Das Art-Garfunkel-Bücher-Orakel

Christoph Müller-Stoffels

Eigentlich müsste man, so meinte kürzlich ein Freund, über alle Bücher Rechenschaft ablegen, die man jemals gelesen habe. Der Musiker Art Garfunkel von "Simon and Garfunkel" tut das. Auf seiner Homepage listet er auf, wann er welches Buch gelesen hat. Und er hat viel gelesen. Willkommen zum Art-Garfunkel-Bücher-Orakel.



Die Zukunft ist ein Raum der Ungewissheit. Immer wieder träumen Menschen davon, etwas besser über sie bescheid zu wissen und befragen deshalb seit je her Orakel, um Licht in den dunklen Morgen zu bringen. Das Orakel von Delphi etwa wurde von allen befragt, die Rang und Namen hatten. Ödipus, Krösus, Alexander der Große. Es war ein wichtiger politischer Faktor im alten Griechenland. So weit ist es mit dem Art-Garfunkel-Bücher-Orakel nicht gekommen. Noch nicht.


Das Orakel zu bedienen ist ähnlich simpel, wie das bereits auf fudder vorgestellte Bravo-Cover-Orakel. Allerdings kommt dank den Lesegewohnheiten des Künstlers ein literarischer Anspruch hinzu. Man schaut nach, welches Buch Art Garfunkel zur Zeit des eigenen Geburtstags gelesen hat, woraus sich bestimmte Schlüsse ziehen lassen. Es leuchtet ein, dass John Miltons "Paradise Lost" etwas anderes über einen aussagt, als Yasuji Kirimuras "Fundamentals of Buddhism".

Das Prinzip soll mit Hilfe eines prominenten Freiburgers demonstriert werden. Allerdings stellt sich hier ein kleines Problem, denn Garfunkels Aufzeichnungen beginnen erst im Juni 1968. Dieter Salomon, Jahrgang 1960, fällt folglich aus dem Raster. Volker Finke sowieso. Nun haben wir ja neuerdings einen Popstar namens Bahar. Die Sängerin ist im Oktober 1988 zur Welt gekommen. Garfunkel las damals das 472. Buch, "Framley Parsonage" von Anthony Trollope. Es handelt von einem jungen, ambitionierten Pfarrer, Mark Robarts, der blauäugig einem skrupellosen Politiker einen großen Geldbetrag leiht. Der Politiker, der ihm vorher noch geholfen hatte, verschwendet nun keinen Gedanken mehr daran, das Geld zurück zu zahlen und Robarts muss sehen, wie er und seine Familie mit den Konsequenzen zurecht kommen.

Die Warnung des Orakels an Bahar ist deutlich: Lass dich nicht mit skrupellosen Geschäftemachern ein. Am Ende ziehst du den Kürzeren.

Garfunkel hat es inzwischen auf 980 Bücher gebracht. Die thematische Vielfalt ist solide. "Harry Potter und der Stein der Weisen", Jean-Jacques Rousseaus "Bekenntnisse", "The Da Vinci Code", die Bibel, alles dabei. Auch deshalb eignet sich die Sammlung zum orkalen.

Zum Beispiel für fudder selbst. Garfunkel las im Januar 2006 W. Somerset Maughams "Der Menschen Hörigkeit". Nun stehen wir vor einem Rätsel. Was sagt das über fudder aus? Kann uns jemand helfen? Hier geht's zu Art Garfunkels Bücher-Orakel.