Darum hängen im Sedan Café Kopfhörer an der Wand

Alexander Ochs

Das Sedan ist für viele ein Hipster-Hotspot, für andere ist es ein gemütlicher Zufluchtsort, minimal abseits des Innenstadtrummels. Seit einiger Zeit hängen dort allerdings Kopfhörer von den Wänden. Warum eigentlich?

Kommt man ins Sedan-Café , sticht es einem direkt ins Auge: An den Wänden hängt etwas, das da eigentlich nicht hingehört. Kleine Bilder. Und mittelgroße Kopfhörer. Zehn Paare insgesamt. Dahinter steckt ein Künstlerduo aus Freiburg: Kathrin Schmider und Christian Drüke.


Für die Bilder ist Kathrin Schmider zuständig: Sie hat kleinformatige, zarte Aquarelle auf Papier und Transparentpapier hingehaucht, zum Teil ausgeschnitten und collagiert. Die Figuren erinnern an Steine, Köpfe oder auch Blasen. Für die Kopfhörer und alles, was dahintersteckt, ist Christian Drüke verantwortlich. Ursprünglich hatte er Mp3-Player per Magnet an die Wände gepinnt, aber nach kurzer Zeit gaben die Dinger ihren Geist auf.

Experimentelles schallt aus den Kopfhörern

Schließlich hat ohnehin jeder sein Smartphone dabei, dachte er sich. Also hängte er stattdessen Kopfhörer hin, garniert mit einem QR-Code. Hinter den Codes verbergen sich Musikdateien. Scannt man den Code und stöpselt die Earphones ins Handy, so hört man kein Lied im engen Sinne, sondern eher Töne, Tonfolgen, Musik. Experimentelles. "Die Kopfhörer geben immer noch ein sehr schönes Bild", findet Christian. Und wie klingen die Bilder?, fragt man sich da. Auf dass einem eventuell Hören und Sehen vergeht? "Was man da hört, sind Elemente aus meiner Musikerfahrungswelt", erklärt er, "ein Sammelsurium von Instrumenten und experimentellen Effekten."

"Die Liedtitel sind nicht zu sehen, und die Bilder tragen auch keine Titel", erläutert Kathrin. "Wir haben das bewusst offen gehalten." Die Beiden nennen es ein "Bild-Musik-Projekt". In der Einladung zur Vernissage hieß es in sympathischer Offenheit: "Bilder von Kathrin Schmider mit Musik von Christian Drüke. Oder andersrum."

Ein Dialog von Tönen und Stimmungen

Die Beiden sehen es eher als Dialog von Tönen und Stimmungen. Passen Bild und Ton zusammen? Sind die evozierten Stimmungen deckungsgleich? Oder ganz und gar nicht? Ist die Paarung stimmig? Soll man die Bilder so lange anschauen, bis der Song dazu fertig ist? Das sind mal zwei, drei Minuten, aber auch mal neun. Mal ist es ein graphisches Werk, mal sind es derer mehrere. Bewusst haben sie ihre Kunstwerke direkt an den Sitzgruppen im Café platziert. "Das soll ruhig für Gesprächsbedarf sorgen", meint Christian.

Er empfindet das Sedan "als besonderen Raum, wo wir was ausprobieren", fernab der Musealisierung im klassischen Kunstbetrieb. Kunst nicht nur zum Angucken, sondern auch zum Anfassen und Anhören. "Bei der Vernissage war eine Weile lang eine Stimmung hier im Raum", schwärmt Kathrin – "phänomenal", wirft er ein – "wo die Leute konzentriert zugehört und geguckt haben", vollendet sie den Satz. Bis Ende Januar könnt ihr euch die Sache noch anschauen und anhören.
Über die Künstlern
Kathrin Schmider, 40, und Christian Drüke, 36, haben zusammen gemeinsam Theaterprojekte durchgeführt und auch einen künstlerischen Hintergrund. Die Idee zu diesem Projekt kam Christian Drüke schon vor Jahren in seinem berufsbegleitenden Bildhauerstudium. Anfang 2016 hat er diese dann konkret werden lassen, angefixt von Kathrins grafischen Fertigkeiten. Sie hat zuletzt 8 Jahre lang intensiv Theater gemacht, vor allem Regiearbeit, und ist nun zu ihren malerischen Wurzeln zurückgekehrt.

Was: Ausstellung im Café Sedan
Wann: 8 bis 19 Uhr, noch bis Ende Januar 2017
Wo:Sedan Café, Sedanstraße 9