Crossgender im 16. Jahrhundert: Die Uni-Gruppe Maniacts spielt "Orlando" von Virginia Woolf

Brigitte Rohm

Eine märchenhafte Transformation von Mann zu Frau und eine wilde Zeitreise durch 500 Jahre: Dieses Wochenende feiert die englischsprachige Theatergruppe Maniacts mit ihrer temporeichen, aufwendig inszenierten Adaption von "Orlando" Premiere.

Virginia Woolfs Romanklassiker "Orlando" erzählt die Geschichte eines jungen Adligen im 16. Jahrhundert, der sich in eine moderne Frau verwandelt. "Sounds confusing? – Maybe, but nobody said that five hundred years of history, several countries and the diversity of various genders combined in one person would be simple", schreiben die Maniacts über ihr neuestes Stück. Und sie brennen darauf, den Zuschauern sechs unterhaltsame und schillernde Abende zu bieten: von Freitag, 10. Februar, bis Sonntag, 12. Februar, und von Freitag, 17. Februar, bis Sonntag, 19. Februar.


Charlotte Großmann hat bei der Produktion Regie geführt und gerät ins Schwärmen, wenn sie über den Roman spricht: "Die Figur ’Orlando’ liegt mir sehr am Herzen und hat mich viele Jahre begleitet. Es ist eine Person auf der Suche, die manchmal traurig ist und auch Momente der Erfüllung erlebt." Die Schauspielerin, die diese komplexe Figur mit ihren extremen Gefühlen verkörpert, wird von einem bisweilen antik anmutenden vierköpfigen Chorus begleitet. Dieser Figurenreigen erzählt mit ihr die Geschichte und schlüpft zugleich in alle Nebenrollen: Elisabeth I., eine russische Prinzessin und eine skurrile Erzherzogin aus Rumänien treten dabei in Erscheinung.

Opulente Kostüme und historische Tänze

"Es geht viel um crossgender-dressing und die Frage ’wo stehe ich eigentlich?’, so Großmann. "Jede Figur hat ihren eigenen gender-struggle, das bezieht sich nicht nur auf Orlando." So gibt es etwa eine Frau, die als Regentin die Rolle eines Mannes übernimmt oder eine gleichgeschlechtliche Beziehung auf Augenhöhe – das Thema sei allgegenwärtig, aber ohne "die feministischen Schlagkeule". Die Botschaft von Virginia Woolf: Es geht nicht darum, ob man ein Mann oder eine Frau ist, sondern um die Person, die man ist. Bei Woolf, so die Regisseurin, werde die Verwandlung Orlandos überhaupt nicht als Problem behandelt, obwohl der Roman in einer strengen, patriarchalischen Gesellschaft entstanden ist. "Das ist das Berührende, Wunderbare und Poetische daran."

Neben den liebenswert-schrägen Bühnencharakteren gibt es noch zwei "Special Guests": "Virginia Woolf war zu der Zeit, als sie den Roman schrieb, sehr verliebt in eine andere Schriftstellerin: Vita Sackville-West", erzählt Großmann. "Das ist sehr spannend, weil einzelne Episoden aus dieser Beziehung heraus entstehen." Orlando zieht es nach Konstantinopel, weil auch Vita einst in den Orient gereist war, und ein Russland-Aufenthalt der Geliebten inspirierte zur Sequenz "The Great Frost". Der Schriftwechsel zwischen den beiden Autorinnen ist zwar kein Teil des Romans, aber in der Maniacts-Inszenierung werden die Brief-Figuren lebendig und begleiten durch den Abend.

Auf der Bühne soll es sogar schneien

Der verspricht, außerordentlich bunt, kurzweilig und vielseitig zu werden: "Es gibt historische Tänze, eine Frau auf Rollschuhen und wir lassen es sogar auf der Bühne schneien", verrät Großmann. "Alles geht unglaublich schnell und es passiert viel verrücktes Zeug." Opulente Kostüme und Musik aus verschiedenen Jahrhunderten beschwören die Orte und Epochen herauf. Eine sprachliche Zeitreise wird es allerdings nicht: Es bleibt beim leicht verständlichen Englisch des frühen 20. Jahrhunderts.
Was: "Orlando" von Virginia Woolf, von der studentischen Theatergruppe "Maniacts"
Wann: 10., 11., 12. Februar und 17., 18. und 19. Februar, je 19:30 Uhr
Wo: TheaterFISTung, Hörsaal unter dem Rektorat am Fahnenbergplatz, Friedrichstraße 39
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, Vorverkauf bei Walthari oder bei tickets@maniacts.de