Daniel Williams: Nicht ohne meine Mutter

David Weigend

Daniel Williams, 21-jähriger Freshman und Rechtsverteidiger beim SC Freiburg, erzählt in unserem Interview, wie wichtig seine Mutter für seine bisherige Karriere gewesen ist, warum er das Partymachen verschiebt und was sein Bruder mit Oliver Kahn zu tun hat.



Daniel, du bist in Karlsruhe geboren und aufgewachsen. Endlich mal wieder ein Badener beim Sportclub!

Ja, ich habe mit drei Jahren bei den KSC-Bambinis angefangen. Damals war noch Winnie Schäfer Trainer bei den Profis. Geboren bin ich in Durlach, aufgewachsen im Stadtteil Hagsfeld. Ich ging damals in eine Kooperationsschule vom KSC. Mit 15 wechselte ich aber schon ins Internat der Freiburger Fußballschule.

Wer waren deine ersten KSC-Idole?

Mit acht Jahren ging ich zu den Spielen von den Profis in den Wildpark. Die waren damals gerade in die zweite Liga abgestiegen. Thomas Häßler, Euro-Eddy Schmitt, Sean Dundee, zu denen habe ich immer aufgeschaut. Es war mein Traum, so zu werden wie sie.

Du hast mal erzählt, dass deine Mutter eine sehr wichtige Person für deine bisherige Karriere gewesen ist. Warum?

Bis ich nach Freiburg umzog, fuhr sie mich zu jedem Training und zu jedem Auswärtsspiel, sofern sie dafür Zeit hatte. Sie nahm sich oft frei, um mich zu Turnieren zu bringen, die irgendwo in Deutschland waren. Meine Mutter arbeitet in der Texterfassung bei der Sportredaktion von den Badischen Neuesten Nachrichten, im Schichtdienst. Sie hat sehr viel Zeit für mich geopfert, legte Schichten um, schaffte bis spät in die Puppen, um mich am nächsten Morgen irgendwo in Nordrhein-Westfalen zu einem Turnier bringen zu können. Sonntags um 5 Uhr weckte sie mich, dann stiegen wir ins Auto. Sie ist ein echtes Vorbild. Ohne sie wäre ich bestimmt nicht dort, wo ich jetzt stehe. Wenn’s geht, telefoniere ich mit ihr jeden Tag.



Hast du noch viele Freunde in Karlsruhe?

Klar, es gibt drei, vier Freunde, mit denen ich von klein auf zusammen war und die in meinem Stadtteil wohnen. Mit denen mache ich immer noch viel, wenn ich zu Besuch bin. Es gibt aber auch Leute, mit denen ich früher sehr eng befreundet war, die sich aber inzwischen in eine andere Richtung entwickelt haben. Eine Freundin zum Beispiel geht jedes Wochenende auf Partys und so. Das kann ich mir einfach nicht mehr leisten, schon seit der Zeit im Internat nicht. Wir hatten ja schon mit der B- und mit der A-Jugend sonntags immer Spiele.

Hast du das Partymachen nicht vermisst?

Nein. Mir war klar, dass ich für das Ziel, das ich vor Augen hatte, auf vieles verzichten muss. Lieber verzichte ich noch einige Jahre aufs Partymachen, dafür wird’s mir später mal besser gehen. Wenn ich Party mache, kann ich meine Leistung nicht mehr bringen. Bei meinem Bruder war das ein bisschen so. Der hatte auch großes Talent, den Fußball aber dann vernachlässigt. Für ihn hatte die Zeit mit der Freundin, Feiern und so weiter eben höhere Priorität. Er warnte mich davor, denn er wollte nicht, dass mir das gleiche passiert. „Danny, pass auf, zieh’ dein Ding durch, konzentrier’ dich! Du kannst später immer noch Spaß haben“, sagte er. Ich wusste schon, worauf ich mich da einlasse.

Wie heißt dein Bruder?

Michael Traut, eigentlich ist es mein Halbbruder. Er ist 20 Jahre älter und hat einen anderen Vater. Michael spielte früher auch beim KSC, in der Jugend, zusammen mit Oliver Kahn. Er war Libero.

Wo wohnst du jetzt?

In Haslach.

Wirst du eher gegrüßt, seit du bei den Profis spielst?

