Crocs: Die Faszination des Hässlichen

Eva Hartmann

Dieses Jahr scheint sich ein -zumindest auf den ersten Blick - ziemlich hässlicher Sommertrend auszubreiten: Crocs. Überall sind diese Garten- und Segelschuhe aus Gummi mittlerweile zu haben und erfreuen sich paradoxerweise wachsender Beliebtheit. Selbst George W. Bush trägt welche und sogar Teile der fudder-Redaktion sind bereits infiziert. Eva hat die skurrilen Trendtreter unter die Lupe genommen.



Wenn man derzeit durch die Freiburger Innenstadt flaniert und die Auslagen diverser Schuhhändler beguckt, kommt man an einer Erscheinung nicht vorbei: Überall werden in diesem sogenannten Sommer klobige Gummibotten feilgeboten, die sich trotz ihrer nicht zu übersehenden Hässlichkeit wachsender Beliebtheit erfreuen.


Crocs heißen die Dinger und wecken damit nicht nur optisch Assoziationen zu billigen Gartenschuhen. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die quietschbunten Kindersärge jedoch als echtes Hightech-Produkt: Gefertigt werden sie aus einem Kunststoffgranulat namens "croslite", das dem fertigen Schuh hinterher schwer zu überbietende Eigenschaften verleiht: Er ist ultraleicht, verschmutzungsresistent, antimikrobisch, praktisch nicht kaputtzukriegen und nimmt keine Gerüche an.  Dank der Belüftungslöcher bekommt man in Crocs wider Erwarten keine Schweißfüße; außerdem hinterlassen sie keine Streifen auf Kunststofffußböden.



Im Klartext heißt das: Crocs sind in nahezu allen Bereichen uneingeschränkt einsetzbar. Dass sie außerdem über ein ergonomisch geformtes Fußbett verfügen und damit auch über viele Stunden hinweg bequem zu tragen bleiben, macht sie vor allem für Leute attraktiv, die beispielsweise aus beruflichen Gründen auf bequemes und funktionales Schuhwerk angewiesen sind.

Doch auch an den Füßen gewöhnlicher Freizeitschlenderer sind die Crocs immer häufiger zu sehen. Und das trotz des Faktors der Hässlichkeit, über den alle noch so tollen Funktionalitätsargumente nicht hinwegtrösten können. Die Standardvariante des Croc ist unbestreitbar nicht gerade das, was man unter einem wenigstens irgendwie schönen Schuh verstehen könnte: Unförmig und mit den fürchterlich funktional wirkenden Löchern versehen verleiht er selbst dem ansehnlichsten Fuß das uncharmante Aussehen einer Schweinsklaue.



Doch die findige amerikanische Herstellerfirma sich auch gegen dieses Argument etwas einfallen lassen: Gemäß der im Prospekt propagierten Aufforderung "unterstreiche deine Persönlichkeit durch auffälliges Design und Farbe" gibt es Crocs insgesamt in neun verschiedenen Modellen und 17 verschiedenen Farben. Von Gummistiefeln über MaryJanes und Ballerinas bis hin zu FlipFlops und Schnürschuhen sind sie in fast jeder erdenklichen Variante für Kinder, Männer und Frauen zu haben. Wenigstens ein paar dieser Modelle sind nicht ganz so hässlich. Selbst elegante Highheel-Modelle aus Leder mit Absätzen aus dem Wundermaterial Croslite sollen demnächst zur Vefügung stehen.

Zusätzlich verschönern lassen sich Crocs mit den sogenannten "jibbitz", kleinen Gumminbuttons in verschiedenen, allerdings auffällig Disney-lastigen Ausführungen. Neben so ziemlich jedem Einwohner Entenhausens gibt es sie beispielsweise in Form kleiner Fußbälle, Schildkröten und Herzchen, die man sich in in die fast bei jedem Crocs-Modell vorhandenen Löcher stecken kann.



Spätestens das führt dazu, dass man sich dem seltsamen Charme dieses skurrilen Schuhwerks endgültig nicht mehr entziehen kann. Wo sonst bekommt man Schuhe zum Selberschmücken? Flipflops mit Fußbett? Arbeitsschuhe, in denen man trotz Abwischbarkeit keine Schweißmauken bekommt?  Wassersandalen, die im Falle des Verlierens auf dem Wasser schwimmen und somit nicht verloren gehen? Wanderschuhe, mit denen man auch mal einen Bach durchqueren kann? Dass die Dinger vermutlich auch einen Atomkrieg überleben würden, muss letztlich sogar George W. Bush überzeugt haben: Auch er trägt Crocs - wenn auch noch etwas stilunsicher mit Tennissocken darin.



Dass Crocs sich längst zu einem echten Trend entwickelt haben, lässt sich auch daran erkennen, dass es bereits Billigplagiate zu kaufen gibt: Kopiert wird ja bekanntlich nur das, was gut ist.

Das Schöne an diesem hässlichen Sommertrend ist, dass er ausnahmsweise mal nicht ausschließlich modische, sondern auch praktische Interessen deckt: Jungs dürfen ihrem Hang zur schuhwerksbezogenen Bequemlichkeit noch uneingeschränkter freien Lauf lassen und Mädels müssen ihre Füße nicht länger in viel zu enge, blasenverursachende Prinzesschen-Pumps zwängen. Mich haben die quietschbunten Gummischuhe jedenfalls überzeugt - in irgendeiner Ausführung werde ich mir ganz sicher ein Paar zulegen.

Wer dies ebenfalls vorhat und kein Standardmodell kaufen möchte, muss sich allerdings leider damit abfinden, seine Crocs online bestellen zu müssen: Scheinbar ist dieser skurrile Sommertrend auch den Freiburger Schuhändlern noch nicht ganz geheuer, so dass sie die hübscheren Modelle, wenn überhaupt, nur in äußerst unbefriedigender Auswahl anbieten.

Mehr dazu:

  • Deutscher Onlineshop für Crocs und jibbitz: Colorway
  • Bergreunde.de Croco-Shop: Website
[Herzlichen Dank an Sport Bohny für die Erlaubnis zum Croc-Foto-Shoot!]