Crystal und GHB - zwei neue Drogen in Freiburg

Anselm Müller

Crystal Meth (Foto oben), GHB, GBL - wer in den Medien ein bisschen die Berichterstattung über Drogen verfolgt hat, ist in den vergangenen Monaten mit einigen mehr oder weniger neuen Begriffen konfrontiert worden. Auch in der Freiburger Drogenszene sind diese illegalen Substanzen in jüngster Zeit verstärkt aufgetaucht. Anselm hat sich umgehört - bei Leuten, die den Konsum von Drogen bekämpfen. Und bei solchen, die Drogen konsumieren.



Robin* ist ein junger Mann aus Freiburg, der in seinem Leben schon reichlich Erfahrungen mit Drogen gemacht hat - jedweder Art. Und deswegen ist es nicht als Prahlerei einzustufen, wenn er sagt: “GHB/GBL bekommt von mir den zweiten Platz hinter Heroin.” Robin weiß wovon er spricht, denn er hat GHB und GBL schon häufiger getestet. “Gefährlich ist vor allem die Dosierung der Droge: Man weiß nie wie rein das Zeug ist, was man bekommt und - schwupps - haut es einen um.” Solche Risiken werden von Experten wie Maren Hermanns-Clausen, Fachärztin für Innere Medizin und Leiterin der Vergiftungsinformationszentrale in Freiburg, bestätigt.


GHB und GBL sind zwei unterschiedliche Substanzen. GHB fällt unter das Betäubungsmittelgesetz (BTMG) und wurde bereits in den 60er Jahren erstmals im Labor hergestellt. Die chemische Vorstufe GBL, das sich im Körper zu GHB umwandelt, unterliegt lediglich dem Arzneimittelgesetz. In der Party-, wird es auch unter dem Namen Liquid Ecstasy, Liquid E, Liquid X und Fantasy verkauft. Allerdings haben GHB/GBL rein gar nichts mit dem Amphetaminderivat Ecstasy zu tun, da sie kein Amphetaminderivat sind.

GHB/GBL sind eine farblose Flüssigkeit, sie werden getrunken. In niedriger Dosierung sind sie euphorisierend und Libido steigernd, bei hoher wirken sie einschläfernd. “Ich habe schon Leute erlebt, die wie im Koma lagen, die hast du nicht mehr wach gekriegt”, berichtet Robin. Gefährlich werden GHB/GBL besonders in Kombination mit Alkohol und anderen Drogen, da dies zu Gedächtnisverlust, Übelkeit, Erbrechen, lebensbedrohenden Atembeschwerden und Herzrhythmusstörungen führen kann. Bei diesen Symptomen sollte ein Notarzt (0761-19222) gerufen werden. In Amerika werden die Substanzen auch “date rape drug” (Vergewaltigungsdroge) genannt, da Frauen damit sexuell gefügig gemacht werden. Durch die Einnahme können sich die Opfer nicht mehr an die Geschehnisse erinnern.

“Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 10 Fälle von GHB/GBL-Überdosierungen und Abhängigkeit", sagt Friedemann Hagenbuch, Chefarzt der Suchtabteilung im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen (ZPE). Seit zwei bis drei Jahren sind die Substanzen nach Hagenbuchs Beobachtungen vermehrt auf dem regionalen Markt im Umlauf. Er warnt: "Der Entzug ist durch starke physische und psychische Reaktionen gekennzeichnet - körperliche Schmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Halluzinationen und Realitätsverkennungen, die bisweilen psychotische Merkmale aufweisen können." Das beängstigende an GHB/GBL sei, dass diese Entzugsphänomene schon nach kurzem regelmäßigen Konsum auftreten”.

