Daniel Caligiuri: "Mit Schönspielen schaffen wir keinen Klassenerhalt"

David Weigend

Der Zeitpunkt, an dem Daniel Caligiuri ins Haifischbecken Bundesliga geworfen worden ist, könnte schwieriger nicht sein: Der SC Freiburg steht mitten im Abstiegskampf. Der 22-jährige Newcomer über seine deutsch-italienischen Wurzeln, Ultras und das Spiel am Sonntag beim Tabellenführer Leverkusen.



Daniel, alles Gute nachträglich zum Geburtstag. Du wurdest am 15. Januar 22. Wie hast du gefeiert?

Dafür hatte ich gar nicht richtig Zeit. Denn es war der Tag vor dem Spiel in Hamburg. Wir saßen also im Flugzeug. Eigentlich wollte ich am Samstag nachfeiern, und zwar den Sieg mit der Mannschaft. Aber daraus wurde ja leider nichts.

Stimmt es, dass du seit dem Spiel gegen Stuttgart angeschlagen bist?

Ja, eine Sehnenreizung im linken Knie. Die letzten fünf Minuten des Spiels merkte ich, dass da was nicht stimmt. Diese Woche konnte ich nicht richtig trainieren. Am Mittwoch konnte ich wieder laufen gehen, mit leichten Schmerzen. Ich verbrachte viel Zeit beim Physiotherapeuten und hoffe, dass ich übermorgen spielen kann.

Falls es klappen sollte, welchen Gegenspieler würdest du dir in Leverkusen wünschen?

Daniel Schwaab. Ich kenne ihn noch aus der A-Jugend. Mal schauen, ob er immer noch so gut ist wie früher.

Mit welchem Ziel fahrt ihr zum Tabellenführer?

Leverkusen ist eine klasse Mannschaft. Bei denen läuft gerade alles. Aber irgendwann werden sie auch einen schlechten Tag haben. Und ich hoffe, dass wir diese Chance nutzen können. Wenn wir einen richtig guten Tag erwischen, können wir auch Leverkusen schlagen. Warum nicht?

Klingt ganz schön selbstbewusst.

Wir befinden uns im Abstiegskampf, daran gibt es keinen Zweifel. Es ist zwar eine Phrase, aber es stimmt: Für uns ist ab jetzt jedes Spiel ein Endspiel. Wir müssen Punkte sammeln. Damit wollen wir in Leverkusen beginnen. Und endlich zu Hause wieder gewinnen.



Der Zeitpunkt, an dem du ins Haifischbecken Bundesliga geworfen wurdest, könnte schwieriger nicht sein.

Klar ist es schwer, wenn du gerade als Frischling zum Profi geworden bist und gleich mit dem Abstiegskampf konfrontiert wirst. Der Druck ist da. Aber damit muss jetzt jeder im Team fertig werden.

Was hat sich für dich verändert, seit du bei den Profis bist?

Ich bin in Deutschland ein Stück weit bekannter geworden. Der Alltag hat sich verändert. Du siehst ja, Presseanfragen und so. Hier, ich habe gerade einen Stoß mit Fanpost bekommen, den ich heute noch beantworten will. Leider sind die Autogrammkarten noch in Druck. Aber persönlich hat sich bei mir eigentlich nichts verändert.

Du hast wohl nicht mehr so viel Freizeit, oder?

Klar. Bei den Amateuren haben wir in der Woche an einem Tag zweimal trainiert. Jetzt sind es drei bis vier Tage, an denen wir zweimal trainieren. Auch das morgendliche Training fand bei den Amateuren nicht statt. Das war am Anfang für mich ungewohnt, aber jetzt hat sich mein Körper daran angepasst.

Robin Dutt hat immer wieder Spieler aus der zweiten Mannschaft in den Profikader eingegliedert. Wie beurteilst du das Leistungsgefälle zwischen Amateuren und Profis?

Bei gewissen Spielern siehst du schon den Unterschied, vor allem, wenn es um Erfahrung und Cleverness geht. Ich merke, dass die bei mir noch fehlt. Gerade einer wie Ivica Banovic spielt um einiges abgezockter als ein Spieler aus der zweiten Mannschaft.

