Currywürste und Wunderkerzen: Elton John auf der Neuen Messe

Dennis Wiesch & Janos Ruf

Mitglieder des Popadels beehren Freiburg nicht allzu oft mit ihrer Gegenwart. Umso erfreulicher, dass am Freitag Sir Elton John auf der Neuen Messe Hof hielt. Gleichzeitig vor Ort: ein Regio-Fürst, dem der Engländer die Über-Ballade "Don’t Let The Sun Go Down On Me" widmete. fudder-Autor Dennis verrät uns, wer gemeint ist. [Mit Foto-Galerie!]



Currywurstgeruch in der Nase, Sonnenstrahlen im Gesicht, Jeansjackentragende und Kniegas gebende Mittfünfziger sowie Stehblues tanzende Pärchen mit einem Glas Sekt in der Hand. Eine Szenerie, die an x-beliebige Volksfeste erinnert, bildet heute Abend den Rahmen für ein Konzert eines der größten Popstars der Welt: Sir Elton John.

Der Auftritt des Engländers läuft mittlerweile neunzig Minuten lang, und wir befinden uns gerade in einer Phase, in der Elton John ein intensives, nicht mehr enden wollendes bluesrockiges Pianosolo spielt. Das ist zwar schön, dabei lässt es sich allerdings auch denkbar schlecht mitsingen. Und so überbrücken viele Zuschauer diesen Moment des Wartens auf den nächsten Superhit mit Bier holen, Dixi-Klo suchen, Bilder fürs Familienalbum knipsen oder dem Verzehren eines Schaschlikspießes. Nach dem Hit ist schließlich vor dem Hit.

Schon zu Beginn des Konzerts herrscht auf dem Messegelände permanentes Gewusel: Ständig sind Leute von A nach B unterwegs und mit irgendwas beschäftigt, nur nicht mit der Musik. Es scheint fast so, als ob der Auftritt der lebenden Legende für einige zur Nebensache geworden ist.



Auch der von der Queen zum Sir geadelte 64-jährige Popstar muss erst mal auf Touren kommen. Es dauert einige Songs bis Elton John sich eingegroovt hat und zur Höchstform aufläuft.
Mit zunehmender Konzertdauer zieht der Sänger, Pianist und Komponist in Personalunion alle Register und lässt kaum einen seiner unzähligen Hits aus. Über das Konzert verstreut tauchen seine erfolgreichsten Songs wie „Tiny Dancer“, „Rocket Man“, „Sorry Seems To Be The Hardest Word“, “Goodbye Yellow Brick Road”, “Sacrifice“ oder “Crocodile Rock” auf.

Richtig zur Sache geht es bei “Saturday Night Is Allright”, einer ordentlichen Rocknroll-Nummer. Kaum jemand hält es auf den Sitzen; fast alle klatschen freudig mit und schwingen ihre Hüfte. Seine Stärken zeigt Elton John vor allem bei den ruhigeren Stücken. Gerade eingangs dieser Lieder sind nur das Klavierspiel und die kräftige Stimme des Briten zu hören, die den Messplatz ganz ruhig werden und alle Zuschauer gebannt und fasziniert Richtung Bühne starren lassen.



Vor allem das Publikum in den vorderen Reihen ist voll dabei und feiert jeden Song überschwänglich mit Standing Ovations und - bei einsetzender Dämmerung - Wunderkerzen. Für viele ist dieser Abend eindeutig und zu Recht das Highlight des Jahres. Diese Freude überträgt sich schnell auch auf Elton John, denn schon bald ist er es, der ständig zum Bühnenrand kommt, grinsend ins Publikum winkt, auf und ab hüpft und keinen Zweifel daran lässt, gerne hier zu sein - zumindest für die Länge des Konzerts. Der letzte Akkord des Lieds „Your Song“ (aus der einzigen Zugabe) ist kaum verklungen, da entschwebt der Popstar in seinem Helikopter auch schon wieder gen Vereinigtes Königreich.

Das sollte man dem Musiker, der in seiner Karriere mehr als 500 Millionen Tonträger verkauft hat und seit über 40 Jahre Erfolg in diesem Business hat, aber nicht zum Vorwurf machen. Schließlich hat er doch so eben gut zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung geboten und ein völlig begeistertes Publikum auf dem erstaunlicherweise nicht ganz ausverkauften Messegelände zurückgelassen.



Elton John spult sein Programm mit viel Spaß und großer Routine ab. Dabei liegt der Fokus natürlich überdeutlich auf dem Superstar. Keiner aus der Band darf ein Solo spielen, geschweige denn aus den gewohnten Songstrukturen ausbrechen. Die Begleitmusiker spielen gekonnt und zuverlässig ihr Programm ab. Solide getrommelte Stadionrockrhythmen, achziger Jahre infizierte Basslines und Synthesizerklänge sowie glasklare Gitarrenakkorde bilden das Grundgerüst des Elton John'schen Sounds. Auf Rocknroll folgt gospelartiger Blues und natürlich eine Ballade nach der anderen.

Unter den vier Backgroundsängerinnen dabei: die ehemalige Motown-Künstlerin Tata Vega sowie Rose Stone, Mitglied der legendären Funk- und Soulband Sly & The Family Stone.

Neben Elton John erfährt an diesem Abend eine weitere Person besonders großen Applaus. Ihr widmet Elton John höchstpersönlich sogar den Song „Don’t Let The Sun Go Down On Me“, perfekt getimet zu den letzten Momenten des Sonnenuntergangs - vermutlich eine Anspielung auf die 1:4 Klatsche der englischen Nationalmannschaft im Achtelfinale der letztjährigen Fußball-WM in Südafrika. Denn gemeint ist kein anderer als Jogi Löw, der es sich in den vorderen Reihen gemütlich gemacht hat.



Fazit: Der Brite hat heute ein sehr gutes, abwechslungsreiches Konzert gegeben und die Erwartungen der Besucher voll erfüllt. Wären die teilweise sehr kitschigen kaleidoskopartigen Videoanimationen und projizierten neonfarbenen Flamingos, Krokodile und tanzenden Frauen, die sehr überaltert und trotz der zeitlosen Musik alles andere als zeitgemäß gewirkt haben, nicht gewesen, könnte man von einem runden Abend sprechen. Große Überraschungen gab es keine. Aber die hat auch niemand erwartet.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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