Christopher Street Day

CSD in Freiburg: 2500 Menschen zeigen Bauch und Flagge

Uwe Mauch & Daniel Laufer

Frivol und friedlich – und bunt statt braun: Beim Christopher Street Day in Freiburg bringen nicht nur Glitzer und Girlanden Farbe ins Spiel. 2500 Menschen zeigen Bauch und Flagge für Toleranz und Vielfalt.

14 Wagen rollen im Schritttempo vom Konzerthaus am Hauptbahnhof vorbei über den Friedrichring zum Siegesdenkmal und von dort zum Erzbischöflichen Ordinariat, wo traditionell zum Knutschen angehalten wird. Dann geht es via Holzmarkt und Martinstor durch die Kaiser-Joseph-Straße wieder zurück Richtung Siegesdenkmal und dann unter der Bahnlinie durch in den Stadtteil Stühlinger. Ziel ist der dortige Kirchplatz (Fotos von der Parade).


"In Zeiten, in denen die AfD so stark wird, muss man von einem Rückschritt reden." Christian Kröper
"Unsere offene Gesellschaft gibt vor, fortschrittlich zu sein", sagt Christian Kröper vom Organisationsteam, "aber in Zeiten, in denen die AfD so stark wird, muss man von einem Rückschritt reden." Die vielen Teilnehmer zeigten, so der 27-jährige Student, "dass wir existieren und uns nicht vertreiben lassen".

Sie sind zumeist jung und kommen aus ganz Baden. Ein Bärtiger im Brautkleid hat eine Clownsnase im Gesicht. Ein haariger Athlet, der auch als Isländer durchgehen würde, liebt offenbar Rosa: Brille, Shorts, Söckchen. Männer tragen Kleider und Strumpfhosen, Frauen kleben Schnauzer auf die Oberlippe. Ein Trio begnügt sich mit Badehose, Marlboro und Dosenbier. Überhaupt zeigen die CSD-Teilnehmer viel Bauch, manche auch ein bisschen Hintern und überraschend für Freiburg sind auch einige Barbusige dabei. Glitzer und Girlanden bringen Farbe ins Spiel. Und natürlich laufen auch Viele in zivil mit.

Techno und Punk geben den Ton an

"Vielfalt unter einem Hut", ist das Motto von "Queerfeldein". Die mehrheitlich Frauen zeigen im Deutschlandtrikot die rote Karte gegen Rechts. "Queerfeldein" ist ein Sportverein, den es seit gut einem Jahr gibt: Schwimmen Badminton, Yoga. Am beliebtesten seien Fußball und Tanzen, sagt Christina Hunkler. Neben dem Sport gehe es auch darum, dass die 65 weiblichen und männlichen Mitglieder "queer zusammenzukommen", erklärt die 40-jährige Geo-Ökologin. Heteros könnten auch mitmachen, aber die Frage stellt sich in der Praxis nicht.

Musikalisch dominieren Techno und Punk. Das Wummern der Bässe ist bis zum Stadttheater zu hören. Hinter und vor den Wagen tanzen Jungs und Mädchen, Männer und Frauen und auch viele dazwischen. Manche tragen Tafeln mit Porträts der Opfer des Anschlags auf den Schwulenclub in Orlando. Peter Wild, 67, fotografiert den schrillen Lindwurm als Beobachter. Er und seine Partnerin waren schon vergangenes Jahr dabei. Sein Sohn macht mit bei den Rosekids, einer schwul-lesbischen Jugendgruppe. "Die Stimmung ist toll, freundlich, überhaupt kein Stress", sagt der frühere Pflegepädagoge. Der Wagen der Rosekids pustet Seifenblase Richtung Stadtbahnbrücke, wo Hunderte von Zaungästen das bunte Treiben beobachten.

Das Publikum reagiert zumeist wohlwollend amüsiert

Auf einen der Wagen ist ein autogroßer Piranha aus Metall montiert, drin sitzt eine Zwei-Mann-Band mit scheußlichen Gummimasken über dem Kopf, die experimentellen Krach mit Bass und Synthesizer macht. Eine Art Werbeblock ist der Wagen, der für die Neueröffnung eines schwulen Saunaclubs in der Ziegelhofstraße in Lehen wirbt.

"Ganz grausam", findet das alles eine Seniorin aus dem Schwäbischen, die in Freiburg ein paar Tage Urlaub macht und zufällig in die Parade geraten ist. "Verrückter geht es nimmer", sagt sie, deren Begleiter darauf drängt, bloß keinen Namen zu nennen.

Drei Stunden nach dem Start staut sich der Lindwurm am Martinstor. Das Partyvolk tanzt ausdauernd. Aus dem Brunnen werden die Spritzpistolen aufgeladen. Drag Queens und besonders schräg Kostümierte posieren, und die Touristen zücken ihre Smartphones. Das Publikum im Stadtzentrum verfolgt das Geschehen zumeist wohlwollend amüsiert und kühlt sich – anders als an Fasnet – die Füße in den Bächle.

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