Das deutsche Web 2.0 (10): Spreadshirt.net

Christoph Müller-Stoffels

All wisdom is found on t-shirts. Für die Jubiläums-Folge unserer Web 2.0-Serie haben wir ein echtes Schwergewicht unter die Lupe genommen. Gemäß dem Motto, dass Weisheit nicht von Bekleidung zu trennen ist, bedruckt Spreadshirt Textilien mit fast allem, was sich in Worte und Motive fassen lässt. fudder über ein ehemals "unrealistisches Geschäftsmodell".

 

Was ist Spreadshirt?


Spreadshirt ist eine Online-Plattform für kreative Bekleidungsgestaltung. Gemäß der Losung "Viele Menschen haben Ideen – viele davon passen auf ein T-Shirt" kann man sich bei Spreadshirt seine T-Shirts, Pullover, Jacken, Unterwäsche und anderes selbst gestalten. Über 100 verschiedene Kleidungsstücke warten darauf, mit den Eingebungen der Kunden bedruckt zu werden.

Was bringt mir Spreadshirt?

Spreadshirt lässt sich auf verschiedene Arten nutzen. Einerseits kann man sich Klamotten mit den bereits vorhandenen Motiven und Texten bedrucken lassen. Dafür hat das Unternehmen ein Designer-Netzwerk aufgebaut, das sich um kreativen Input kümmert. Die Künstler profitieren über ein Provisionssystem davon.

Wer selbst kreativ Hand anlegen möchte, kann das bei Spreadshirt auch, indem er sehr einfach die verschiedenen Kleidungsstücke nach dem eigenen Geschmack bestücken, von Spreadshirt produzieren und sich schicken lassen kann.

Und schließlich kann man via Spreadshirt seinen eigenen Web-Shop eröffnen und so die selbst designten Produkte durch das Unternehmen an den Mann (oder die Frau) bringen lassen. Von diesem Angebot machen mittlerweile über 400.000 Privatleute und Promis, Firmen und Vereine, Künstler und Blogger Gebrauch. Das geht von Max Goldt (Rumpfkluft auf Katz und Goldt) über Reporter ohne Grenzen bis zu CNN.

Wer steckt hinter Spreadshirt?

Der geistige Vater von Spreadshirt ist Lukasz Gadowski (Bild links), der die Idee bereits seit 2001 mit sich herumtrug. Allerdings wurde das Modell damals noch bei einem Businessplan-Wettbewerb als "unrealistisches Geschäftsmodell" eingestuft. Er ließ sich aber nicht davon abbringen und gründete 2002 zusammen mit Matthias Spiess Spreadshirt, wobei die beiden das Ziel verfolgten, keinen Web-Shop, sondern eine Plattform zu schaffen.

Inzwischen setzt sich das Management-Team aus Jana Eggers (CEO), Matthias Spiess (CTO) und Andreas Schröteler (CFO) zusammen. Gadowski ist seit Anfang 2008 Vorsitzender des Aufsichtsrates, in dem auch Rezzo Schlauch sitzt, und widmet sich verstärkt seinen Leidenschaften: Investments und Gründungen.

Wie erfolgreich ist Spreadshirt?

Spreadshirt ist in den vergangenen Jahren schnell und stark gewachsen. 2006 war das Unternehmen auf Platz 5 bei den wachstumsstärksten Mittelständlern in Europa. Seit 2007 richtet Spreadshirt den Fokus auf Bekleidung und beschäftigt mittlerweile weltweit über 300 Menschen in Leipzig, Berlin, Paris, London, Utrecht, Boston, Greensburg (USA) und Legnica (PL).

Wie verdient Spreadshirt Geld?

Einerseits übernimmt Spreadshirt für die Shop-Betreiber Einkauf, Lagerung, Herstellung, Versand, Bezahlmodalitäten und Kundenservice, wofür sie sich an den Verkäufen anteilig entlohnen lassen, andererseits betreibt das Unternehmen natürlich auch noch seinen eigenen Web-Shop.



Wer sind die Vorbilder?

Natürlich fällt einem da sofort das amerikanische Unternehmen Cafepress ein, das bereits 1999 gegründet wurde. Allerdings versichert Spreadshirt-Pressesprecherin Eike Sievert, dass Lukasz Gandowski Cafepress noch nicht kannte, als er Spreadshirt erdachte. "Ein Vorbild war dabei eher Amazon und dessen Partnerprogramme."

Wer sind die Konkurrenten?

Hier lässt sich Cafepress nicht mehr wegdiskutieren, auch wenn Spreadshirt in Europa führend ist. Mit Zazzle (USA) und Shirtinator und Shirtcity für Deutschland kommen noch ein paar andere Wettbewerber hinzu. Kein Wettbewerber ist laFraise. Sievert dazu: "laFraise ist unser kontinuierlicher T-Shirt-Design-Wettbewerb, der größte in Europa. Der Online-Wettbewerb ergänzt Spreadshirts Produktangebot perfekt und gehört seit 2006 mit dazu."

Gab es in den vergangenen Jahren ein Motiv, das besonders polarisiert hat?

Natürlich kommen bei der Masse an Input aus verschiedensten Richtungen immer wieder diskussionswürdige Inhalte zusammen. "Sehr spannend und zunächst äußerst kontrovers wurde das Motiv 'Stasi 2.0' diskutiert", erinnert sich Sievert und verweist auf den Blog und eine Pressemeldung von 2007.

"Aber eigentlich muss ich gar nicht soweit zurückschauen, denn erst kürzlich haben wir unsere Unwort-des-Jahres-Kandidaten bei Spreadshirt gekürt, da sind aus dem vergangenen Jahr ein paar interessante Worte zusammengekommen."



Wie geht es weiter? Wo steht Spreadshirt in zehn Jahren?

Sievert: "Unser Ziel ist es, DIE Kreativplattform für Kleidung zu sein. Wenn Menschen an Online-Buchhändler denken, fällt ihnen Amazon ein. Wenn Menschen an Internet-Suche denken, fällt ihnen Google ein. Wenn Menschen an kreative Bekleidung denken, dann sollte ihnen in Zukunft stets Spreadshirt einfallen."

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