Crystal am Münsterplatz: Tanzen in pinker Ecke

Gina Kutkat

In einem Nebenraum des Dubliner's im Kornhauskeller versucht der Betreiber Ayhan Maslum seit einigen Monaten, seinen Irish Pub um eine Disco zu bereichern. "Crystal", so der Name des Clubs. Früher standen dort Billardtische. Wer und was heute im Crystal steht, berichtet Gina.



Während es nebenan im Dubliner's betriebsam zugeht , sind die Türen des Crystals gegen 22.30 Uhr noch verschlossen. Beim Lauschen kann man jedoch schon den DJ hören, der sich warmspielt. Dann aber doch erstmal auf ein Bier ins Dubliners.


Keine Ausweiskontrolle, keine Eintrittskosten. Das erklärt, warum alle Tische ausnahmslos von Jugendlichen belegt sind, die hier ihren Freitagabend verbringen, da sie für die Clubs und Diskos noch zu jung sind.

Das Dubliners ist seit einiger Zeit ein Irish Pub mit angrenzender Disko. Früher konnte man durch einen Schlauch die ganze Kneipe durchqueren. Der kleinere Teil ist jetzt das Crystal, eine Art Disko oder Club; am Wochenende wohl Zusatzeinnahmequelle des Besitzers. Elektro & House DJ's bilden das musikalische Programm, womit das Konzept fast schon erklärt ist.



Lametta, überall Lametta. Zwei Diskokugeln und Ölfässer, die als Biertische dienen. Eine Bar, ein DJ-Pult und alles eingerahmt von pinken Wänden. Hier hat sich der Innenarchitekt nicht verausgabt. Wenn es überhaupt einen gab. Am Eingang befindet sich eine Sofaecke, die so dunkel ist, dass man befürchten muss, durch den Blitz am Fotoapparat eine grausame Entdeckung zu machen.

Das Crystal könnte also eine stinknormale Disko sein. Ist es aber nicht. Denn niemand kommt hierher, um zu bleiben. Das Crystal ist eher das Abstellgleis des Dubliner's, auf das man zwischendurch flüchtet, wenn man auf die Kneipenatmosphäre keinen Bock mehr hat.



"Ich kannte diesen Raum bis jetzt noch gar nicht. Ich sitze mit meinen Freunden drüben und habe die offenen Türen auf dem Weg zur Toilette gesehen, deswegen hab ich kurz reingeschaut", erzählt mir eine Besucherin. Und so ist es ein ständiges Kommen und Gehen von Jugendlichen, die mit ihren Freunden an den Biertischen nebenan hocken.

Die Musik von DJ Oliver Sylo ist gut, laut und elektronisch. Am Ende des Raums befindet sich eine sinnlose Ecke, die die Planer offenbar nicht zu nutzen wussten. Ein leeres, pinkes Quadrat. Hier könnten die Schüchternen tanzen, ungesehen vom Rest der Welt.



Das Crystal ist gut gemeint, aber nicht gut umgesetzt. Es mangelt an Bekanntheit und an Werbung. Eine Zielgruppe ist nicht auszumachen, denn Stammgäste gibt es noch keine. Niemand hat das Crystal als eindeutiges Partyziel, alle sind eher zufällig hier. Wenn sich das in Zukunft noch ändert, könnte das Crystal eine nette Disko mit guter Musik werden.