Damien Rice in Strasbourg

Markus Steidl

Als der irische Songwriter 2003 sein erstes Album "O" veröffentlicht hat, mit herzzerreißenden Liedern drauf, kannte ihn noch so gut wie niemand. Das änderte sich dann mit dem Song "The Blower's Daughter", Rices Beitrag zum Soundtrack von "Closer" ("Hautnah"). Die aktuelle Tour ist größtenteils ausverkauft. Eine kleine Hommage vorab.



Man kann sich zwar nicht sicher sein, ob sich irgend jemand von den plötzlich selbst ernannten Ricefans auch tatsächlich mehr als dieses eine Stück jemals angehört hat; oder ob Rice für sie eher etwas wie Led Zeppelin darstellt, also eine zwar nie gehörte, aber immer hochgepriesene Band.


Jedoch muss man dem jungen Mann mit der leidenden Stimme den Erfolg gönnen. Er ist weitaus vielseitiger als Heulboje James Blunt und scheint auch irgendwann einmal Gitarrenunterricht genossen zu haben. Außerdem sind seine Lieder, was man ohne Ironie zugestehen muss, durchaus traurig und auch bisweilen romantisch, was für die meisten das Totschlagargument schlechthin darstellen dürfte.

Dennoch: Das Angenehme an Damien Rice ist, dass er seine Hörer weitgehend von Streicher-Kitsch und heulsusiger Klebrigkeit verschont und stattdessen lieber richtig abgrundtief traurig wird und Songs schreibt, bei denen man sich schon gar nicht mehr traut, zu weinen.

Rice hat mittlerweile sein zweites Album „9“ veröffentlicht, das an die Tradition seiner ersten Platte nahtlos anschließt und nie richtig poppig wird, weil das einfach zu wenig ins Herz stechen würde. Ob Rice ein Trinker sein muss, um solche Lieder zu schreiben, müssen jetzt vorurteilsbehaftetere Menschen beurteilen.

Diejenigen allerdings, die glücklich genug sind, eine Eintrittskarte für sein morgiges, restlos ausverkauftes Konzert in der Straßburger Laiterie zu ergattern (Samstag, 10. März), können sich gern selbst davon überzeugen, dass seine Trauerarbeit zumindest teilweise auch von anderen, einschneidenderen Erfahrungen herrühren muss als dem Alkohol. Es wäre auch angebracht, dem Rest dieses Ereignis nun noch zu empfehlen, allerdings wird auch für die Deutschland-Konzerte jetzt leider kaum mehr eine Chance vorhanden sein, noch über den offiziellen Weg an Karten zu kommen. Aber es gibt ja immer noch eBay.

Als Vorband werden, kann man der offiziellen Ankündigung Glauben schenken, die britische Band „The Magic Numbers“ auftreten, die es hoffentlich unterlassen werden, mit ihrer zuweilen zuckersüßen Popmusik den Zuschauern auf die letzte Minute noch falsche Hoffnungen auf Fröhlichkeit einzutrichtern.

Mehr dazu:

  • Wann? Samstag, 10. März, 20 Uhr