Damaskus, Amman, Petra (4)

David Lohmüller

Die Nahostreise der beiden Freiburger Blogger gestaltet sich nach wie vor ereignisreich: Sie lernen eine irakische Flüchtlingsfamilie kennen, freuen sich nach jedem Essen auf das Sheesha- und Pfefferminztee-Verdauungsprogramm und machen sich einen ersten Eindruck von der Ruinenstadt Petra.



Damaskus

Am heutigen Sonnentag war wieder einmal Vortrieb im großen Stil angesagt. Kaum aufgewacht unter der Jungfrau Maria und dort den Sonnenaufgang in Empfang genommen, ging sie schon los, die wilde Fahrt zurück nach Syrien. Unser Ziel: Damaskus, eine der ältesten Städte überhaupt.

Die grandiose Historie dieser umwerfenden Stadt wird überdeutlich bei dem Bummel durch die verschnörkelte und verwinkelte Altstadt. Es sind hier nicht große Sehenswürdigkeiten, die verzaubern, sondern vielmehr die einzigartige Atmosphäre, die von dem Gassenlabyrinth ausgeht. Im Grunde hat man sehr schnell die wichtigsten Eckpfeiler der Stadt abgeklappert, aber die Stadt lockt an, stundenlang in den gemütlichen Teehäusern zu weilen, an den Stadtmauern entlang zu schlendern oder einfach nur Menschen im Marktgetümmel vor der großen Moschee zu beobachten - alles in allem, ein großer Kessel Buntes.

Bei aller Ästhetik und Verspieltheit von Damaskus, so gibt es wie überall auch die Kehrseite der Medaille. So wollte es geschehen, dass wir in der prunk- und glanzvollen iranischen Moschee eine irakische Flüchtlingsfamilie kennen lernten - Maktub.



Wir waren ja nach wie vor in der glücklichen Lage, dass wir in Begleitung von Amale, der beirutischen und radikal gesprächigen Reporterin waren. Diese war quasi unser Sprachrohr und Dolmetscher und so konnten wir in den vergangenen Tagen unheimlich viele schöne Kontakte mit den Menschen hier knüpfen und aus deren Alltag lernen.

Bei der Flüchtlingsfamilie gestaltete sich dies jedoch schwieriger. Der Vater, ein kriegverwundeter Invalide, der wie sich später heraustellte bei den Paralympics in Barcelona auf 400 Meter die Goldmedaille gewann, war sehr bedacht darauf, keine politischen Gespräche zu führen. Aus Angst vor dem Secret Service gab es also nur die Möglichkeit, dies bei der Familie zuhause zu tun. Also fuhren wir spontan in einer halbstündigen Taxifahrt in die Flüchtlingslager im Außenbezirk von Damaskus.

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle auf die schockierenden und schrecklichen Einzelheiten dieses Gesprächs einzugehen. Aber eines kann ich euch sagen, nach dem gestrigen Tag in der total zerbombten Südstadt Beiruts, hat mir der heutige Nachmittag endgültig den Stecker des Begreifbaren gezogen. Es ist einfach unglaublich, was für Unvorstellbarkeiten Menschen durchmachen müssen und sie trotz allem ein unbeugsamer Überlebenswille dazu treibt, nicht aufzugeben.

Ohne zu zögern haben wir beschlossen, dieser Familie zu helfen. Amale wird sich von Beirut aus um die Einzelheiten kümmern und wir werden versuchen, von zuhause aus unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, und wenn es nur in die finanzielle Richtung geht. Es ist klar, dass man damit am Gesamten nichts ändern kann, aber irgendwo muss man ja anfangen. Der persönliche Bezug zu dieser Familie durch diese Begegnung ist jedenfalls Grund genug, zumindest einem gebeutelten Einzelschicksal zu helfen.

Amman

Nach den teilweise doch brisanten und schwerwiegenden Berichten der vergangenen Tage, dachten wir, es wäre langsam wieder Zeit für mehr Heiterkeit.



In diesem Sinne folgen diese zwei Altagsbegebenheiten aus Nahost:

1. Zum einen ist es mir nun schon drei mal passiert, dass ich beim Anschnallen im Taxi vorwurfsvolle Blicke vom Fahrer geerntet habe. Zur Erklärung: Anschnallen in Syrien, Libanon wie auch Jordanien ist ungefähr gleichzusetzen mit einer Beleidung gegenüber des Fahrers, dass dieser nicht Auto fahren könne und dadurch Leib und Leben seiner Fracht gefährde. Ergo: Finger weg vom Anschnallgurt.

2. Soeben kommen wir zurück von einem fürstlichen Abendmahl in einem sehr gepflegten Lokal. Zur Feier des Tages (und so vieler anderer Tage) stand einmal mehr das Sheesha- und Pfefferminztee-Verdauungsprogramm auf der Agenda. Ich sage euch, wir sind fast darnieder gebrochen, als der angestrengte Kellner im vornehmen Frack, in ganz großem Stil die gesamte Palette von Wasserpfeifen abräumte, die so liebevoll der Treppe entlang aneinandergereiht standen. Was wie Schadenfreude klingt, war einfach nur Situationskomik wie man es sich besser nicht vorstellen vermag.



Petra

Um nicht zu übertreiben, drücke ich es mal vorsichtig aus. Absolut überwältigend war unser heutiger Tag in der über 2000 Jahren alten Ruinenstadt Petra. Die einstige Handelsstadt der Nebatäer ist eine einzige Unglaublichkeit aus Stein. Kilometerweit erstrecken sich die aus dem Felsmassiv herausgemeißelten Tempelanlagen, Grabstätten, Höhlen und Häuser.

Allein schon der Zugang zu den Anlagen durch den zwei Kilometer langen Felsspalt ist ein unvergessliches Gefühl, ganz zu schweigen von der Gänsehaut, die einem über den Buckel läuft, wenn man dann plötzlich und unverhofft vor dem gewaltigen "Treasury"-Tempel steht.

Morgen werden wir den ganzen lieben langen Tag in den Ruinen und der wahnsinnigen Landschaft herumwandern und euch Daheimgebliebenen eine Menge schöner Bilder bescheren.

Aus dem haschemitischen Königreich Jordanien ein paar "ruinierte" Grüße!

Mehr dazu:

David Lohmüllers Blog: Eine Reise zu den Pyramiden