Cro-Party am Bodensee: Sommer, Sonne, Mädchenstar

Marius Buhl

Drei Konzerte, drei Länder, ein Tag am See: Cro hat am Bodensee sein neues Album "Melodie" mit einer riesigen Release-Party vorgestellt. Warum dabei ein Brausemittelhersteller, ein Fallschirm und jede Menge Mädchen im Mittelpunkt standen, erklärt fudder-Redakteur Marius Buhl, der Cro begleitet hat:



Es ist Cro-Wetter in Konstanz. Eben noch knallte die Sonne, jetzt ist sie hinter den Hügeln versunken und über dem Bodensee liegt dieses milchig-schöne Abendlicht, das die Welt weich zeichnet wie eine Polaroid-Kamera. In dieser Szenerie stehen sie da und warten auf ihn – ausgestattet mit Basecaps und Turnbeutel. Auf ihn, ihren Star, ihr Stil-Vorbild, ihren Sommernachtstraum: Cro.

Als sie ihn dann erblicken, kreischen die Mädchen ohnmachtsgefährdet, und die Jungs nicken anerkennend mit den Köpfen; hoch oben über dem Bodensee ist Cro aus einem Helikopter gesprungen und segelt nun mit einem Fallschirm durch den Juniabend. Auf dem Fallschirm steht der Name des Sponsors dieses Tages: Red Bull.



Es ist der größtmögliche Auftritt, die effekthaschendste Szene, der maximale Wow-Moment – es ist die Release-Party zu Cros neuem Album "Melodie". Drei Konzerte hat der Rapper heute gespielt: Eins in Romanshorn in der Schweiz, dann ist er mit Boot, Alpensicht und Sonnencreme zum zweiten Konzert zur Bregenzer Seebühne nach Österreich geschippert – und nun eben Konstanz.

Dass Cro sein Album so opulent vorstellt, liegt vor allem an den Erwartungen nach seinem Debüt-Album "Raop" von 2012. Damals landete der 24-jährige Aalener, der mit bürgerlichem Namen Carlo Waibel heißt, einen Mega-Erfolg. Singles wie "Einmal um die Welt", "Du", "Whatever" und auch der Karrierestarter "Easy" wurden mit Platin ausgezeichnet; allein das Video zu "Easy" wurde auf Youtube fast 40 Millionen Mal geklickt. Cro erfand eine neue Musikrichtung, die er, wie auch das Album, Raop nannte. Raop – also Rap plus Pop, das ist ein wichtiger Faktor in Cros Erfolgsformel.

Cros Erfolg wirkt wie am Reißbrett geplant und aufgezogen. Er will den Mainstream erreichen und gibt das auch zu, gleichzeitig suggeriert er aber Coolness. Sein Style ist der eines Hipsters: schwarze Röhrenjeans, die er sich bis unter die Knie hochkrempelt, ein lang geschnittenes, weißes Tanktop seiner eigenen Klamottenmarke VioVio. Er ist ein androgyner Typ, hoch aufgeschossen, dürr. Die Zielgruppe, die Cro damit erreicht, ist auch die Zielgruppe von Red Bull.



Auch der Energy-Drink-Hersteller versucht der Masse ein Produkt zu verkaufen, auch er tut das über den Marketingtrick der Coolness. Red Bull hat den gesamten Extremsport unterwandert, Cro springt mit dem Fallschirm ab. Red Bull sorgt für freies W-Lan auf den drei Konzerten und bittet die Jugendlichen, Fotos im sozialen Netzwerk Instagram zu posten. Die Folge: Werbebanner, die überall herumstehen, überschwemmen das Netz. Es ist kaum verwunderlich, dass nach den Konzerten quengelnde Skinny-Jeans-Träger um die kleinen Autos herumstehen und um kostenlose Getränkedosen kämpfen.



Cros neues Album "Melodie" ist ein Experiment. Das Ungewisse: Kann man ohne Veränderung alten Erfolg neu produzieren? 14 Tracks sind zu hören, und 14 Mal fragt man sich, warum das alles so gleich klingt. Die Antwort ist einfach: Cro will immer gleich klingen, Cro will in seinen Liedern immer nur eins: das Cro-Gefühl versprühen.

Es ist das Gefühl, mit hübschen Mädchen in eine warme Sommernacht zu tanzen, es ist das Gefühl, nachts in ein Schwimmbad einzubrechen, es ist das Gefühl, mit der Vespa, coolen Klamotten und Sommermusik durch Weinberge zu fahren. Es ist das Gefühl eines guten Lebens, es ist das sorgenfreie Gefühl einer Jugend, die keine Probleme hat. Den Kater am Tag danach, die traurigen Momente, den Schmerz – das alles gibt es bei Cro nicht.



Die Texte kreisen um drei Themen: Sommer, Mädchen, und manchmal Geld. Vor allem Mädchen, in fünf Songs thematisiert er Mädchen und die Liebe. In Cros Entourage reisen Models mit, als er Wasserflaschen in die schwitzende Menge wirft, ruft er: "Mädchen, immer mit beiden Händen fangen." Als er beim Schweizer Konzert scherzhaft fragt, ob er seine Maske nun endlich einmal abnehmen soll, wird ein junges Mädchen ohnmächtig. Für Mädchen wie dieses ist Cro ein Rockstar, ihr Traum von einem bedeutsamen Leben.



Misst man Cro mit Rap-Maßstäben, kann er mit den Guten dieses Landes nicht mithalten. Er hat weder den Flow eines Samy Deluxe, noch die Geschichten eines Marteria, noch den Witz eines Kollegah – erfolgreicher ist Cro aber allemal. Übers Radio erreicht er auch Menschen über 30, in Konstanz waren mehr Mädchen als Jungs beim Konzert – kein anderer Rapper kann das von sich behaupten. Er hat es geschafft, Rap ins Rampenlicht zu stellen, ihn aus der Berliner Aggro-Ecke herauszuholen in die schwäbische Mittelschicht. Cros größte Stärke ist: der Zeitgeist. Sein Problem: Der Zeitgeist könnte sich bald ändern.

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