Auch das Freiburger Rauschgiftdezernat kennt die Substanzen. “Wir wissen das GHB/GBL auf dem Markt sind. Im Raum Freiburg wurden zwischen 2004 und 2006 vier bis sches Labore entdeckt, die im großen Stil GHB/GBL hergestellt haben", sagt Manfred Bührer, Leiter des Freiburger Rauschgiftdezernats. Das Problem: Schon ein Grundwissen an chemischen Kenntnissen genüge, um das Zeug durch Anleitungen im Internet selber herzustellen. "Die einzelnen Stoffe können ebenfalls durchs Netz besorgt werden”, sagt Bührer.

Auch Jeanette Piram, Leiterin der Drogenhilfe Freiburg, weiß, dass GHB/GBL in der Freiburger Drogenszene kursiert: “Es gibt aber keine eindeutige Zielgruppe. Die Substanzen werden von allen Gruppen konsumiert.” Sowohl die einfache Herstellung als auch der Preis haben die wachsende Popularität dieser Drogen unterstützt. “Kostet Koks 60-80 Euro pro Gramm und Speed 30-50 Euro, so liegt der Preis von GHB/GBL bei zwei Euro pro Milliliter. Robin weiß: "Wenn man das in großen Mengen einkauft, sinkt er auf 40-80 Cent.”

GHB/GBL sind nicht die einzigen synthetischen Drogen, die verhältnismäßig neu auf dem Markt sind: Auch die Droge Crystal Meth, die speziell in Nordamerika auf dem Vormarsch ist, bereitet den Experten Sorgen. “Crystal gibt es in Freiburg aber nur manchmal. Ich kenne niemanden bei dem ich das Zeug sofort beschaffen könnte”, sagt Andreas*, der in der Freiburger Drogenszene schon seit mehreren Jahren gut vernetzt ist. Robin kann wenig über Crystal berichten.



Experten bestätigen diese Einschätzung, obgleich ZPE-Chef Hagenbuch sagt: “Es gab bei uns vereinzelte Fälle”. Jeanette Piram hatte ebenfalls nur vereinzelt mit Crystal-Fällen zu tun. “Ich hoffe nur, dass Crystal eine Modeerscheinung ist und sich nicht wie Ecstasy als Standarddroge etabliert.” Für das Rauschgiftdezernat war Crystal ebenfalls kein großes Thema: “Bisher ist es uns noch nicht bekannt, dass es eine Crystalszene in Freiburg gibt. Jedoch gibt es sicherlich eine Dunkelziffer”, sagt Bührer.

Crystal wird meist als weißes Pulver (Namen: Crank, Go Fast) oder als kleine durchsichtige Kristalle (Ice, Glass) verkauft. Es kann geraucht, geschnieft und gespritzt werden. Wobei die Intensität des Rausches beim Rauchen am geringsten beim Spritzen am stärksten ist. Der Rausch kann zwei bis sechzehn Stunden anhalten und ist dem Ecstasy-, Speedrausch ähnlich. Jedoch ist Crystal im Gegensatz zu Speed fünf Mal stärker. Typische Rauschphänomene sind gesteigertes Selbstbewusstsein, vermindertes Schmerzempfinden, ein Verlust des Durst- und Hungergefühls (mit der Gefahr der Dehydratation), Rede- und Aktivitätsdrang.

Amerikanische Verhältnisse, die der Stern kürzlich beschrieben hat ("Crystal Meth - die Monsterdroge), gibt es in Deutschland gewiss noch nicht. “In den neunziger Jahren hieß es Crack würde uns überschwemmen. Doch es blieb aus. Ich glaube ähnlich ist es mit Crystal. Bisher jedenfalls haben wir keine Erkenntnisse”, sagt Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Auch Andreas Schoppar, Referent der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, bestätigt, dass es keine Zahlen über Crystal gibt. Wenn man sich allerdings die 560 Erfahrungsberichte auf der Infoseite Drugscout, anschaut, scheint Crystal eine gewisse Bedeutung in der deutschen Drogenszene zu spielen.

* Namen vom Verfasser geändert