Ja, ich werde schon öfters mal angesprochen. Das ist natürlich auch ein schönes Gefühl. Als ich mein erstes Spiel mit den Profis gegen Stuttgart hatte, haben meine Nachbarn ein Bild von mir aus dem Internet ausgedruckt, mit Glückwünschen versehen und mir an die Tür geklebt. Sowas macht schon auch stolz. Aber meine Persönlichkeit hat sich durch diesen Schritt nicht verändert. Ich bin immer noch der Gleiche. Ich finde diese Leute komisch, die abheben und auf dicke Hose machen, bloß, weil sie als Fußballspieler ein bisschen mehr in der Öffentlichkeit stehen.



Das Spiel bei Bayern München war zwiespältig: Respektabel gekämpft, trotzdem verloren. Wie hast du dich gefühlt nach Abpfiff?

Die Enttäuschung überwog. Jeder hat gesehen, dass für uns was drin war. Bis zur 60. Minute haben wir sehr gut gespielt. Dann dieser unberechtigte Freistoß. Bayern-Dusel. Wenn dann Robben kommt und sich den Ball aus 17 Metern vorlegen darf, ist das eine hochwertige Torchance. Ärgerlich: gegen Hannover und Frankfurt wurden auch solche unberechtigten Freistöße gegen uns gepfiffen. Das hat uns Punkte gekostet, die wir bitter nötig haben.

Du bist in der 75. Minute eingewechselt worden für Mensur Mujdza. In der 76. Minute fiel der Ausgleich durch Robbens Freistoßtor.

Ja, ich kam auf die rechte Abwehrseite und spielte gegen Olic. Ich musste beim Warmmachen meinen Puls richtig hochfahren, denn die Bayern haben in dieser Phase brutal Druck gemacht.

Hast du mit Olic das Trikot getauscht?

Nein. Wir sind ja nicht als Touristen nach München gefahren. Wir wollten keine Trikots tauschen, sondern punkten. An Trikottausch hat nach dieser bitteren Niederlage keiner von uns gedacht.

Eure Leistung in München war um Längen besser als beim Hannoverspiel. Wie habt ihr in der Woche den Kopf wieder frei bekommen?

Das hat gleich nach dem Spiel begonnen. Heiko (Butscher, Kapitän, Anm. d. Red.) ging zu jedem Spieler und hat ihm gesagt: „Jetzt erst recht! Wir zeigen jedem, dass wir die Klasse halten wollen. Wir haben die Qualität dazu.“ Es sind noch acht Spiele. Wenn man die vergangenen Jahre in der Bundesliga verfolgt hat, weiß man, dass gerade in den letzten acht Partien noch vieles passiert.

Zum Beispiel?

Als Wolfsburg vergangenes Jahr Deutscher Meister wurde, kamen sie erst zu dieser Zeit aus dem Mittelfeld in der Tabelle nach vorn. Auch Cottbus ist es damals gelungen, die Relegation zu erreichen.

Seit zwölf Spielen seid ihr sieglos. Der Druck wird immer höher. Wie groß ist die Angst, dass sich morgen das „Hertha-Debakel“ wiederholt?

Das Herthaspiel war eines der schlechtesten der bisherigen Saison. Aber wir denken da gar nicht dran, dass uns gegen Mainz noch mal so was passieren könnte. Das wäre der falsche Ansatz. Denn dann würden wir mit Angst ins Spiel gehen. Wenn man Angst hat, Fehler zu machen, geht es sowieso nach hinten los.



Du wurdest von Robin Dutt von Anfang an als rechter Verteidiger eingesetzt, obwohl du eigentlich ein defensiver Mittelfeldspieler bist. Wurmt dich das nicht?

Klar, das defensive Mittelfeld ist meine Lieblingsposition. Aber ich bin froh, dass mich der Trainer überhaupt spielen lässt und mir die Chance gibt. Da ist es mir relativ egal, ob das im Sturm ist oder rechts hinten. Ich muss eben dem Trainer zeigen, dass ich in der Lage bin, meine Konkurrenten auf dieser Position zu verdrängen.

Dein Konkurrent und Kollege Mensur Mujdza und du habt hintereinander gegen Olic gespielt. Habt ihr euch nach dem Spiel darüber unterhalten, wie das für euch war?

Nach dem Spiel weniger, aber davor haben wir darüber geredet. Natürlich wünschte ich ihm auch viel Glück und ein gutes Spiel. Die Mannschaft steht im Vordergrund, nicht der Einzelne. Es ist doch nur gut für uns, wenn wir die Klasse halten. Egal, wer spielt.

[Fotos: dpa, Weigend]

Mehr dazu:

Was: SC Freiburg gegen Mainz 05
Wann: Morgen, Samstag, 20. März 2010, 15.30 Uhr
Wo: Dreisamstadion