Du spielst die gleiche Position wie Yacine Abdessadki. Könnt ihr voneinander lernen?

Yacine ist sehr ballsicher, technisch stark. Das ist bei mir noch verbesserungswürdig. Ich mache viel über Kraft und Schnelligkeit.

Du hast die deutsche und die italienische Staatsangehörigkeit. Wie kommt das?

Meine Familie väterlicherseits stammt aus Kalabrien. Als er 24 war, zog mein Vater nach Deutschland. Er arbeitet inzwischen als C-Programmierer in Donaueschingen. Meine Mutter ist Freiburgerin. Ich wuchs in Dauchingen auf, ein kleiner Ort in der Nähe von Villingen. In Dauchingen leben meine Eltern heute noch. Mit meinem Vater spreche ich Italienisch, mit meiner Mutter Deutsch.



Da du Italiener bist, würde uns interessieren, wie du den Support der Ultras im Dreisamstadion wahrnimmst.

Die Ultras sind immer zu 100 Prozent dabei. Klar, manche von ihnen betrinken sich auch. Beim Derby gegen Stuttgart habe ich auf dem Spielfeld natürlich schon gemerkt, dass es da heftig zur Sache geht. So ist das eben bei Derbys. Ich war als Junge bei drei, vier Spielen von Milan. Meine Oma wohnt dort. Genau kann ich mich an die Fans im Giuseppe-Meazza-Stadion aber nicht mehr erinnern. Deshalb könnte ich jetzt auch keinen Vergleich ziehen zwischen Mailänder und Freiburger Ultras.

Viele Freiburger Ultras reisen inzwischen lieber zu den Auswärtsspielen der zweiten Mannschaft.

Klar, die Atmosphäre in Pfullendorf ist anders als im Badenovastadion. Es sind deutlich weniger Fans, die zu den Auswärtsspielen der Amas mitfahren und der Kontakt zwischen Fans und Mannschaft ist in diesem Umfeld enger. Da unterhält man sich schon mal kurz nach Abpfiff. Es ist leichter, nach dem Spiel Kontakt mit den Anhängern aufzunehmen. Das geht bei 24.000 Zuschauern eben nicht.

Du hast den Profivertrag im Dezember unterschrieben und dich bis 2013 an den SC gebunden. Hast du dir vom ersten Profigehalt einen Wunsch erfüllt?

Nein, noch nicht. Mein wichtigster Wunsch ist es, mich in der Mannschaft zu festigen, Leistung zu bringen und den Klassenerhalt zu schaffen.



Heiko Butscher sprach nach dem Stuttgartspiel von der mangelnden „Geilheit auf Tore“ – wie trainiert man die?

Es muss im Training einfach jede gute Chance drin sein. Fertig, aus. Der Heiko hatte da schon recht. Die Mentalität, der Kampf, das stimmte gegen Stuttgart. Leider standen wir wieder mit leeren Händen da.

Man kann nur hoffen, dass ihr am Ende nicht die Absteiger der Herzen seid.

Wir können den Klassenerhalt jedenfalls nicht nur mit Schönspielen schaffen, das wird jeder Fan verstehen. Das ist jetzt eine völlig andere Situation als vor einem guten Jahr, als Spitzenreiter in der Zweiten Liga. Wir müssen daran arbeiten, das Spiel mit möglichst wenigen Ballkontakten aufzuziehen. Je weniger, desto schneller, desto besser.

Schalten wir zum Schluss einen Gang zurück: wie verbringst du am liebsten einen spielfreien Tag?

Also, ich schlafe aus in meiner Zweizimmerwohnung in Zähringen. Dann gehe ich mit meiner Freundin schön brunchen, zum Beispiel ins Oscar’s. Danach trinken wir noch einen Kaffee und machen einen Einkaufsbummel durch die Stadt. In der Regel mache ich dann abends nicht mehr viel, weil ja am nächsten Morgen das Training ansteht.

Und wenn ihr am Sonntag in Leverkusen gewinnt, wo wird dann gefeiert?

Erstmal müssen wir an das Spiel denken, für danach fällt uns sicher was ein, auf keinen Fall zu lang, weil wir ja am Montagmorgen gleich wieder auslaufen!

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