Darf man sich einen QR-Code auf den Grabstein meißeln lassen?

Martin Jost

Gerade war der Running Gag doch noch, dass QR-Codes völlig überflüssig sind. Auf einmal sollen sie so beliebt sein, dass Leute sie sich auf ihren Grabstein meißeln lassen? Jedenfalls beschäftigt die Frage den Deutschen Städtetag. Sind QR-Codes auf Grabsteinen in Freiburg ein Thema? Und worauf würdest du deine letzte Ruhestätte verlinken?



Wird auf deinem Grabstein ein QR-Code prangen? Oder nur eine altmodische Inschrift?  Alles ist möglich. Jedenfalls ist das Thema so aktuell, dass die Fachkommission „Friedhof und Stadtgrün“ des Deutschen Städtetags kürzlich eine Handlungsempfehlung an die Bürgermeister und Oberbürgermeisterinnen verschickte.


Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), notorischer Facebook-Heavy-User, veröffentlichte auf seinem Profil den Schnappschuss des Schreibens. In erster Linie wollte er sich wundern: „Öffentliche Verwaltung muss Dinge regeln, die recht skurril sind“, schrieb er unter das Foto. Die Facebook-Entsprechung eines lauten Kopfschüttelns. „Da entstehen Fragen, auf die wäre ich im Traum nicht gekommen.“

Wir auch nicht. Wir haben trotzdem mal bei Freiburgs Verwaltung nachgefragt: Sind QR-Codes auf Grabsteinen hier auch ein Thema? Warum sollte die Stadt sich überhaupt in etwas so Persönliches wie die Gestaltung von Grabmalen einmischen?

„Nach unserer städtischen Satzung müssen die Grabmale der Würde des Ortes entsprechen und sich in das Gesamtbild des Friedhofs einordnen“, sagt Martina Schickle, Pressesprecherin der Stadt Freiburg.

Dann dürften QR-Codes ja kein Problem sein. Bestehend aus schwarzen und weißen Kästchen, sind sie optisch nicht besonders aufreizend und können sogar unscheinbar klein sein. Also kein Grund zur Beanstandung, richtig?

QR-Codes bald auf dem Freiburger Hauptfriedhof

Richtig. Die Stadt überlegt sogar selbst, QR-Codes an Grabmalen anzubringen. Und zwar an den Gräbern verschiedener Prominenter, die in Freiburg ruhen. Ein QR-Code könnte zu einem Artikel auf der städtischen Website weiterleiten und so Hintergrundinformationen direkt aufs Handy-Display liefern. Vorteil gegenüber einer Gedenktafel: So ein Artikel ließe sich interaktiv gestalten und immer aktuell halten.

Martina Schickle nennt als Beispiel den auf dem Freiburger Hauptfriedhof beerdigten ehemaligen Reichskanzler Joseph Wirth. „Wir überlegen, ob der Code unauffällig an der Seite des Grabsteins angebracht werden kann. Das geht jedoch nicht ohne das Einverständnis des jeweiligen Nutzungsberechtigten.“ Es handle sich noch um sehr frühe Vorüberlegungen. „Wir gehen davon aus, dass solche Codes innerhalb der nächsten zwei Jahre auf dem Hauptfriedhof zu finden sind.“

Noch kein Thema sei in Freiburg dagegen der Wunsch Angehöriger oder die Verfügung Verstorbener, dass auf ihrem Grabstein ein QR-Code abgebildet werde. Der Stadt ist kein solches Grabmal bekannt.

Wenn sich jemand einen solchen Hyptertext-Grabstein wünscht, könne die Stadt es aber auch nicht verbieten, fasst Boris Palmer die Aussagen der Handreichung vom Städtetag zusammen: „Erstens zulassen, es besteht keine Versagungsoption; und zweitens sicherstellen, dass man nicht in Haftung gerät für die Inhalte, die da verlinkt sind…“

fudder-Debatte: Kommt auf dein Grab ein QR-Code?

Was denkst du? Willst du den Grabstein deiner Lieben vielleicht auf ein Online-Fotoalbum verlinken? Oder soll dein eigener mit nur elektronisch lesbaren letzten Worten beschriftet sein? In die Kommentare mit deinen noch nicht letzten Worten!

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[Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com / Montage: fudder.de]