"Das Business hat uns ausgebrannt"

Sophie Guggenberger

Großes Dog-Eat-Dog-Interview: Die Jungs von Dog Eat Dog waren die Könige beim zehnten Regio Jam in Neuenburg. Kaum war das Hammer-Konzert von Dog Eat Dog vorbei, schnappte sich Sophie den schweißgebadeten Bandleader und Frontman John Connor und plauderte mit ihm über seine Karriere als SkateboardPro, über Claus Grabke, seine Leidenschaft für Snowboarding, über Fußball & Eishockey und über die “Jahre der Stille”.


Sprichst Du eigentlich Deutsch?

John Connor: Nein, nicht wirklich. Ich kann lediglich ein bisschen “Stage-German”, wie “Bier”, “Zugabe” oder “Dankeschön”. (lacht)

Woher kommt Ihr jetzt gerade, bevor Ihr hier auf dem Regio Jam in Neuenburg angekommen seid und wie geht’s danach weiter?

John Connor: Fast den gesamten Tag über fuhren wir gestern den ganzen langen Weg von Wien hierher und morgen früh fliegen wir für eine Woche kurz in die USA, um unsere Familien und Freunde zu besuchen. Anschließend kommen wir dann für den Rest des Sommers wieder zurück nach Europa.

Seid Ihr in Europa auf den ganzen Open-Air-Festivals dabei?

John Connor: Ja genau. Wir touren durch ganz Europa, sind unterwegs bei vielen Open-Air-Festivals und haben Auftritte in diversen Clubs. Beim Open-Air Frauenfeld wird unser neues Album offiziell released, daher sind wir schon gespannt auf diesen Termin.

Hast Du Dir bisher die Spiele der Fußball-WM angeschaut?

John Connor: Nur ein bisschen, da wir die meiste Zeit am Fahren waren.

Habt Ihr keinen TV im Tourbus?

John Connor: Wir waren diesmal nicht mit dem Bus unterwegs, da wir lediglich zwei Shows hatten. Wir sind mit dem Auto gekommen.

Interessierst Du Dich überhaupt für Fußball?

John Connor: Also ich bin schon ein bisschen interessiert. Ich bin zwar nicht der allergrößte Fan, das will ich jetzt gar nicht bestreiten, aber ich habe als Kind viel Fußball gespielt und bin damit aufgewachsen. Momentan interessiert es mich aber deutlich mehr, was da gerade bei der NHL mit den Eishockey Stanley-Cup-Finals los ist? (lacht) ? wenn ich ganz ehrlich bin!

Und ich dachte die Eishockey-Saison sei schon längst vorbei. Wer führt denn gerade beim Stanley Cup?

John Connor: Also es finden auf jeden Fall noch zwei weitere Spiele statt. Heute Nacht haben sie eins gespielt und wenn das Gastgeber-Team beim nächsten Spiel gewinnt, dann ist alles entschieden, denn im Moment führt Carolina bereits.

Was glaubst Du, wer die Fußball-WM 2006 gewinnt?

John Connor: Das weiß ich nicht genau. Als Amerikaner sollte ich ja eigentlich für unser Land sein. Meine Eltern kommen aus Irland, die sind ja aber leider nicht dabei. Also, ich denke, ich setzte auf das Gastgeberland Deutschland! Go Germany! (lacht) Viva la Deutsch!!

Was war eigentlich in den vergangenen “Jahren der Stille” mit Dog Eat Dog los?

John Connor: Das war wirklich eine lange Zeit. Zum einen hatte Dog Eat Dog Probleme mit dem Management, der Plattenfirma?das war ein Grund, warum wir verschwunden waren. Zum anderen haben wir auch einfach irgendwie eine Pause vom ganzen Business gebraucht. Manchmal musst Du einfach erst einmal etwas beenden, um dann zu sehen, ob Du es auch wirklich magst. Dieses Gefühl hatten wir damals. Wir waren so ausgebrannt vom Business und von dem enormen Stress, daß wir den Spaß an der ganzen Sache für uns erst wiederentdecken mussten. Und heute macht es uns wieder Spaß!

Ja, das haben wir alle vor einer Weile erleben dürfen?

John Connor: Ja, wirklich ich könnte das auch gar nicht mehr machen, wenn mein Herz nicht bei der Sache wäre. Ich will damit nicht sagen, daß meine Seele und Leidenschaft damals nicht mehr der Musik gehört hätten. Aber Musik zu machen benötigt wirklich unheimlich viel Energie, Hingabe und vollen Einsatz und bei uns gab es damals einige Dinge, die uns nicht erlaubten Musik auch wirklich richtig, konsequent mit Leib und Seele zu machen. Aber jetzt sind wir froh, wieder zurück zu sein!

Abschließend noch kurz was zum Skateboarding: Woher kennst Du eigentlich Claus Grabke?

John Connor: Ich kenne old-Claus Grabke schon sehr lange, denn als ich 1985 mit Skateboarding angefangen habe, war er ein Pro für Santa Cruz ? damals der einzige SkateboardPro aus Europa! Er ist also ein großer Pionier in meinen Augen. Persönlich kennen gelernt habe ich Claus 1996. Seine Band THUMB hat auch CrossOver gemacht und ein gemeinsamer Freund hat uns damals einander vorgestellt. Ich kannte Claus ja schon als jemanden, der eine wichtige Rolle in der Skateboard-Szene spielte. Mittlerweile sind wir jetzt schon fast über zehn Jahre befreundet, und vor einiger Zeit ergab sich dann eben die Möglichkeit gemeinsam mit Skateboard-Claus ein neues Album zu produzieren und wir haben es einfach gemacht! Er ist ein großartiger Kerl und ein guter Producer dazu.

Skatest Du noch viel?

John Connor: Ich würde nicht sagen oft, ich fahre manchmal mit meinen Freunden. Die meisten meiner Freunde leben aber ziemlich weit weg von D.C., wo ich lebe, also macht es mir einfach nicht immer so viel Spaß alleine Skateboarden zu gehen. Wenn mich meine Freunde besuchen kommen, gehen wir dann schon häufig Pool-Skateboarden, denn hier in D.C. gibt’s viele, sehr gute, öffentliche Skateparks. Aber hauptsächlich fahre ich mit meinem Longboard durch die Gegend, einfach so als Transportmittel, Old School-Skateboarding, mit meinem Hund vorne drauf. Ich genieße Skateboarding immer noch sehr, obwohl ich es leider nicht mehr so oft machen kann. Ich habe auch noch ein paar andere Hobbies. Ich spiele Eishockey, ich coache Eishockey, und die Musik nimmt eben einfach auch sehr viel Zeit in Anspruch, aber das ist alles gut so, wie es ist!

Ich habe gehört, daß Du Dich damals entscheiden musstest zwischen einem Leben als RockStar oder einem Leben als SkateboardPro. Was ist wahr an dem Gerücht?

John Connor: Ganz ehrlich, das ist alles nur Gerede. In Wahrheit bin ich unheimlich viel Snowboard gefahren, bevor wir unser erstes Album draußen hatten. Hauptsächlich Halfpipe und all so was. Also ich bin wirklich ein besserer Snowboarder als Skater ? und wenn schon, wäre ich wohl eher SnowboardPro und kein SkateboardPro geworden!