Nach der Parade

CSD-Organisatoren kritisieren mangelnde Kooperation der Stadtverwaltung

Joachim Röderer

Am Samstag vor einer Woche sind 6000 Menschen beim Freiburger Christopher Street Day durch die Altstadt gezogen. Jetzt haben sich die Veranstalter in einem offenen Brief über die Stadt Freiburg beschwert.

Freiburg habe sich – anders als andere Städte bei Christopher Street Days (CSD)– unkooperativ verhalten.Die Kritik richtet sich vor allem gegen das Amt für öffentliche Ordnung. Im Rathaus wollte man sich zu dem Brief nicht äußern. Um zu klären, was schief gelaufen ist, soll es aber ein Gespräch mit den Initiatoren geben.


Keine Beflaggung am Rathaus

Der CSD 2017 in Freiburg wird von den Initiatoren als großer Erfolg betrachtet. 6000 Teilnehmer waren am vergangenen Samstag mit dabei – und feierten mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einen Tag nach der Bundestagsabstimmung vor allem die "Ehe für alle". Was nach Ansicht der CSD-Macher aber schlecht funktioniert hat, war die Partnerschaft mit der Stadt Freiburg. In einem offenen Brief wird eine Reihe von Beschwerden aufgelistet. So habe Walter Rubsamen, der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung, vorgeschlagen, die Parade an der Messe beginnen zu lassen, da sich dort niemand gestört fühle, heißt es. Und weiter: "Diese Aussage ist nicht nur in höchstem Maße anmaßend, sondern gerade für eine Stadt wie Freiburg, die sich selbst als Hochburg der Toleranz und Vielfalt bezeichnet, politisch sehr fragwürdig." Das gesamte Gespräch über sei Amtsleiter Rubsamens Verhalten "äußerst störend, unkooperativ und provozierend" gewesen. Diese grundsätzliche Haltung habe sich durch den gesamten Verhandlungsprozess gezogen.

Die Route führte nicht über die Kajo

Vor allem die Routenfindung für die Parade sei anstrengend gewesen. Das Orga-Team spricht von fadenscheinigen Ausreden der Stadtverwaltung. Abgelehnt worden sei, die Parade über die Kaiser-Joseph-Straße zum Schwabentor zu führen. Als Grund wurde die Kajo-Baustelle genannt. Dabei sei die Baustelle so weit vom Bertoldsbrunnen weg, dass der CSD-Zug gut durchgekommen wäre. Kritisiert wurde auch, dass das Rathaus nicht mit der Regenbogenfahne beflaggt gewesen sei, obwohl die Organisatoren die Stadtverwaltung schon drei Monate davor darum gebeten hätten. Fazit der Organisatoren: Während andere Städte den Christopher Street Day als Aushängeschild sehen, werde er im Freiburger Rathaus offenbar als "nötiges Übel" betrachtet.

Die Initiatoren hätten, so heißt es im Rathaus, diese Woche beim Amt Gesprächsbedarf angemeldet. Die Antwort lautete, Stadt und Polizei müssten den CSD erst aufarbeiten. So lange wollte das Orga-Team nicht warten und veröffentlichte den angedrohten offenen Brief. Zu einzelnen Punkten äußert sich die Verwaltung nicht. Laut Stadtsprecherin Edith Lamersdorf werde der Erste Bürgermeister Otto Neideck mit den CSD-Machern die aufgetretenen Probleme besprechen. Ein Antrag auf Beflaggung sei nicht eingegangen. Anders als früher habe es beispielsweise auch keine Einladung an den Oberbürgermeister für den CSD gegeben.

Es gab auch Beschwerden von Bürgern und Einzelhändlern – auch über die Lautstärke der Musik. Die Polizei, die den Zug begleitet hat, wollte sich am Freitag auf BZ-Nachfrage nicht äußern.

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