktionen dauern in der Regel drei Tage. Nach deren Beendigung wird dem Hersteller die von den Kunden georderte Stückzahl mitgeteilt. Trifft die Ware ein, wird sie geprüft und an die Kunden verschickt, weshalb dieser Vorgang zuweilen etwas dauern kann.

Bei den Produkten handelt es sich in erster Linie um Überproduktionen und 'Off Season'-Ware. Da gerade in der Modebranche mindestens zweimal jährlich eine neue Kollektion auf den Markt geworfen wird, bauen Brands4Friends für die Hersteller Überkapazitäten ab. Zumindest war das die Anfangsidee. Inzwischen werden auch Sonderkollektionen angeboten.



Wer sind die Vorbilder?

Das Konzept, dem sich Brands4Friends verschrieben hat, ist nicht neu. Das französische Unternehmen Vente Privee etwa gibt es bereits seit 2001. Vente Privee  oder auch Private Oulet, die sich "The first European private shopping club" nennen, dürften zu den Vorbildern zählen, zumal diese bereits die Expansion ins europäische Ausland geschafft haben.

Wer sind die Konkurrenten?

Auch hier reihen sich Vente Privee und Private Outlet ein, wobei diese Konkurrenz noch stärker werden wird, wenn sich Brands4Friends dem europäischen Markt zuwendet. Andere Wettbewerber sind BuyVIP, 4Clever, Label Park, VIP-Trends, Trip Hunter (für Reisen)  oder Limango (für junge Familien). In Deutschland ist Brands4Friends unter den kostenlosen Shopping-Clubs allerdings führend.

Wo hakt es noch?

Die Lieferzeiten scheinen zuweilen ein Problem zu sein, wie manche User auf Ciao melden. So wartete ein User nach knapp sechs Wochen immer noch auf die Bestellung. Andere hingegen zeigen sich begeistert. Einmal kam es auch zu einem kleinen Skandal, als Brands4Friends über einen Zwischenhändler gefälschte Ware bezog. Das Unternehmen musste sich entschuldigen und die Ware zurücknehmen.



Wie geht es weiter mit Brands4Friends?

Ziel ist natürlich, die Position als Platzhirsch auszubauen. Hatten Heitmeyer und Bisanz zur Gründung noch betont, den Blick auf den deutschen Markt richten zu wollen, lässt die überaus erfolgreiche Finanzierungsrunde die nächsten Schritte erahnen. Zwar bestätigt Pressechefin Claudia Gellrich die Internationalisierungspläne, will aber keine weiteren Aussagen dazu machen.

Kurzfristiges Ziel für 2009 ist, den Umsatz auf 85 Millionen Euro zu erhöhen und somit mehr als zu verdreifachen. Außerdem, so Heitmeyer, will Brands4Friends "spätestens im zweiten Halbjahr 2009 die Gewinnschwelle erreichen."

Brands4Friends ausprobieren?

Für alle fudder-User, die Brands4Friends kostenlos ausprobieren oder dauerhaft nutzen möchte, hat das Unternehmen einen Link geschaltet, der die Einladung ersetzt: fudder.brands4friends.de.

Mehr dazu:

Web: Brands4Friends

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