"Das Bachelor-Master System trägt zum Stress bei": Interview mit Psychotherapeutin Margarete Dietl

Johannes Tran

Studierende sind gestresster als Berufstätige, so das Ergebnis einer Studie der AOK. Auch in Freiburg haben Studierende Stress. Ihnen hilft Margarete Dietl, die in der psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks arbeitet.

fudder: Frau Dietl, sind Studierende in Freiburg gestresst?
Dietl: Rund 40 Prozent derjenigen, die sich bei uns beraten lassen, kommen wegen studienbezogener Probleme: Prüfungsangst, Arbeitsstörungen, Schwierigkeiten am Studienanfang. Das kann man sicherlich unter der Kategorie Stress führen. Im letzten Jahr waren das 292 Studierende.


fudder: Gibt es eine hohe Dunkelziffer?
Dietl: Wer zu uns kommt, weiß: Wir unterliegen der Schweigepflicht. Deshalb sind diejenigen recht offen, die sich bei uns beraten lassen. Aber ansonsten kann ich mir auch vorstellen, dass sich manche nicht trauen zuzugeben, dass sie ein Stressproblem haben.

fudder: Wie versuchen Sie, den Stress bei den Betroffenen zu mindern?
Dietl: Bevor wir Maßnahmen ergreifen, schauen zunächst, worauf der Stress zurückzuführen ist.

fudder: Und was wäre das?
Dietl: Häufig sind das äußere Faktoren, etwa: Ich schreibe bald zehn Klausuren und weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Andere hingegen sind sehr perfektionistisch.

fudder: Was tun Sie dann?
Dietl: Wir schauen oft aufs Zeitmanagement. Welche Lerntechniken nutzt die Person, macht sie regelmäßig Pausen? Oder wir versuchen, an der Einstellung zu arbeiten: Manche stellen sehr unrealistische Ansprüche an sich. Bei einigen reichen zwei Gespräche, bei schwereren Fällen empfehlen wir aber auch eine Psychotherapie.

fudder: Gibt es heute mehr gestresste Studierende als früher?
Dietl: Ich glaube, dass das Bachelor-Master-System zum Stress beiträgt. Wenn es keinen Puffer gibt, dann begünstigt das sicherlich Stress. Viele Bachelor-Studierende brauchen heute eine bestimmte Note, um überhaupt einen Master-Studienplatz zu bekommen. Das war früher anders.
Jeden Mittwoch bietet die psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks, Schreiberstraße 12, eine offene Sprechstunde an: Ein Termin ist nicht erforderlich, die Sprechstunde geht von 13 bis 14 Uhr.